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Solawi Tegernseer Tal: Erste Ernte für junge Initiative

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Von: Christina Jachert-Maier

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Auf dem Feld beim Pointerhof wachsen die Zucchinipflanzen prächtig. Heute verteilen Daniela Schober und ihr Team die ersten Erntekisten.
Auf dem Feld beim Pointerhof wachsen die Zucchinipflanzen prächtig. Heute verteilen Daniela Schober und ihr Team die ersten Erntekisten. © Thomas Plettenberg

Der kalte Kreuther Boden hat es der Solawi Tegernseer Tal am Pointerhof nicht leicht gemacht. Aber jetzt wächst es gut im Gemüsegarten. Es wird schon geerntet.

Kreuth – Wachstum, das wünschen sich die Gründer auch für ihre Genossenschaft, die für solidarische Landwirtschaft steht. Erträge gibt’s schon: Am heutigen Samstag werden die ersten Erntekisten verteilt. Im März haben Daniela Schober und ihre Mitstreiter den Boden für ihre Idee bereitet. 180 Kubikmeter Naturkompost in den Boden eingearbeitet, mit Hackschnitzeln Wege angelegt. Auf dem Pointerhof ist ein Betrieb nach dem Modell Solidarische Landwirtschaft, kurz Solawi, entstanden. Ein Gemüsegarten in der Hand einer Genossenschaft, deren Mitglieder jede Woche einen Ernte-Anteil erhalten. Und noch mehr als das: Die Solawi versteht sich als Gemeinschaft. „Es geht um Regionalität“, sagt Schober. Um die Kraft, sich selbst mit dem Lebensnotwendigen zu versorgen. „In der heutigen Zeit weiß man doch nie, welche Überraschungen von außen kommen“, meint Schober.

60 Erntekisten werden ausgegeben

Am heutigen Samstag gibt die junge Initiative die ersten Erntekisten aus, von 14 bis 18 Uhr direkt am Hof. 60 Stück sind gebucht, mehr als ursprünglich erwartet. „Aber das kriegen wir gut hin“, meint Schober. In den Kisten liegen Kopfsalat und Pflücksalat, viele Kräuter, Mangold. Zucchini, Zuckerschoten, Gurken und Bundzwiebeln. In jeder stecken noch Rezepte für Mangoldgerichte und essbare Blüten. Die erste Ausgabe wird ein kleines Fest.

Dass dies möglich ist, dafür hat Schober mit ihrem Team schwer geschuftet. Zumal die Pflänzchen anfangs nicht recht gedeihen wollten. „Wir hatten Staunässe“, berichtet die Initiatorin. Mit Hilfe eines Beraters wurde das Problem behoben. Nichts ändern lässt sich an der Kreuther Geographie: Die Lage in den Bergen bringt einen frostigen Boden mit sich. Gärtner brauchen Geduld – und einen Folientunnel. Die Solawi setzt darauf, im Herbst einen solchen Tunnel errichten zu können. Dafür ist allerdings nicht nur eine Genehmigung erforderlich, sondern auch eine beträchtliche Investition. Schober rechnet mit 20 000 Euro.

Folientunnel soll Saison verlängern

Die Genossenschaft hofft auf einen Zuschuss im Rahmen der Leader-Förderung des Freistaats. Neben dem Folientunnel soll auch eine Vermarktungshütte entstehen, an der die Erzeugnisse verteilt werden. Die Erntekisten gibt’s in den Größen „Single“, „Paar“ und „Familie. Die Gemüsekiste „Paar“ kostet 100 Euro monatlich, was einem wöchentlichen Einkaufswert von 25 Euro entspricht.

Vor allem aber wünscht sich die kleine Genossenschaft mehr Unterstützer. Im Moment verteile sich die Arbeit aufs Vorstandsteam, bestehend aus einer Handvoll Personen, erklärt Schober: „Das sind zu wenige.“ Jeder, der für Nachhaltigkeit und regionale Produkte eintreten wolle, sei aufgerufen, sich der Genossenschaft anzuschließen. Auch dann, wenn man keine wöchentliche Gemüsekiste buchen wolle. „Es ist jeder willkommen“, sagt die Initiatorin.

Sie will das Thema Regionalität auch noch weiter spannen. Andere Erzeuger mit ins Boot holen, Kooperationen zum Beispiel mit der nahen Naturkäserei schließen. Um das zu entwickeln, brauche es viele Menschen, die aus der Idee ein konkretes Angebot zimmern.

Bio-Zertifizierung schon vorhanden

Darum werden zum Start nicht nur die ersten Ernte-Kisten verteilt, sondern es gibt für Interessierte auch einen Newsletter. Ihre erste Zielmarke, ein Volumen von 50 Ernte-Kisten, hat die Solawi schon beim Start überschritten. Damit ist dann auch der Gärtner finanziert, den die Genossenschaft engagiert hat. Der Anbau erfolgt nach dem „No Dig Market Garden System“, das mit alten Kultursorten und weitestgehend ohne Einsatz von Maschinen funktioniert. Die Bio-Zertifizierung ist erfolgt. Im Frühjahr gewährte die Öko-Modellregion Miesbacher Oberland (ÖMR) eine Förderung der Permakultur. Bis sich alles eingespielt habe, dauere es aber ein paar Jahre, weiß Schober. Vom Beginn der Erntesaison erhofft sie sich einen Schub für die Solawi: „Inzwischen sieht man hier auch was.“

Versorgung auch im Winter

Aktuell wachsen auf dem jungen Feld vor allem Salate, Kräuter, Zucchini, Rote Beete, Kohlrabi, Mangold und einige Kohlsorten. Ziel ist es, die Mitglieder das ganze Jahr hindurch mit Bio-Gemüse zu versorgen. Mit einem Folientunnel lasse sich die Saison gut verlängern berichtet Schober: „Mit einer guten Anbauplanung kommen wir lückenfrei durch den Winter.“

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