In ihre Kreuther Villa wollte Betty B. wieder zurückkehren. Musste sie deshalb sterben?
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In ihre Kreuther Villa wollte Betty B. wieder zurückkehren. Dann starb sie unter mysteriösen Umständen.

Landgericht verringert nach erneuter Verhandlung die Strafen

Fall Betty B.: Angeklagte bleiben wohl auf freiem Fuß

Der mysteriöse Tod der Kreuther Millionärin Betty B. vor fünf Jahren hat großes Aufsehen erregt. Bei der Revisionsverhandlung hat das Landgericht hat die Strafen verringert.

Kreuth/München ‒ Nachdem man 2016 Anhaltspunkte für einen gewaltsamen Tod der 95-Jährigen gefunden hatte, fiel der Verdacht schnell auf Renate W., die der alten Dame im Alltag zur Hand gegangen war. Es stellte sich heraus, dass die 56-Jährige – gemeinsam mit dem Hausmeister von Betty B.’s Anwesen und unterstützt von einem Kunsthändler und ihrem Ehemann – kurz vor und nach dem Tod der Millionärin deren Villa leer geräumt hat. Dabei hat das Quartett Antiquitäten im Wert von rund 583 000 Euro erbeutet.

Vom Mordvorwurf sprach das Münchner Landgericht Renate W. vor drei Jahren allerdings frei – aus Mangel an Beweisen. Ein Sachverständiger hatte festgestellt, dass „ein Erstickungstod rechtsmedizinisch nicht sicher belegbar“ sei. Der Freispruch wegen Mordes wurde 2019 vom Bundesgerichtshof ebenso bestätigt wie die Verurteilung des Mannes von Renate W. zu einem Jahr auf Bewährung wegen Begünstigung. Nicht einverstanden waren die Revisionsrichter hingegen mit den Haftstrafen für die übrigen drei Angeklagten: sechs Jahre für Renate W., vierdreiviertel Jahre für den Hausmeister und drei Jahre für den Kunsthändler. Nach der Revision wurde der Haftbefehl ausgesetzt, die Angeklagten kamen frei.

Juristische Spitzfindigkeiten

Der Fall ging zurück ans Landgericht. Worüber die mit der Sache befasste Strafkammer am gestrigen Dienstag bei der Festlegung der Strafen noch zu entscheiden hatte, klingt nach juristischer Spitzfindigkeit. Weil nicht aufgeklärt werden konnte, ob ein Teil der Beute vor (dann Diebstahl) oder nach dem Tod von Betty B. (dann Unterschlagung) entwendet wurde, wurden die Angeklagten im Erstprozesses wegen „Diebstahls oder Unterschlagung“ verurteilt. Eine solche Wahlfeststellung ist zwar allgemein anerkannt, nicht jedoch im Verhältnis von Diebstahl und Unterschlagung.

Zudem wurde im Ersturteil ein besonders schwerer Fall des Diebstahls angenommen – wegen des hohen Schadens und weil Renate W. der alten Dame den Schlüssel zu deren Haus unter einem Vorwand abgeluchst hatte. Das Gesetz sieht eine solche Verurteilung zwar bei Verwendung eines falschen Schlüssels – also etwa eines Dietrichs – vor, nicht aber, wenn jemand durch Täuschung in den Besitz des richtigen Schlüssels kommt. Dies schließt zwar einen besonders schweren Fall nicht aus, erfordert aber eine eingehende Begründung.

Geständnisse wirken sich strafmildernd aus

Für eine solche Begründung fehle die Grundlage, stellte die Strafkammer unter Vorsitz von Regina Holstein nunmehr fest und verringerte die Strafen für Renate W. auf vier Jahre und zehn Monate und für den Hausmeister auf unter vier Jahre. Der Kunsthändler kam sogar mit einer Bewährungsstrafe davon. Strafmildernd wirkte sich aus, dass alle drei nicht vorbestraft waren und Geständnisse ablegten – obwohl sie damit nur bestätigten, was ohnehin schon rechtskräftig feststand. Holstein betonte, dass das Vertrauen der Betty B. zwar ausgenutzt, aber „nicht zum Bestehlen aufgebaut worden“ sei.

Mit der Untersuchungshaft von knapp drei Jahren und fünf Monaten hat Renate W. ihre Strafe zwar nicht vollständig verbüßt. Holstein deutete jedoch an, dass eine Aussetzung der Reststrafe zur Bewährung für sie und den Hausmeister „wahrscheinlich“ sei. Sie blieben damit auf freiem Fuß.

Andreas Müller

Lesen Sie hier: Alles zum Fall Betty B.

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