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Angst vor Zustrom: Über die Grenze - und aus der Münchner Schickeria.

Am Panzer hängt die Uschi an der Leine

Böse und narrisch - das war der Kreuther Faschingszug

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Kreuth - Geschätzte 3000 Schaulustige und 35 Umzugswagen - beim Faschingszug in Kreuth ließen es die Teilnehmer krachen. Teils kritisch, teils politisch und teilweise richtig derb.

Ist das jetzt noch lustig oder schon tierisch ernst? Ein überlebensgroßer Panzer schlingert mit qualmendem Kanonenrohr auf die Kreuther Grenze zu. Botschaft: „Wia damois zu oide Zeitn geht’s erst nach da Kontrolle auf’d andre Seitn.“ Dahinter schleppen die Rottacher Feuerwehrler und Burschenschaftler, die für die beiden Wagen verantwortlich zeichnen, gleich den neuen Grenzwachturm her. Und zwischendrin sitzt Ursula „an der Leine“ mit einem Galgenstrick um den Hals. In beiden Wagen stecken ohne Frage viele Arbeitsstunden und sie machen Eindruck – wenn auch nicht den gastfreundlichsten. 

Überhaupt fährt der Kreuther Faschingszug – alle sechs Jahre vom Kreuther Faschingskomitee organisiert – recht politisch-kritisch daher. Viel prominenter noch als der Grenzschutz: die anderen Einwanderer, nämlich die Promis, die zum See kommen, um Kaviar, Champagner und Fischsuppe zu schlürfen. Schuld ist der Preysing, den gleich mehrere Wagen aufs Korn genommen haben. Nein, nicht der Preysing Schorsch – auch wenn’s der in der Kreuther Faschingszeitung auf Platz eins der Faschingsunwörter des Jahres geschafft hat – sondern der Chef der Tegernseer Fischer, Christoph von Preysing. „Mai Liabba Air fliagd Bonzn her“, titelt ein rosa Hubschrauber. Auf einen anderem Wagen trohnt ein riesiger Stöckelschuh aus dem Conchita Wurst und andere bekannte Persönlichkeiten Fruchtbowle süffeln. 

Thematisch passend treibt die Kreuther auch die Zukunft von Wildbad Kreuth um. Manche vermuten schon die Einrichtung eines Edelpuffs in den ehrwürdigen herzoglichen Hallen. Andere über sich als neue herzogliche Leibwache, weil Helene in Bayern ja bald nur noch mit Hund im Wildbad residiert. Und auch der Bauwahn im Tal ist prominent vertreten. Das Landratsamt genehmigt jeden Monsterbau ohne Garten und bis zum Grenzstein, das ist die Botschaft. Ein Mann mit Bauhelm und Mikro, der sich als Kreisbaumeister Werner Pawlovsky vorstellt, verkündet die Bauvorschriften: „Ohne Dach und Fenster, aber groß.“ 

35 Wagen zählt Mitorganisator Florian Oberlechner. Die vielen Feuerwehrler, die zur Absicherung vor Ort waren und sich um An- und Abtransport der Umzugswagen gekümmert haben nicht mitgezählt. „Feuerwehr und Polizei haben das super gemacht“, sagt Oberlechner. Abgesehen von kleineren, alkoholbedingten Unfällen sei auch der Umzug gut verlaufen. Einzig der Leibwache der Herzogin ist ein Faux-Pas passiert. Beim Umzugsstart haben sie Helene selbst sitzen lassen. Zu Fuß marschierte die Dame mit goldener Krone und Umhang ihrem Wagen hinterher. Aber sie nahm’s gelassen: „Die holen wir schon ein. Ohne Helene können die eh nichts machen in Kreuth.“

Bilder vom Kreuther Faschingsumzug 2016

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