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Idyllisch: Nächtliche Skitouren sind nun am Hirschberg möglich. Die Münchner Agentur TOC organisiert jeden Donnerstag eine Bustour.

Agentur organisiert „Afterwork“-Skitouren - Naturschützer sind alarmiert

Jetzt laufen die Münchner auch noch nachts auf den Hirschberg

Tourengehen jetzt auch nachts: Jeden Donnerstagabend karrt ein Feierabend-Bus Skitourengeher von München an den Hirschberg. Naturschützer sind besorgt.

Kreuth – Er startet erstmals morgen, Donnerstag, und künftig jede Woche bis 9. März um 18 Uhr vom Zentralen Omnibusbahnhof (ZOB) an der Münchner Hackerbrücke. Ziel: der Hirschberg bei Kreuth. Ein Zwischenstopp ist auf Wunsch um 18.30 Uhr in Holzkirchen an der Haltebucht der B 318 möglich. „Nicht einfach vom Büro in die nächste Bar, sondern raus auf die Piste zur Skitour bei Nacht“, wirbt die Münchner Agentur TOC für ihr „deutschlandweit einmaliges Angebot“ (www.skibus-muenchen.de). Schon bei Tag sei der Hirschberg ein beliebtes Skitourenziel, bei Nacht aber etwas ganz Besonderes, heißt es in dem Werbetext zur Aktion. Nach der Ankunft in Kreuth können die Tourengeher bis zu den Rauheckalmen hinaufsteigen und dabei 700 Höhenmeter bewältigen.

Die Idee: Wer tagsüber arbeitet, soll wenigstens abends in die Berge

Nächtlicher Skitourismus soll also die Natur am Tegernsee für all jene erlebbar machen, die tagsüber keine Zeit dafür haben. Als Partner mit im Boot ist unter anderem die Skischule Tegernsee. Sie stellt nicht nur Leihmaterial zur Verfügung, sondern auch Skilehrer und Bergführer. Schon seit zwei Jahren versucht die Skischule, einen nächtlichen Tourentreff zu etablieren, doch die Aktion dümpelte vor sich hin – meist mangels Schnee. „Jetzt liegt endlich genug Schnee, und die Agentur bewirbt den Treff“, freut sich Stephan Eder, einer der drei Skischul-Geschäftsführer. 

Ist der Eingriff in die Nachtruhe für ihn kein Problem? „Der Touren-Treff ist mit allen abgesprochen, auch mit Familie Kandlinger, die den Skilift betreibt und für die Pistenpräparierung und die Schneekanonen zuständig ist“, sagt Eder. So sei vereinbart, dass donnerstags die Präparierung, die normalerweise nach Betriebsende des Skilifts startet, entfällt.

DAV: „Muss man akzeptieren, aber...“

Jörn Hartwig, Naturschutzreferent der DAV-Sektion Tegernsee, ist besorgt: „Die Outdoor-Aktivitäten nehmen gigantische Formen an.“ Verbieten könne man die nächtlichen Touren wohl kaum, man müsse sie akzeptieren, sagt Hartwig. „Und wenn gewährleistet ist, dass die Leute tatsächlich nur bis zu den Rauheckalmen gehen, dann tu ich das auch.“ Dass nicht „ein paar Überambitionierte“ weitergehen, könne jedoch keiner garantieren. 

Für viele zählt nur der Gipfel

Für viele zähle nämlich nur der Gipfel – in dem Fall der 200 Meter höher gelegene Hirschberg. Hartwig sorgt sich seit Langem um die Ruhe am Berg. Immer vor Wintereinbruch stellt er große Stopp-Schilder auf, die den Tourengehern klar machen sollen: bis hierher und nicht weiter. Die Schilder werden zum Schutz für Wald und Wild am Südhang des Hirschbergs aufgestellt. Vor allem Birkhühner, deren Bestand ohnehin rückläufig ist, aber auch Gämsen und Hirsche sollen geschützt werden. Andere Schilder weisen darauf hin, dass Touren vom Neben- zum Hauptgipfel des Hirschbergs (1670 Meter) möglichst nur zwischen 10 und 16 Uhr unternommen werden sollen.

Eigentlich sollte um 16 Uhr Schluss sein - zum Schutz der Birkhühner

Für die Afterwork-Tourengeher geht da der Spaß erst richtig los: Mit ihren leistungsstarken Stirnlampen, die so hell sind wie kleine Flutlichtanlagen, sollen sie nun ein nächtliches Schnee-Vergnügen erleben. Marco Müller, Gebietsbetreuer im Mangfallgebirge, ist nicht glücklich mit dem Hirschberg als nächtliches Ziel. „Vor allem, weil im Winter die Störwirkung für die Tiere noch viel größer ist als im Sommer.“ Wenigstens einen positiven Aspekt habe die Aktion: „Dass nicht 30 oder 40 Autos von München rausfahren, sondern nur ein Bus.“ Ob das Angebot angenommen wird, müsse sich erst zeigen, meint Müller, „denn im Gegensatz zu anderen Tourengebieten wie am Taubenstein oder am Sudelfeld gibt es oben am Berg keine Hütte.“ Die ist unten im Tal: Von Andi’s Hirschberg Stüberl startet der Bus um 22.15 Uhr wieder Richtung München.

Lesen Sie auch: „Irgendwann muss Schluss sein“ - ein Kommentar zu den Afterwork-Skitouren. 

gr

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