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Im Gasthof Zur Post in Kreuth wollen die AfD-Politiker tagen. Der Bürgermeister ist nicht begeistert.

„Keine gute Werbung für unseren Ort“

CSU zeigt sich empört über AfD-Klausurtagung in Kreuth

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Wo früher die CSU medienwirksam ihre Klausurtagungen inszenierte, tagt nun die AfD: Von 15. bis 17. Januar trifft sich die Landtagsfraktion ausgerechnet in Kreuth. Der Bürgermeister ist nicht erfreut.

Kreuth – Bürgermeister Josef Bierschneider, zugleich Ortsvorsitzender der Kreuther CSU, zeigte sich am Donnerstag wenig begeistert: „Das ist keine besonders gute Werbung für unseren Ort“, meinte er über die nahende AfD-Veranstaltung im Hotel Post in Kreuth. Und er vermutet hinter der Auswahl des Tagungsortes auch „eine gewisse Provokation“ der AfD. „Ich bedaure das sehr.“ Dass Michael Rauh als Betreiber des Hotels zur Post die Abgeordneten beherberge, könne er nicht nachvollziehen, fügt der Bürgermeister an. Dagegen tun kann die Gemeinde freilich nichts. Dennoch werde er noch das Gespräch mit Rauh suchen, kündigte Bierschneider an, der erst am Donnerstag von der pikanten Neuigkeit erfuhr.

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Der Wirt selbst sieht die Angelegenheit dagegen recht nüchtern. „Die AfD ist eine demokratisch legitimierte Partei“, sagt Rauh auf Nachfrage. Für ihn habe es daher keinen Grund gegeben, die Buchungs-Anfrage abzulehnen. Was die politischen Grundsätze der Partei anbelangt, so erscheine ihm das Programm der AfD – abgesehen von der Ausländer-Thematik – durchaus „plausibel“, ergänzt der Gastronom.

Zudem würden ihm die Abgeordneten in einer touristisch schwachen Zeit die Hotelzimmer füllen. „Ansonsten hätte ich derzeit gar keine Gäste“, sagt Rauh, der früher nach eigenen Worten stark von den Klausurtagungen der CSU in Wildbad Kreuth profitierte. „Aber die CSU kommt nie mehr wieder“, bedauert Rauh. Dass ihm die AfD-Tagung in seinem Haus Kritik oder gar Anfeindungen bescheren könnte, glaubt der Hotel-Betreiber nicht. „Das ist eine ganz normale Tagung, die hoffentlich ruhig abläuft.“

Hier hatte sich Wirt Michael Rauh schon einmal zum Weggang der CSU aus Wildbad Kreuth geäußert: Alles still in Kreuth: „Einfach traurig ist das“

Ein Blick auf den Landtagswahlkampf im vergangenen Jahr lässt allerdings anderes vermuten. Hier hatten Veranstaltungen der AfD auch im Kreis Miesbach stets für lautstarke Gegenkundgebungen gesorgt. Die Polizei Bad Wiessee jedenfalls werde die Veranstaltung „im Fokus haben“, kündigt Inspektionsleiter Wilhelm Sigel gegenüber unserer Zeitung an. Die Polizei sei grundsätzlich für die Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung verantwortlich. „Und diese Verantwortung werden wir auch wahrnehmen“, sagt der Wiesseer Polizei-Chef. Bei Bedarf werde man entsprechende Maßnahmen ergreifen, erklärt Sigel, ohne weiter ins Detail zu gehen. Auf prominente Redner will die AfD-Landtagsfraktion nach eigener Auskunft bei der Klausur allerdings verzichten.

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Auch Oberbayerns CSU-Bezirksvorsitzende und Stimmkreisabgeordnete Ilse Aigner zeigte sich am Donnerstag verschnupft über das Vorhaben der AfD in Kreuth: „Mir gefällt das gar nicht“, sagt sie. Klausurtagungen in Kreuth seien untrennbar mit der CSU verbunden.

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