Längst reif für die Abrissbirne: Die ehemalige Krankenanstalt Dr. Heinz May steht seit 2008 leer, jetzt ist von neuen Plänen die Rede.
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Längst reif für die Abrissbirne: Die ehemalige Krankenanstalt Dr. Heinz May steht seit 2008 leer, jetzt ist von neuen Plänen die Rede.

Kreuth verhandelt mit „vielversprechendem Interessenten“ – Mathews verkauft Anteile

Hoffnungsschimmer für May-Klinik?

  • Gerti Reichl
    vonGerti Reichl
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Kreuth – Bahnt sich endlich eine neue Zukunft für die ehemalige May-Klinik in Kreuth an? Ein Hoffnungsschimmer zeichnet sich am Horizont des 50 000 Quadratmeter großen Areals ab. Von der Cooley Kreuth Estate GmbH gibt‘s unterdessen Neuigkeiten.

  • Gemeinde Kreuth verhandelt mit Interessenten für Entwicklung der ehemaligen May-Klinik, nennt aber keine Details.
  • Benedict Mathews, bisheriger Gesellschafter der Cooley Kreuth Estate GmbH, Besitzerin des Areals, hat seine Anteile verkauft.
  • Eine Chronik der Entwicklungen.

„Es finden nach wie vor Gespräche statt mit auch potenziellen Interessenten“, sagt Rathauschef Josef Bierschneider (CSU) zunächst auf Nachfrage unserer Zeitung zur Situation der früheren May-Klinik, die seit 2008 eigentlich auf die Abrissbirne wartet. Dann wird Bierschneider konkreter: „Es gibt sogar einen Interessenten, mit dem wir seit Längerem Gespräche führen und dessen Vorstellungen aus unserer Sicht sehr vielversprechend klingen.“ Mehr könne er zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen. Fest stehe für die Gemeinde jedoch: „Wir wollen auf keinen Fall Eigentumswohnungen.“

Bahnt sich nach vielen Jahren und viel Gezerre um die längst marode Immobilie nun eine Lösung an? Offenbar haben die Gespräche zum Inhalt, dass auch die Gemeinde von den Plänen eines künftigen Investors profitiert. „Ja, es ist unser Ziel, dass auch die Allgemeinheit etwas davon hat“, räumt der Bürgermeister ein. Das könnte heißen, dass auf einem Teil des gut 50 000 Quadratmeter großen Areals günstige Mietwohnungen entstehen.

Gelände der May-Klinik: Flächennutzungsplan müsste geändert werden

Der Weg dorthin ist aber noch weit. „Ein Investor kann das Gebäude nicht einfach abreißen“, sagt Bierschneider, auch wenn ein Erhalt inzwischen wegen der maroden Substanz unrealistisch ist. „Mit dem Abriss“, erklärt Bierschneider, „wäre nämlich das Baurecht weg, denn das Gelände befindet sich im Außenbereich.“ Für eine andere Nutzung bräuchte es die Gemeinde, die dann zum einen den Flächennutzungsplan ändern müsste. Davon war bereits die Rede – aus dem Sondergebiet „Klinik“ sollte das Sondergebiet „Wohnen und Gewerbe“ werden. „Doch weiterverfolgt haben wir das bisher nicht“, sagt Bierschneider. Zudem müsste die Gemeinde einen Bebauungsplan aufstellen, der sämtliche Regeln aufstellt und festschreibt. „Unser oberstes Ziel ist ein vernünftiges Konzept“, betont Bierschneider. Er und der Gemeinderat, der stets über alle Entwicklungen auf dem Laufenden gehalten werde, seien zuversichtlich, dass es dazu kommt.

Areal der May-Klinik: Kreuth hat einen „Plan B“

Sollten die Pläne des Investors nicht verwirklicht werden, hätte die Gemeinde seit Längerem einen „Plan B“: Sie hat bereits ein städtebauliches Konzept entwickelt, das eine gewerbliche Nutzung im nördlichen Teil des Areals sowie Wohnungsbau mit bezahlbaren Mieten vorsieht. „Dazu müsste das Grundstück natürlich verkauft werden“, weiß auch Bierschneider. Dass es an die Gemeinde veräußert wird, ist inzwischen unrealistisch. 2,8 Millionen Euro hatte die Gemeinde in einem ersten Anlauf geboten, dann bei späteren Verhandlungen aufgestockt. Dabei ist inzwischen von einem Marktwert von mindestens 8,5 Millionen Euro die Rede. Das Vorkaufsrecht, das sich die Gemeinde gerichtlich bestätigen ließ, dürfte wohl nurmehr eine theoretische Bedeutung haben.

„Der realistische Preis wird wohl kaum von der Gemeinde zu stemmen sein“, ist Bernhard Modl, Geschäftsführer der Münchner Immoalliance GmbH, überzeugt. Modl war in der Vergangenheit für die Vermarktung durch die Cooley Kreuth Estate GmbH beauftragt. Das Unternehmen ist Eigentümer des Areals, Cooley-Gesellschafter war bisher Benedict Mathews. Laut Modl gibt es einen neuen Gesellschafter, der Verkauf der Anteile sei Ende 2020 über die Bühne gegangen. Es handle sich um einen Münchner Investor, Näheres dürfe er nicht sagen. Das Vorkaufsrecht, so Modl, habe damit keine Bedeutung mehr. „Und der von Bürgermeister Bierschneider gebotene Preis dürfte den neuen Gesellschafter gesichert nicht zu einem Verkauf motivieren.“ Dass Benedict Mathews ein „Spekulant“ sei, „was immer wieder behauptet wurde“, weist Modl klar zurück. Mathews baue europaweit Rechnerzentralen für Microsoft, das sei ausreichend Beleg.

Mathews selbst wollte sich auf Nachfrage zu den neuen Entwicklungen nicht äußern – „nicht zum jetzigen Zeitpunkt“.

50 000 Quadrameter und eine Immobilie: Die Chronik der May-Klinik

2007: Die vor 100 Jahren gegründete Krankenanstalt Dr. Heinz May schrammt an der Insolvenz vorbei. Grundstück und Gebäude gehen an die Cooley-Group, die als Geldgeber dienen soll.

2008: Das Konzept geht nicht auf, die Klinik mit noch 60 Mitarbeitern muss dichtmachen.

2012: Auch das im Haus verbliebene Kuratorium für Dialyse und Nierentransplantation, das 2010 sein 25-jähriges Bestehen feierte, muss schließen.

2013: Nach einem längeren Rechtsstreit wird vor dem Oberlandesgericht München ein Vergleich geschlossen und die Cooley Group zur rechtmäßigen Eigentümerin der Immobilie erklärt. Im Kreuther Rathaus kommt es zu „Sondierungsgesprächen“.

2014: Erst kann sich ein Münchner Ehepaar vorstellen, ein Baumhaus-Hotel zu bauen, dann ist die Rede von einem Seniorenheim.

2016: Die Gemeinde will das Areal kaufen und plant in Richtung Gewerbe- und Wohnungsbau. Doch die Cooley Group will mehr Geld, als die Gemeinde bietet. Bierschneider spricht von „utopischen Vorstellungen“ und glaubt nicht mehr an eine Einigung.

2017: Die Gemeinde sichert sich per Satzung das Vorkaufsrecht, um eine unerwünschte Bebauung, etwa mit Eigentumswohnungen, zu verhindern. Benedict Mathews, Gesellschafter der Cooley Kreuth Estate GmbH, reicht Normenkontrollklage beim Bayerischen Verwaltungsgerichtshof (VGH) ein.

2018: Die Gemeinde unterbreitet ein neues Kaufangebot und sucht einen Partner für den Klinikkauf.

2020: Der VGH erklärt die Kreuther Vorkaufsrechtssatzung für rechtmäßig. Benedict Mathews verkauft seine Gesellschafteranteile. 

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