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Ruhe, Temperatur, Klang: Das sind sind die Themen im Onsen-Spa. Es ist ganz an die japanische Badekultur angelehnt und soll ins Innerste wirken.

„Habe den Anspruch, der Beste zu sein“

Kreuther Hotelier will mit irrem Spa Nummer eins in Europa werden

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Fertig ist das 7-Millionen-Euro-Projekt noch nicht, aber wenn er in zwei Wochen eröffnet, soll Korbinian Kohlers „Onsen-Spa“ europaweit einschlagen. Wie genau, erklärt er im Interview.

Weissach – Unternehmer Korbinian Kohler (49) verfolgt seine Ziele sehr konsequent. Nach dem Rückzug aus der familieneigenen Büttenpapierfabrik Gmund kaufte er vor sechs Jahren das Hotel Bachmair Weissach, steckte einen zweistelligen Millionenbetrag in die Sanierung und gesellte die Event-Arena hinzu. Derzeit baut Kohler für sieben Millionen Euro einen an japanische Tradition angelehnten Onsen-Spa und will, dass sein Haus die Nummer eins der Resort-Hotels Europas wird.

Herr Kohler, Ihr Haus steht doch jetzt schon gut da. Warum investieren Sie so viel Geld in den Spa-Bereich?

Kohler: In unserer Branche ist es viel riskanter, nichts zu tun. Wenn ich etwas mache, habe ich immer den Anspruch, der Beste zu sein. Wir hatten zwar vorher schon einen Spa-Bereich, der durchaus schön war. Aber eben nicht so, dass die Leute den Atem anhalten und sagen: „So etwas habe ich noch nie gesehen.“ Das wird künftig anders sein. Unsere Eröffnung am 14. Juli wird die Spa-Eröffnung des Jahres 2017 in Europa sein.

Was ist das Besondere an Ihrem Spa?

Kohler: Ich bin viel in Japan gereist, und habe mir Inspirationen geholt. Auch in Europa habe ich mir alle relevanten Spas angesehen. Die Südtiroler und österreichischen Spas zum Beispiel sind in diesem Bereich extrem stark. Aber die Spas dort basieren auf dem Prinzip des Eskapismus, es ist eine Flucht in eine künstliche Welt. Ein Extrembeispiel für Eskapismus ist das Oktoberfest. Da fährt man Geisterbahn und ist weit weg von allem, was den Alltag sonst ausmacht. Genau diesen Weg wollen wir nicht gehen. Denn so verändert sich nichts substanziell an einem selbst. Ich will aber eine Veränderung im Inneren, in meinem Bewusstsein als Mensch bewirken. Daher die Anlehnung an die japanische Badekultur, wo genau das geschieht.

Hat große Pläne: Korbinian Kohler.

Onsen bedeutet „heiße Quelle“.

Kohler: Wir haben unter anderem ein Becken mit 42 Grad heißem Wasser. Da kann man nicht einfach so reinsteigen, sondern muss seinen Körper Zentimeter um Zentimeter, Schicht für Schicht, an die Temperatur gewöhnen. In unserem Eisbecken kühlen wir das Wasser auf zwei Grad. Dort einzutauchen, ist eine Grenzerfahrung. Wir bauen einen japanischen Brunnen, der so plätschert, dass man das Wasser auch hören kann, weil der Klang von Wasser ein Teil unseres Konzepts ist. Temperatur, Klang und Ruhe, das sind die Themen. Jeder Gast wird von uns auf seiner Reise durch den Onsen begleitet, indem wir ihm ein ganz individuelles Programm vorschlagen.

Ruhe, extreme Temperaturen und Kontemplation – für Familien scheint das weniger geeignet.

Kohler: Der Onsen-Spa ist für Gäste ab 18 Jahren bestimmt. Es gibt auch einen super-silent Room, in dem vollkommene Ruhe herrscht. Aber das ist nur ein Teil unseres Konzepts. Wir haben auch einen Hitzeraum, Dampfraum und einen eigenen Family-Spa, in dem man Kinder an das Thema Spa heranführen kann. Es gibt dort vier eigene Pools und auch eine Bio-Sauna mit 65 Grad. Unsere Zielgruppe, für die wir die Nummer eins in Europa sein wollen, sind Unternehmerfamilien. Bei uns können Unternehmer zu Tagungen einladen und Produkte präsentieren, sich aber auch privat entspannen und mit ihren Kindern Spaß haben. Wir haben einen umfangreichen Kinderbereich und machen die Event-Arena zur Spiel-Arena, wenn sie frei ist.

Zur großen Eröffnung am 14. Juli hat sich viel Prominenz angesagt. Unter anderem kommen Chefredakteure sehr bekannter Magazine. Aber im Moment ist hier noch eine Groß-Baustelle.

Kohler: Am Ende wird es immer eng, das ist normal. Auf der Baustelle arbeiten bis zu 100 Leute gleichzeitig, 24 Stunden am Tag. Leise Arbeiten wie Fliesenlegen und Malerarbeiten werden auch in der Nacht erledigt. Tatsächlich ist es nicht einfach, den laufenden Betrieb und die Baustelle gleichzeitig zu stemmen. Unser Haus ist glücklicherweise ausgebucht. Wir hatten nur drei Wochen lang geschlossen. Damals liefen die Abbrucharbeiten, die extrem schwierig waren. Wir haben den alten Spa-Bereich entkernt und ihm vier Suiten und zwei Arztpraxen dazugeschlagen. Begonnen haben wir übrigens erst am 17. April. Aber wir werden fertig. Auch der Außenbereich mit 20-Meter-Sole-Pool. Wir haben auch eine Natur-Gumpe am Mühlbach angelegt.

Wie viel Platz ist denn im Spa?

Kohler: Es ist so konzipiert, dass selbst dann, wenn unser Haus voll belegt ist und alle in den Spa gehen, genug Raum ist. Vollbelegung, das heißt 350 Gäste. In ruhigeren Zeiten können auch Tagesgäste den Spa besuchen. Während der Woche wird das sicher möglich sein. Wichtig ist uns, dass immer genug Ruheliegen da sind, von denen haben wir dann genügend.

Ein bisschen Ruhe werden Sie nach der Bauphase auch selbst nötig haben.

Kohler: Ich gehe ab dem 22. Juli in 30 Tagen zu Fuß vom Tegernsee zum Gardasee, das ist meine Entspannung. Im Moment läuft tatsächlich viel parallel. Als Ausgleich studiere ich seit zwei Jahren Philosophie an der LMU in München und schreibe gerade meine Masterarbeit zu Ende. Im Oktober wird es dann das erste Korbinians Kolleg zusammen mit meinem Professor und Freund Wilhelm Vossenkuhl in unserem Haus geben. Hier werden wir wichtige Fragen der Zeit mit herausragenden Persönlichkeiten aus Politik, Wissenschaft, Kunst und Wirtschaft diskutieren.

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