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Beliebt wegen ihrer Atmosphäre: In der Molkehalle Wildbad Kreuth findet erstmals ein Konzert statt.

Heuer erstmals Konzert in Molkehalle

Musikfest 2015: Vom Lustwandel-Ort zur Konzertstätte

Kreuth - Das Internationale Musikfest Kreuth hat heuer einen außergewöhnlichen Spielort in sein Programm aufgenommen: Am Sonntag findet erstmals ein Konzert in der Molkehalle statt.

„Dazu kamen wir eigentlich wie die Jungfrau zum Kind“, sagt Helge Augstein. Der Programmmacher und Festival-Organisator hat eine Not zur Tugend gemacht. Denn nachdem die Max-Planck-Gesellschaft das Schloss Ringberg, wo über Jahre hinweg traditionell das Open-Air-Konzert stattfand, nur noch alle zwei Jahre für das Musikfest zur Verfügung stellte, musste eine Alternative her. „Die Open-Air-Konzerte auf Schloss Ringberg sind beim Publikum sehr beliebt, und wir wollen einfach für die Zwischenjahre, sozusagen die Ringberg-Pausen, eine Alternative bieten“, erklärt Augstein. Weil die Atmosphäre in den Konzertpausen in der Molkehalle so schön sei, entschied man sich für das Naheliegendste. Weiterer Vorteil: Konzerte können bei schlechtem Wetter ohne viel Umstände in den Konzertsaal verlegt werden.

Die Molkehalle, die von 1823 bis 1825 unter König Max I. Joseph von Hofbauinspektor Simon Mayr erbaut wurde, ist eine Art Vorbau vor dem Festsaal. Sie erinnert gleichermaßen an ein klassisches Salettl wie an eine Loggia und diente dem Lustwandeln. „Die Molkehalle wurde während der Zeit, als Wildbad Kreuth ein Sanatorium war, immer als eine Art von Wandelhalle genutzt“, erzählt Eigentümerin Herzogin Helene in Bayern. Jeden Morgen sei die gesunde Ziegenmolke frisch aus Siebenhütten oder von der Gaißalm per Handkarren geliefert und dort von den Kurgästen genossen worden. Darunter 1838 auch Zarin Alexandra, die Gattin von Zar Nikolaus II., wovon heute noch eine Gedenktafel erzählt.

„Aus den Brunnen lief das kühle Quellwasser aus der Heilig Kreuz Quelle oberhalb der Kapelle, welches je nach medizinischer Anordnung getrunken wurde“, erinnert Herzogin Helene und weist stolz auf die beiden Brunnen der Molkehalle sowie auf die Eingangsstufen hin, die von außergewöhnlicher rötlicher Farbe und Zeichnung sind. Sie sind aus dem berühmten original Tegernseer Marmor des mittlerweile stillgelegten herzoglichen Steinbruchs gearbeitet. Die braune Farbe des Holzes allerdings sei eine Grundierung, denn der ursprüngliche Bau sei weiß gewesen, räumt sie ein.

Die Molkehalle per se hat also schon historisch eine einzigartige Atmosphäre. Dass dort schon zu Sanatoriums-Zeiten auch Kurkonzerte stattgefunden haben, ist wahrscheinlich. „Die Akustik ist großartig dort“, sagt Augstein und betont, dass Open-Air- oder Semi-Open-Air-Konzerte freilich nur von Bläsern bestritten werden können. Streichinstrumente vertragen keine Feuchtigkeit und keine Temperaturschwankungen. „Wir haben mit den Gurfinkel-Brüdern Klarinettisten beim Musikfest, die zu den besten der Welt zählen, und sie werden die Molkehalle als Erste bespielen“, sagt der Organisator erfreut und verrät, dass das ganze Team schon sehr gespannt sei auf die Wirkung. „Wir haben ein zauberhaftes Programm, passend zur Umgebung, zusammengestellt.“ Und die sehe aus wie eine Illustration aus einem Märchenbuch.

Alexander und Daniel Gurfinkel spielen mit ihrem Vater Misha – sozusagen als Familienkonzert. Michael Gurfinkel (Bass-Klarinette) ist nicht nur Lehrer seiner beiden Söhne, sondern zählt als Soloklarinettist des Israel Philharmonic Orchestras unter Zubin Mehta zu den besten Instrumentalisten seines Landes. Gemeinsam werden die Gurfinkels Miniaturen für zwei und drei Klarinetten im Original und eigenen, raffinierten Bearbeitungen spielen. Opernhaftes reiht sich an Evergreens aus Musicals wie Perlen einer Kette: Klänge aus „Anatevka“, „Die Hochzeit des Figaro“, „Der Barbier von Sevilla“, Bachs „Ave Maria“ und als Weltpremiere „Pictures of an forgotten town“ des ukrainischen Komponisten Yuri Povolotsky werden das Tal von Wildbad Kreuth – und ziemlich sicher auch das Publikum – märchenhaft erfüllen.

Von Alexandra Korimorth

Das Konzert

Das Semi-Open-Air mit Alexander, Daniel und Michael Gurfinkel beginnt am Sonntag, 16. August, um 18 Uhr. Bei schlechtem Wetter findet der Auftritt statt, wird aber von der Molkehalle in den Festsaal verlegt. Karten zu 25 Euro gibt es an der Abendkasse.

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