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Hollywood-Filme, Sonntagsmatineen, Oper und natürlich Popcorn: Carmen Obermüller freut sich, dass ihr Kino in Weissach wieder gut besucht ist. 

Interview mit Betreiberin Carmen Obermüller

So überlebte das einzige Kino am Tegernsee - auch dank der „Grießnockerlaffäre“

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2016 sah es noch schlecht aus für das Kino in Weissach. Doch heute ist alles anders: Die Gäste kommen wieder. Warum das so ist, erklärt die Betreiberin im Interview.

Weissach – Fast wären 2016 die Lichter ganz ausgegangen im einzigen Kino am Tegernsee in Weissach. Doch es kam anders. Inzwischen läuft das Kino  wieder. Wie ihr das gelungen ist, berichtet die Inhaberin Carmen Obermüller im Interview.

Frau Obermüller, haben Sie es bisher bereut, dass Sie das Kino übernommen haben?

Nein, keinen einzigen Tag!

Es läuft sehr gut, oder?

Ja, in der Tat. Und ich hab’ Spaß an meiner Arbeit und freue mich, wenn es den Leuten in meinem Kino gut gefällt.

Was machen Sie denn anders als Ihre Vorgänger?

Beim Umbau habe ich mir ein ganz klares Ziel gesetzt: Modernste Technik bei Ton und Bild, bequemster Sitzkomfort und herzlicher Service. So wurden in den Sälen zugunsten von Beinfreiheit weniger Stühle eingebaut als bisher. Dazu gibt es eine gute Auswahl an Snacks und Getränken an der neu gestalteten Theke. Das Programm enthält Arthouse-Produktionen, Familienfilme, Dokumentationen und die ganz großen Hollywood-Filme.

Darf man die Hollywood-Streifen nur mit bestimmten Besucherzahlen zeigen?

Grundsätzlich kann man diese Filme spielen, wenn man die Vorgaben der Verleiher erfüllt.

...die wären?

Filme zum Bundesstart müssen drei Wochen in Folge laufen. Bei Star Wars zum Beispiel darf in dieser Zeit zu den Hauptspielzeiten kein anderer Film in diesem Saal laufen

Apropos: Wie läuft Star Wars?

Anfangs noch verhalten. Aber das war wohl bundesweit so. Die Vorweihnachtszeit war noch nie die große Kinozeit, aber jetzt in den Ferien wird er sicherlich alles einholen.

Welcher Film war denn in diesem Jahr der Hit?

Das war mit Sicherheit die ’Grießnockerlaffäre’. Der hatte hier mehr Besucher als ’Fack ju Göhte’. Das ist natürlich von Region zu Region unterschiedlich und hängt vom Publikum ab.

Was haben Sie denn für Publikum?

Das ist gemischt. Ich hab’ viele Kinder, aber auch viele ältere Besucher. Die jungen Erwachsenen haben nicht unbedingt den größten Anteil, weil ich Filme, die diese Gruppe interessiert, nicht so oft spiele – Filme für Besucher ab 16 und 18 Jahre, wie Horror und Thriller. Dafür haben wir im Gegensatz zur Stadt nicht genug Publikum.

Sie wollen gezielt die Leute vom Wohnzimmer ins Kino holen, stimmt’s?

Es wird immer Leute geben, die lieber alleine zu Hause auf dem Sofa ihren Film anschauen. Und es gibt den Kinogeher, der in Gesellschaft einen Film anschauen möchte, bei der Gelegenheit auch andere Leute kennenlernt und sich über den gesehen Film austauscht.

Wie erfolgreich sind denn Ihre Sonntagsmatineen?

Das läuft ganz gut. Meist sind dazu Darsteller, Produzent oder Regisseur mit anwesend. Das kommt immer gut an bei den Gästen. Es werden Dokumentationen, besonders ausgezeichnete Filme oder auch Filme, die einen Bezug zum Tal haben, gezeigt.

Wie funktioniert das mit den Opern-Übertragungen in Ihrem Kino?

Das sind tatsächlich Live-Übertragungen aus der Metropolitan Oper in New York und der Royal Opera in London. Die Leute lieben das, weil Bild und Ton wirklich toll sind. Man kann die Karten einzeln kaufen oder gleich ein ganzes Opern-Abo. Zum Ticket dazu gibt’s ein Glas Prosecco. In der Pause bieten wir Snacks vom Buffet an. Die Übertragungen laufen von Oktober bis Mai, insgesamt 20 Stück. Man sollte rechtzeitig mit der Reservierung dran sein, weil viele Opern gleich ausgebucht sind. Die Übertragungen aus New York gibt es seit zwölf Jahren, sie werden europaweit und in den USA in die Kinos gebracht.

Haben Sie Unterstützung oder machen Sie das alles alleine?

Am Wochenende oder in den Ferien sind wir zu zweit oder zu dritt. Während der Woche mach’ ich alles alleine, Kartenverkauf, Telefon und die Theke. In der Naturkäserei arbeite ich inzwischen nicht mehr.

Was haben Sie für 2018 vor?

Für mich ist wichtig, dass das Kino erschwinglich bleibt. Ich möchte gerne so weiter machen wie bisher. Klar dürfen gerne noch mehr Gäste kommen. Aber bis jetzt hatte ich keine Zeit, um mir neue Gedanken zu machen. Jetzt im Januar, wenn’s ruhiger wird, vielleicht.

Sie haben das Kino jedenfalls wieder gut etabliert, ohne Hilfe der Gemeinden.

Ein Kino ist ein Geschäft wie jedes andere, der Inhaber muss schauen, dass es läuft.

gr

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