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Bergsteiger und Touristiker: Fritz Rasp mit Gebirgsschweißhund Vinz.

Mit dem Ramsauer Tourismus-Chef Fritz Rasp

Interview: Was es eigentlich bringt, Bergsteigerdorf zu sein

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Kreuth will Bergsteigerdorf werden. Ramsau im Berchtesgadener Land ist es bereits seit 2015. Wir haben den dortigen Tourismus-Chef gefragt, warum sich der Ort überhaupt beworben hat. 

KreuthJetzt bewirbt sich auch Kreuth um das Gütesiegel. Dort spricht Fritz Rasp (58), seit 1984 Geschäftsführer der Ramsauer Tourist-Info, heute Abend über „Tourismus im Einklang mit der Alpenkonvention“. Wir haben ihn vorab nach seinen Erfahrungen gefragt.

Herr Rasp, warum hat sich Ramsau damals um den Titel Bergsteigerdorf beworben?

Rasp: Ich bin 2013 darauf aufmerksam geworden. Damals gab es nur in Österreich Bergsteigerdörfer, insgesamt 20. Ich bin selbst ein alter Bergsteiger und wollte unbedingt, dass wir mitmachen. Die Ziele passen einfach haargenau zu unserem Profil. Nachhaltige Entwicklung und naturschonender Tourismus, dafür stehen wir. Ich habe erst den Bürgermeister konsultiert, dann wurde der Gemeinderat eingebunden. Der hat mit 13: 0 Stimmen die Bewerbung befürwortet.

Trotzdem war es dann noch ein langer Weg.

Rasp: All die Kriterien durchzuarbeiten, mit denen der DAV das Siegel Bergsteigerdorf verknüpft, war eine intensive und lange Prozedur. Es sind schon viele Vorgaben damit verbunden. Sehr schön war, dass sich unsere Bevölkerung mit der Idee von Anfang an identifiziert hat. Es gab zu dem Thema eine Bürgerversammlung, da war der Saal rammelvoll. Für uns ist der Titel Bergsteigerdorf eine gute Möglichkeit, unser Profil noch zu schärfen.

Hat sich durch das Siegel etwas verändert?

Rasp: Die Kommunikation im Ort ist noch intensiver geworden. Gastronomen und Landwirte reden noch mehr miteinander, da sind Zirkel entstanden, die einen sehr guten Austausch pflegen. Die Zusammenarbeit ist dadurch wesentlich besser geworden. Das trägt Früchte. Eine Bäuerin züchtet eine seltene Rasse, das Alpine Steinschaf, und das wird ihr jetzt aus den Händen gerissen. Es wurde in der Region sogar eine alte Haustierrasse, die fast ausgestorben war, wieder angesiedelt: das Schwarze Alpenschwein.

Und profitieren Sie auch von dem Netzwerk der Bergsteigerdörfer?

Rasp: Ja, sehr. Es findet jedes Jahr eine gemeinsame Tagung statt, daraus entwickeln sich übergreifende Projekte. Alle Bergsteigerdörfer stehen in Kontakt und profitieren auch von den Erkenntnissen der anderen.

Wie lange gilt das Siegel eigentlich?

Rasp: Die Evaluierung findet alle drei Jahre statt. Aber man muss die Vorgaben schon immer im Kopf haben. Wenn man einen Riesenklotz mit 500 Betten in die Landschaft bauen will, dann bekommt der DAV davon sicher Wind, und man kann den Titel schnell verlieren. Der Ort Kals am Großglockner zum Beispiel war Bergsteigerdorf und ist es jetzt nicht mehr. Und wenn wir plötzlich eine große Skischaukel schaffen würden mit x Verbindungen und massig Schneekanonen, wären wir auch schnell nicht mehr dabei.

Der Titel Bergsteigerdorf soll ja auch bei der Vermarktung helfen.

Rasp: Wir haben das Thema Bergsteigerdorf nie unter Marketing-Gesichtspunkten gesehen. Für uns ist der Titel kein Werbeinstrument. Wichtig ist, dass er nach innen wirkt. Die Einheimischen sollen hinter ihrem Bergsteigerdorf stehen. Die Wertschätzung ist das Entscheidende und der Wille, naturverträglichen Tourismus zu betreiben. Das spricht sich auch unter den Gästen herum. Wir haben einen sehr gesunden Sommertourismus – im Winter könnte es noch ein wenig mehr sein.

Der Vortrag

von Fritz Rasp beginnt am heutigen Donnerstag um 19 Uhr in der Naturkäserei Kreuth. Veranstalter ist die Schutzgemeinschaft Tegernseer Tal.

jm

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