+
Der Verkaufsraum in der Naturkäserei ist immer gut frequentiert.

Naturkäserei Tegernseer Land

Keine Anteile mehr: Genossenschaft macht den Deckel drauf

  • schließen

Der Start war ein Risiko, die erste Zeit kostete viel Geld. Jetzt läuft die Naturkäserei Tegernseer Land – und die Genossenschaft setzt den Deckel drauf: Es gibt keine Anteile mehr.

Kreuth – Sie waren zu acht damals. 2007, in der Stube von Jo Bogners Gasthof Zotzn, entstand die Idee, eine Genossenschaft zu gründen, um Geld für den Bau einer Käserei in die Kasse zu bekommen. Das Ziel: Selbstvermarktung im großen Stil. 1000 Euro kostet ein Anteil, mehr als zehn darf keiner kaufen. Aus den acht Mitgliedern wurden schnell 500, heute sind es über 1600. Keiner hat bis jetzt eine Dividende bekommen, abgesehen von Naturalien. Das soll sich bald ändern. Und damit dann wirklich die Treuen profitieren, die Unterstützer der ersten Stunde, kommt jetzt der Deckel drauf. Anteile gibt’s bis zum morgigen Freitag, danach keine neuen mehr. Auch, weil der Ertrag nicht beliebig gesteigert werden kann und soll. Somit sind künftig nur noch Anteile zu haben, die nach einem Verkauf wieder frei werden.

Verkündet hat dies bei der Generalversammlung im überfüllten Rottacher Seeforum Jo Bogner, jetzt Aufsichtsratsvorsitzender.

„So schließt sich der Kreis“, sagt Hans Leo, Geschäftsführer und Vorstand der Naturkäserei, in Erinnerung an die ersten Gesprächsrunden. Den alten Zotzn gibt’s bekanntlich nicht mehr, aber eine Neuauflage im Voitlhof, den die Bogners als Familienunternehmen errichtet haben. Dort hat die Naturkäserei vor wenigen Wochen ihren Reifekeller eröffnet. Auch das war ein großer Schritt. Denn erst der Keller ermöglicht die Produktion des alten Tegernseer Bergkäses. „Nach dem fragen die Kunden immer“, meint Leo. Aber bislang fehlte die Kapazität, ihn reifen zu lassen: „Wenn das Lager voll ist, müssen wir den Käse verkaufen.“ Jung, bevor er die begehrte Würze hat.

Das ist jetzt anders. Über 200 000 Euro hat die Genossenschaft in die Keller-Technik investiert. Der Keller selbst gehört der Gemeinde Rottach-Egern, die ihrerseits kräftig investierte und jetzt 1400 Euro Miete pro Monat erhält. Wo einst die Kegelbahnen waren, pflegt das Käserei-Team bis zu 5000 Laibe. Dass dies jetzt geschafft ist, erfüllt Leo mit Freude. „Wir haben da so lange drauf hingearbeitet.“

Schon deshalb ist 2017 ein gutes Jahr für die Naturkäserei, die Heumilch von 23 heimischen Landwirten verarbeitet. Der Gewinn ist 2016/2017 mit 213 372 Euro allerdings geringer ausgefallen als im Vorjahr mit 379 203 Euro. Das liege an den miserablen Monaten, die in der Milchwirtschaft zu verkraften waren, meint Leo. Andere habe das härter getroffen. Der Naturkäserei-Chef ist zufrieden: Das Tal der Tränen ist durchschritten, die Naturkäserei schreibt im dritten Jahr schwarze Zahlen. 2011/2012 stand am Ende des Geschäftsjahrs noch ein Minus von 257 774 Euro, 2013/2014 betrug der Verlust 240 926 Euro. „Die Naturkäserei ist in trockenen Tüchern“, sagt Leo.

Aber wann fließt dann eine Dividende? Mancher Genosse fragt schon danach. „Und es auch mein Ziel, die Mitglieder mit einer Dividende zu bedienen“, erklärt Leo. Aber erst müsse der Verlustvortrag abgebaut sein, also das verbliebene Defizit der ersten Jahre. 1,1 Millionen Euro waren das mal. Jetzt sind noch 173 000 Euro zu tilgen. „Ich gehe stark davon aus, dass die im nächsten Jahr weg sind“, erklärt Leo. Dann sei die Ausschüttung wirtschaftlich möglich. Die Entscheidung, ob und in welcher Höhe es eine Dividende geben soll, habe aber die Generalversammlung zu treffen – möglicherweise im nächsten Jahr. 

Gewählt wurde bei der Generalversammlung Johannes Mehringer als neuer Aufsichtsrat. Er nimmt den Platz von Sophie Obermüller ein, die turnusgemäß ausschied. Eine weitere Amtszeit als Aufsichtsräte traten Andreas Niedermaier und Josef Bogner an.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Michael Pause: „Nicht jedes Youtube-Video ist ein Film“
Zum 15. Mal findet im Oktober das Bergfilm-Festival am Tegernsee statt. Michael Pause (64), bekannt von der BR-Sendung „Bergauf-Bergab“, war von Anfang an mit dabei. Im …
Michael Pause: „Nicht jedes Youtube-Video ist ein Film“
Nach Verpuffung am Wiesseer Jodbad: So geht es den Opfern
Schwere Verletzungen hatten zwei Arbeiter am 21. Juni bei einer Gas-Verpuffung in Bad Wiessee erlitten. Wiessees Bürgermeister Höß weiß, wie es ihnen inzwischen geht.
Nach Verpuffung am Wiesseer Jodbad: So geht es den Opfern
Fritz Wepper nach Reha in Wiessee wieder fit
Er ist munter wie eh und je: Drei Wochen lang hat sich Fritz Wepper nach seinem Zusammenbruch in der Privatklinik Jägerwinkel in Bad Wiessee erholt. Nun ist der …
Fritz Wepper nach Reha in Wiessee wieder fit
Schlimmer Bergunfall: Münchner (36) stürzt in den Tod
Der Münchner ist am Donnerstagmorgen zu den Ruchenköpfen bei Bayrischzell unterwegs. Seine Frau, die zuhause auf ihr gemeinsames Baby aufpasst, schlägt am Abend Alarm - …
Schlimmer Bergunfall: Münchner (36) stürzt in den Tod

Kommentare