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Sagt zum Abschied leise Servus: Betreiberin des Kinos Rottach-Weißach, Julia Strelow

Kino Rottach-Weißach schließt zu Ostern

Betreiberin verabschiedet sich mit bewegendem Brief

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Weißach - Julia Strelow kann nicht mehr. Ein Jahr hat sie für das Erbe ihres Vaters gekämpft. Jetzt gibt sie sich geschlagen - und erklärt sich in einem offenen Brief, der trifft.

"Wenn ich ausfalle, bricht hier alles zusammen", sagt Julia Strelow, Betreiberin des Kinos Rottach-Weißach unserer Zeitung. "Ich kann nicht mehr. Ich habe keine Freizeit mehr. Kein Geld. Und doch arbeite ich nur." Vor einem Jahr hat Strelow das Kino von ihrem Vater übernommen. Es war hoch verschuldet, der Vater konnte nicht mehr. Doch Strelow kämpfte, trommelte, organisierte Kulturveranstaltungen, lud das ganze Tal in ihr Kino zu Star-Auftritten ein. Zwecklos. Jetzt verabschiedet sie sich in einem offenen Brief:

Guten Tag,

es kommt wohl nicht völlig überraschend, jedoch wahrscheinlich trotzdem etwas schockierend: Ich muss Ihnen leider mitteilen, dass ich als Betreiberin des Tegernseer Kinos ab April nicht mehr zur Verfügung stehe. Die Gründe dürften mittlerweile hinlänglich bekannt sein: Zu hohe Kosten und gleichzeitig zu geringe Einnahmen. 

"Vermieter kassiert völlig überzogene Miete"

Wenn der Vermieter nicht eine völlig überzogene Miete kassieren würde, wenn es vielleicht doch eine Art von Förderung durch die Gemeinden gegeben hätte, wenn…wenn…wenn… Ich (und nicht nur ich, aber anscheinend nicht die „richtigen/wichtigen“ Leute hier) empfinde es als Schande, dass mein offizieller Antrag bei den Gemeinden durch die Bank (bis auf eine, die es gar nicht für nötig hielt, zu antworten), mit dem Totschlagargument „Gewerbebetrieb“ abgeschmettert wurde. Wenn dieses Kino mit seinem wirklich anspruchsvollen Programm, mit einer Kneipe, Drogerie, und ähnlichem gleichgesetzt wird, dann muss man sich nicht wundern, wenn der Betreiber irgendwann total kaputt das Handtuch wirft. 

"Touristen werden sich bei nächster Schlechtwetterperiode bedanken"

Auch die Touristen werden sich bei der nächsten Schlechtwetterperiode bedanken. Mir hat die Arbeit an sich sehr viel Spaß gemacht, aber das Leben sollte nicht nur aus Arbeit bestehen, da geht man langfristig vor die Hunde. Aufgrund des Kostendrucks kann/konnte ich es mir nicht leisten, das Kino auch nur eine Woche zu schließen.

Stundenlohn von 3 Euro - wer soll das auf Dauer durchstehen?

Ganz zu schweigen von einer ernsteren Krankheit. Wenn ich mir ein Bein brechen würde, wenn eine größere Reparatur anstehen würde, wäre das sofort ein Rutsch ins Minus – das ist doch absurd! Auf Dauer für einen Stundenlohn von ca. 3 € an sieben Tagen in der Woche zu arbeiten? 

Kein Silberstreif am Horizont

Wenn es einen Silberstreifen am Horizont geben würde, worauf ich die letzten 1 ½ Jahre gehofft hatte, dann ist so eine Durstphase mal auszuhalten. Aber diesen Silberstreif gibt es nicht. Im Gegenteil: Wenn es wieder so einen Sommer gibt, zusätzlich noch EM und Olympiade, will ich das nicht mehr im Kinokeller durchstehen müssen. So kann und will ich auf Dauer nicht leben, das ist sicher zu verstehen. Da auch der familiäre Rückhalt hier nicht wirklich existiert, kehre ich im Mai nach Hamburg zurück. 

Kinobetrieb noch bis Ostermontag

Kinobetrieb ist noch bis einschließlich Ostermontag, ich hoffe, Sie kommen trotzdem (oder gerade deswegen), noch zahlreich, Gutscheine werden bis dahin auch selbstverständlich eingelöst. Wie es danach weitergeht, liegt außerhalb meines Einflusses, es ist jedoch schwer vorstellbar, dass sich jemand findet, der das Kino unter solchen Bedingungen betreiben möchte.

Ein letzter Dank

Ich bedanke mich bei allen, die Anteil genommen haben, die dieses Kino zu schätzen wussten, es durch ihr Kommen unterstützt haben. Besonders bedanken möchte ich mich bei Frau Brogsitter und Herrn Hagn. Auch für mich ist das ein sehr trauriger Tag!

kmm

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