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Brennt fürs Filmgeschäft: Carmen Obermüller will dem Kino in Weissach zu neuem Glanz verhelfen. 

Dokus, Nachos, Lounge

Kino Weißach: Neue Betreiberin verrät ihre Pläne

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Weißach - Mit ihrer Familie hat Carmen Obermüller ein Kino im Schwarzwald aus der Versenkung geholt. Das gleiche hat sie in Weissach vor. Mit einer Komplettrenovierung und einem neuen Konzept.

Immer und immer wieder versank die Titanic im Eismeer. Der letzte Kuss zwischen Kate Winslet und Leonardo DiCaprio wiederholte sich im Zwei-Stunden-Takt. Und Carmen Obermüller war einfach nur glücklich. „Drei Tage lang haben wir den Film ohne Pause gezeigt“, erzählt sie. So groß war die Nachfrage nach dem Blockbuster im kleinen Kino ihrer Familie im Schwarzwald.

Ein Lichtspielhaus, das zuvor lange vor sich hin schlummerte. Obermüller und ihre Familie erweckten es zu neuem Leben. Fast 20 Jahre ist es her, dass sich dieses filmreife Märchen in einem kleinen Dorf abgespielt hat. Die Fortsetzung möchte die Wiesseerin nun am Tegernsee schreiben – im Kino in Weissach, das sie im Sommer wieder eröffnen wird.

Seit langem träumt die 55-Jährige davon, ein eigenes Lichtspielhaus in ihrer Heimat zu betreiben. Doch es kam nicht dazu. Die gelernte Hotel-Fachfrau verdient ihr Geld stattdessen in der Naturkäserei in Kreuth. Nebenbei jobt sie im Kino ihrer Schwester in Füssen. Als sie erfuhr, dass Julia Strelow in Weißach hingeschmissen hat, ergriff Obermüller die einmalige Chance – und packt jetzt mit beiden Händen an. Ihre beiden erwachsenen Kinder helfen mit.

Vom Teppichboden über die Bestuhlung bis hin zu Tontechnik und Leinwand: Obermüller bringt alles auf den neuesten Stand. Einen der beiden Säle macht sie fit für 3D. „Ohne geht heute kein Kino mehr“, sagt sie. Dringend renovierungsbedürftig sei auch die Theke. „Früher hätte ich mir da keine Popcorn gekauft“, sagt sie. Künftig will die 55-Jährige nicht nur den beliebten Mais-Snack anbieten, sondern auch Nachos, Bier und Wein. In einem Lounge-Bereich sollen sich die Gäste vor dem Filmgenuss eine Tasse Kaffee gönnen, und danach vielleicht eine Kleinigkeit essen. Ohne dieses Geschäft lasse sich ein Kino heute nicht mehr wirtschaftlich betreiben, sagt Obermüller.

Gemeindliche Zuschüsse will sie nicht erbitten, betont die Wiesseerin. „Ein Kino ist ein Unternehmen wie jedes andere auch.“ Voraussetzung sei neben Fleiß ein tragfähiges Konzept. Hier will sie sich am FoolsKino in Holzkirchen orientieren. Statt auf Blockbuster-Premieren wird sie in Weissach auf Dokumentationen und familiengerechte Filme setzen. „Große Hollywood-Produktionen kriegt man zum Start nur bei wesentlich höheren Besucherzahlen“, sagt Obermüller. Mit nur zwei Sälen ein aussichtsloses Unterfangen. Sei’s drum. Dann sind Star Wars, Fluch der Karibik und Co. in Weissach eben ein paar Tage später zu sehen.

Ein ähnliches Konzept hat bekanntlich auch Strelow verfolgt. Dass das bei ihrer Vorgängerin nicht funktioniert hat, verunsichert Obermüller aber nicht. „Das Publikum ist auf jeden Fall da“, sagt sie. Wenn in ihrem Kino alles fertig ist, würden die Leute auch kommen. Und falls alle Stricke reißen, legt die 55-Jährige eben einen echten Klassiker in den Projektor: Titanic.

sg

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