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Kino-Chefin Julia Strelow im leeren Saal.

Exklusiv: Die Gründe für das Aus

Darum muss das einzige Kino am See schließen

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Weißach - Das einzige Kino am See schließt zu Ostern. Nachdem sich die Betreiberin in einem Brief von ihrem Publikum verabschiedet hat, verrät Julia Strelow uns die Hintergründe.

Der Brief erreichte die treusten Kinogänger am Sonntagmittag. Darin verabschiedet sich Julia Strelow von ihrem Publikum. In dem Schreiben greift Strelow ihren Vermieter sowie die Tal-Gemeinden offen an. Und bekennt gleichermaßen offen ihr eigenes Scheitern. Es ist der Abschiedsbrief einer Kämpferin, die sich selbst eingesteht, dass sie gegen so viele Widrigkeiten nicht ankam. 

Gerhard Polt war einer von mehreren Stargästen, die Strelow in ihr Kino holte.

„Auf Dauer für einen Stundenlohn von drei Euro sieben Tage die Woche arbeiten“, schreibt die scheidende Kino-Chefin. „Das ist doch absurd.“ Und das ohne Netz, ohne doppelten Boden. Ein technischer Defekt, eine längere Krankheit „wäre sofort ein Rutsch ins Minus“. Lange habe sie darauf gewartet, gehofft, es komme irgendwann der Silberstreif am Horizont, „aber diesen Silberstreif gibt es nicht“. Im Gegenteil: Wieder so ein Sommerwetter, noch dazu mit EM und Olympiade – „das will ich nicht mehr im Kinokeller durchstehen müssen“. 

Aber warum musste das Kino wirklich schließen? Bereits zum Jahreswechsel haben wir uns mit der Kino-Betreiberin unterhalten. Schon damals klangen die Vorzeichen für ein mögliches Ende durch - und die Gründe. Jetzt zum Abschied wird Strelow noch konkreter.

6000 Euro Fixkosten - pro Monat

August 2014 kehrte Strelow von Hamburg heim nach Oberbayern und übernahm das Kino Rottach-Weißach von ihrem Vater Bernward Schlinker – und das hoch verschuldet. Der damals 79-Jährige hatte einen Schlaganfall erlitten und war kaum mehr arbeitsfähig. Um die Schulden zu tilgen, verkaufte die Familie die Kinoräume an den Besitzer des restlichen Gebäudes in direkter Nachbarschaft zum McDonalds. Schon aus dem Pflegeheim heraus handelte Schlinker einen Mietvertrag mit dem neuen Besitzer aus. „6000 Euro pro Monat“, seufzt Strelow. "Das sind meine monatlichen Fixkosten." Ein Löwenanteil daran sein die Miete. Dass das kaum wirtschaftlich zu schaffen sein würde, war der Ex-Hamburgerin von Anfang an klar.

Ein Kampf gegen Sommerwetter und die Zeit 

Aber es ging um das Lebenswerk ihres Vaters, sie versuchte das Unmögliche und hatte große Pläne. Strelow: „Ich frage mich, wer diese Kellerräume nach uns zu diesem Preis anmietet.“ Strelow kämpfte, organisierte Galavorstellungen, führte Matineen mit Klassikern ein, holte Stars wie Gerhard Polt in ihren Kinosaal. Da war der Laden auch immer voll – nur nicht den restlichen Sommer über. Strelow versuchte ein Spagat zwischen Programmkino und Kassenschlager. 

Darum gab es in Weißach so wenige Blockbuster

Viele jüngere Kinogänger vermissten in Rottach die Blockbuster, wie Star Wars. „Nur gehen die im Tal kaum und sind in so einem kleinen Kino nicht rentabel“, sagt Strelow. Disney behalte mehr als die Hälfte der Kinokarte ein. Laut Leihvertrag müsste sie den Film über Wochen rauf und runter spielen – auch wenn niemand kommt. „Aber nach zwei Wochen haben den alle im Tal gesehen.“ Und dann ist da noch die Konkurrenz in Hausham und Tölz. 

Schließlich bat Strelow die Tal-Gemeinden um Hilfe. Kino ist doch auch Kultur, so die Überlegung. Die winkten geschlossen ab. Einen gewerblichen Betrieb könne man nicht mit Steuergeldern unterstützen. 

Bürgermeister bedauern: "Ein Verlust fürs ganze Tal."

Das sagt auch einer ihrer größten Unterstützer, Tegernsees Bürgermeister Johannes Hagn, der für sie die Preisverleihung des Bergfilmfestivals nach Weißach verlegte. Die Nachricht vom Ende des Kinos trifft ihn dennoch: „Das ist sehr schade. Aber wenn das Publikum das Kino nicht annimmt. Was soll man da machen?“ Sein Kreuther Amtskollege Josef Bierschneider zeigt sich ähnlich betroffen: „Das ist ein Verlust fürs ganze Tal.“ Auch er ließ Strelows Anfrage auf Unterstützung im Gemeinderat beraten. Sie solle einen Förderverein gründen, hatte da einer die Idee. Hat sie versucht. Ist aber auch kaum möglich für ein Gewerbe. 

Und so stirbt das einzige Kino am See. Bis Ostermontag hat Strelow noch geöffnet, nimmt alle Gutscheine entgegen. Wenn sich kein Nachfolger findet, bleibt die Leinwand danach für immer dunkel. Strelow geht zurück nach Hamburg. Was sie da machen wird? „Möglichst in einem Kino arbeiten.“

kmm

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