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Ein Team: Ludwig und Ursula Klitzsch im Foyer der Klinik im Alpenpark. Seit zehn Jahren führen sie dort die Geschäfte – und haben das Unternehmen kräftig erweitert. Es hat jetzt ein Dachnamen: Ideamed. 

Gesundheitsgruppe Ideamed

Klinik-Erbe Klitzsch auf rasantem Erfolgskurs

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Es war ein großes, aber kein leichtes Erbe. Vor zehn Jahren erkämpfte sich Ludwig Klitzsch, damals 29, die Führung der beiden Kliniken seiner Familie am Tegernsee. Mit seiner Frau Ursula hat er daraus ein Unternehmen mit nun 800 Mitarbeitern geformt: Ideamed.

Kreuth  - Idea  bedeutet Urbild. „Der Ursprung“, wie Ludwig Klitzsch (39) sagt. Der ist ihm wichtig, weshalb er den Begriff im Dachnamen seines Unternehmens verankert hat. Den hat es dieses Jahr bekommen. „Wir sind einfach nicht mehr damit nachgekommen, alle Einrichtungen aufzuzählen“, erklärt Ursula Klitzsch (38). Zwölf gehören aktuell zur Gesundheitsgruppe Ideamed. Ihre Schwerpunkte: Psychosomatik, Orthopädie und Innere Medizin

Der Ursprung von Ideamed ist die Klinik im Alpenpark am Ringsee. Und die Idee, anderen Menschen menschlich zu begegnen. Anna Klitzsch, gebürtige Dänin und Großmutter des heutigen Firmenchefs, hatte den Grundstein mit einem Sanatorium gelegt, das sie mit Herz und Leidenschaft führte. Für ihren Enkel Ludwig war die Klinik ein Zuhause. „Daran hängt man so, dass man nicht davon lassen kann“, sagt er.

Auch nicht, wenn’s schwierig wird. Und das wurde es. Ludwig Klitzsch war erst elf Jahre alt, als sein Vater starb. Das Unternehmen, bestehend aus der Klinik im Alpenpark und der Wiesseer Schlemmerklinik, stand unter der Regie des Testamentsvollstreckers. „Man hat von außen gesehen, dass es kein gutes Ende nimmt“, sind sich Ludwig und Ursula Klitzsch einig. Die beiden haben sich beim Studium in Sankt Gallen kennengelernt. Sie wurden nicht nur ein Paar, sondern auch ein starkes Team. Wie Ludwig stammt Ursula Klitzsch aus einer Unternehmerfamilie.

Auch seine Frau, so Klitzsch, habe gesehen, dass es Zeit ist, in den Betrieb einzusteigen. Beiden Kliniken ging es schlecht, zudem war das Gebäude der Schlemmerklinik marode. Der junge Ludwig Klitzsch zog vor Gericht, um sich die Führung seines Unternehmens zu erkämpfen. Mit 29 Jahren.

„Die erste Zeit war stressig für uns beide“, erinnert sich das Paar. Sich am Tegernsee anzusiedeln, statt erst Auslandserfahrungen zu sammeln, war keine leichte Entscheidung. Und die Aufgabe, zwei Häuser ins Plus zu bringen, sehr groß. „Damals hätten wir nicht davon zu träumen gewagt, dass sich alles so gut entwickelt“, meint Klitzsch.

Glücksfall Nummer eins war die Möglichkeit, mit der Schlemmerklinik nach Bad Tölz umzuziehen. Dort hatte sie Raum und entwickelte sich prächtig. Als Glücksfall Nummer zwei erwies sich der Kauf der CIP (Centrum für Integrative Psychotherapie) Akademien in München. Es handelt sich um renommierte Häuser, die Ausbildungen für Psychologen und Psychotherapeuten anbieten. „Dadurch haben wir ein fantastisches Netzwerk“, erklärt Ursula Klitzsch. Das braucht es, um das Ziel zu erreichen, das die Klitzschs verfolgen: Eine Struktur anzubieten, die es dem Patienten ermöglicht, nach der stationären nahtlos in die ambulante Behandlung zu wechseln. Seit 2014 gehört eine CIP Tagesklinik in Schwabing zum Unternehmen. „Die ist immer voll“, berichtet Ludwig Klitzsch.

Sein Unternehmen Ideamed hat inzwischen 800 Mitarbeiter. „Das ist in unserer Branche immer noch klein“, meint Klitzsch. Seit den 90er-Jahren seien Mega-Konzerne entstanden. Ein solcher soll Ideamed nicht werden. Das Familiäre ist den Klitzschs wichtig. Die einzelnen Einheiten sind klein, das Miteinander der Teams eng. Diesen Geist will das Paar erhalten. Dennoch: Die Zeichen stehen weiter auf Wachstum. „Wir sind maximal ein Drittel des Weges gegangen“, sagt Ludwig Klitzsch.

Ideamed sollweiter wachsen

Erweitern will er in allen Sparten. Erst vor wenigen Tagen hat er in der aufwendig sanierten und erweiterten Klinik im Alpenpark eine Privatstation für Psychosomatik mit zwölf Plätzen eingerichtet. „Der Alpenpark ist unser High-End-Haus“, meint Klitzsch. Es sei ihm wichtig, dort auch Psychosomatik anzubieten.

Ideamed soll ein Familienunternehmen bleiben, das sich dank besonderer Expertise zwischen den Gesundheitsgiganten behauptet. Dafür spürt das Paar, inzwischen Eltern von zwei Kindern, neuen Entwicklungen nach. Und hat 2016 groß investiert: in eine Beteiligung an der in Frankreich gegründeten Online-Plattform Doctolib. Praxen, die sie nutzen, können Patienten-Termine rund um die Uhr online vergeben. Das System verbreitet sich rasant, kommt vor allem bei Jüngeren gut an.

In digitale Entwicklungen will Klitzsch weiter investieren. Das Gesundheitswesen werde sich in den nächsten zehn Jahren komplett verändern, ist er überzeugt. Aber der Ursprung von Ideamed, die familiäre Nähe zum Patienten, soll bleiben: „Das wird auch in den nächsten 20 Jahren der Kern unseres Erfolges sein.“

Die Entwicklung 

Anna Klitzsch, die Großmutter von Ludwig Klitzsch, gründete 1962 das Alpensanatorium Wiessee am Tegernsee. Seit 1977 heißt es Klinik im Alpenpark. Das noble Haus zog viel Prominenz an. Annas Sohn Ludwig, Vater des jetzigen Firmenchefs, gab der Klinik eine neue Ausrichtung und nahm auch Kassenpatienten auf. 1982 erwarb er die Klinik Dr. Schlemmer in Bad Wiessee. Seit der Übernahme durch seinen Sohn Ludwig Klitzsch im Jahr 2007 ist das Unternehmen rasant gewachsen. 2009 erfolgte die Gründung des CoMedicum Sendlinger Tor in München. Die Klinik Dr. Schlemmer zog 2010 nach Bad Tölz um, wo sie viel mehr Raum hat.

 2011 erwarb Klitzsch mit den CIP und BAP Akademien Ausbildungsinstitute für Psychologen und Psychotherapeuten in München. Ein Jahr später kamen das CoMedicum Landshuter Allee und das CoMedicum Rotkreuzplatz dazu. 2014 gründete Klitzsch die CIP Tagesklinik in Schwabing und erwarb das Medizinische Versorgungszentrum Dres. Kratzer, Mayring und Kollegen in Rottach-Egern. 2016 folgte die Gründung des Orthopädiezentrums Miesbach in Kooperation mit dem Krankenhaus Agatharied. 2016 konnte er auch die Erweiterung der Klinik im Alpenpark feiern. Zudem erwarb er eine Beteiligung am französischen Ärzte-Netzwerk Doctolib. Das Start-up-Unternehmen hatte sich zur größten Online-Booking-Plattform für Ärzte und Patienten in Frankreich entwickelt und suchte einen deutschen Partner.

 2017 hat Klitzsch sein Unternehmen neu strukturiert und ihm einen Dachnamen gegeben: Ideamed. Zuletzt hat er das CoMedicum Lindwurmhof in München eröffnet.

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