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Die ehemalige May-Klinik verfällt immer immer mehr. Die Gemeinde will kaufen – aber günstig. 

kommune ringt mit Eigentümer

Kraftprobe um May-Klinik: Wie es jetzt weitergeht

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Der Eigentümer präsentiert einen Käufer, der Bürgermeister kontert mit dem Vorkaufsrecht. Die Zukunft der May-Klinik ist zur Kraftprobe geworden. Wie es jetzt weitergeht.

Kreuth – Die Zeit der Freundlichkeiten ist endgültig vorbei. „Herr Mathews verfolgt den Ansatz, den größtmöglichen Profit herauszuholen“, sagt Bürgermeister Josef Bierschneider. Es sei nicht die Aufgabe der Gemeinde, diesem Bestreben zum Erfolg zu verhelfen. Im Gegenteil.

Bekanntlich will die Gemeinde die ehemalige Klinik selbst kaufen. Allerdings gehen die Preisvorstellungen weit auseinander. Auf ein zweimaliges Kaufangebot hat Bierschneider bislang keine Antwort bekommen. Um zu verhindern, dass die irische Cooley Group mit Geschäftsführer Benedict Mathews das 50.000 Quadratmeter große Grundstück an einen Investor aus Norddeutschland losschlägt, hatte der Bürgermeister zuletzt Zähne gezeigt. Wie berichtet, erließ er im Juni kurz vor dem Notartermin eine Vorkaufsrechtssatzung, die der Gemeinderat am Tag danach per Beschluss abgesegnete.

Heißt: Wenn Mathews einen Kaufvertrag mit besagtem Investor schließt, kann die Gemeinde einhaken. Das wird sie tun, wenn sie den Verdacht hat, dass auf dem Klinikgelände etwas passiert, was ihr ganz und gar nicht gefällt. Den Bau von exklusiven Eigentumswohnungen etwa will sie verhindern.

Bislang besteht für die Gemeinde kein Anlass, das Vorkaufsrecht wirklich auszuüben. Der Investor, berichtet Bierschneider, sei nach seinem ersten Besuch noch einmal im Rathaus vorstellig geworden. „Er hat uns mitgeteilt, dass er sich mit Mathews nicht einigen konnte.“ Seiner Einschätzung nach habe dies mit dem Erlass der Vorkaufsrechtssatzung nichts zu tun. „Da hat’s zwischen den Partnern nicht gepasst.“

Für die Gemeinde scheint sich ein Problem erledigt zu haben. Denn das Konzept jenes Investors hatte Bierschneider nicht überzeugt. Der Norddeutsche hatte angekündigt, ein Hotel errichten zu wollen, was im Sinn der Gemeinde wäre. Doch der Zweifel, dass am Ende tatsächlich ein Hotel entsteht, war groß. Die Gemeinde werde nur zustimmen, wenn ein städtebaulicher Vertrag die Realisierung absichere, betont Bierschneider.

Für Mathews selbst ist das Thema nicht erledigt. „Der Investor ist noch dran“, versichert er auf Nachfrage. Das Kaufangebot der Gemeinde – 2,8 Millionen Euro – sei für ihn nicht annehmbar. Dem Vernehmen nach will er mindestens vier Millionen Euro.

Unterdessen treibt die Gemeinde über den Kopf des Grundstückseigentümers hinweg ihre eigenen Pläne mit dem Klinikgelände voran. Die sind ziemlich konkret. Nach dem Abriss des Altbestandes ist der Bau von zwei Mehrfamilienhäuser mit 16 bis 20 Wohnungen vorgesehen. Sie sollen günstig an Einheimische mit kleinem Geldbeutel vermietet werden. Weiter will die Gemeinde Grundstücke ausweisen, auf dem Einheimische sich ein Eigenheim schaffen können. Zudem ist ein Gewerbegebiet geplant, das bestehenden Betrieben die Möglichkeit gibt, ihre Erweiterungspläne umzusetzen. „Vor allem die Wohnungen werden dringend gebraucht“, erklärt Bierschneider. Das Konzept hat der Gemeinderat bei einer Klausur entworfen.

May-Klinik: Da liegt sie

Bereits beschlossen hat das Gremium die Änderung des Flächennutzungsplans. Aus dem Sondergebiet Klinik wird ein Sondergebiet Wohnen und Gewerbe. Das Verfahren hat erst begonnen und dürfte ein Jahr in Anspruch nehmen. Baurecht ist mit dem Flächennutzungsplan nicht verbunden. Dazu wäre ein Bebauungsplan nötig. Den wird die Gemeinde vorerst nicht aufstellen: Schließlich gehört ihr die Fläche nicht.

Noch nicht. „Ich denke, dass wir den längeren Atem haben“, sagt Bierschneider. Irgendwann werde der Eigentümer die Immobilie doch zu Geld machen. Und erkennen müssen, was geht. Darum erhöhe die Gemeinde den Druck: „Wir wollen Bewegung in die Sache bringen.“

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