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Die alte Krankenanstalt musste 2008 dichtmachen. Bis 2012 war dort noch ein Dialysezentrum angesiedelt. Seit dessen Schließung steht das gesamte Gebäude leer. 

Der Ire will mehr

Kreuth hat nicht genug Geld: Klinik-Kauf vorerst geplatzt

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Kreuth - Endlich gab’s ein Gespräch zwischen Benedict Mathews, Besitzer der alten May-Klinik, und Kreuths Bürgermeister Josef Bierschneider. Das Ergebnis ist ernüchternd.

Das Kaufangebot der Gemeinde Kreuth steht seit 2015. Anfang 2016 schob die Kommune ein zweites nach, mit verbesserten Konditionen für Benedict Mathews, Eigentümer der irischen Cooley Group. Wie viel die Gemeinde für das 50 000-Quadratmeter-Areal zahlen will, gibt Bierschneider nicht preis. Dass die Summe weit unter den Vorstellungen von Mathews liegt, war schnell klar. Allerdings hat er offensichtlich auch keinen anderen Käufer gefunden. Aber einen langen Atem. „Ich wundere mich, dass Herr Mathews immer noch utopische Preisvorstellungen hat“ sagt Bürgermeister Josef Bierschneider.

Diese Feststellung ist das Fazit eines Gesprächs, das in der vergangenen Woche stattgefunden hat. Im Vorfeld, berichtet Bierschneider, habe er zwei Monate lang auf einen Rückruf von Mathews gewartet. Der scheint darauf zu setzen, dass die Gemeinde irgendwann nachgibt und zu seinen Konditionen kauft. Was der Ire dazu sagt, war nicht in Erfahrung zu bringen: Auch die Bitte der Redaktion um Rückruf verhallte. Unterdessen macht Bierschneider klar, dass die Gemeinde auf die Forderung von Mathews nicht eingehen wird. „Wenn wir den Preis zahlen, können wir unsere Ziele nicht verwirklichen.“

Die Ziele hat der Gemeinderat in einer Klausur festgeklopft. Wie berichtet, sieht das Konzept den Bau von günstigen Wohnungen und die Schaffung von Gewerbeflächen vor. Um Flächen günstig an Bürger weitergeben zu können, müsse sie diese aber günstig kaufen können, meint Bierschneider. Berappe sie den geforderten Betrag, bliebe nur der Bau von hochpreisigen Wohnungen: „Und das wollen wir nicht.“

In eigener Regie kann Mathews das Areal übrigens nicht zum Bau nobler Zweitwohnungen verwenden. Nachdem das Grundstück im Außenbereich liegt, ist eine Genehmigung nur im Einvernehmen mit Gemeinde und Landratsamt zu bekommen. „Er kann da nur mit uns zusammen etwas realisieren. Und das habe ich ihm auch gesagt“, erklärt Bierschneider. Ein eigenes Konzept für das Gelände habe Mathews übrigens noch nie vorgelegt. Lediglich Kaufinteressenten hätten Pläne präsentiert, um bei der Gemeinde vorzufühlen. Konkret wurde nichts.

Inzwischen glaubt Bierschneider nicht mehr an eine Einigung. „Wenn es noch was wird, ist es gut. Aber ich rechne so schnell nicht damit.“

Bleibt die Frage, ob Kreuths Zukunftskonzept in Sachen Wohnbau und Gewerbe noch eine Chance hat. Das war schon recht konkret. Die Baugenossenschaft Lenggries wollte im Zusammenspiel mit der Gemeinde zwei Mehrfamilienhäuser mit je neun Wohnungen bauen. Zudem sollten im Rahmen eines Einheimischenprogramms günstige Grundstücke für den Bau von Einfamilienhäusern vergeben werden. Zum Projekt gehört auch die Ausweisung von Gewerbeflächen. Platz wäre für fünf bis sechs Betriebe, jeder mit etwa 1000 Quadratmetern Fläche. Bedarf haben bereits ansässige Unternehmen angemeldet, die gerne erweitern möchten.

„Das wäre der große Wurf“, meint Bierschneider zu den Planungen auf dem Klinikgelände. Nachdem dessen Kauf an den Preisvorstellungen zu scheitern scheint, hat er bereits Verhandlungen mit Besitzern anderer Grundstücke aufgenommen. Damit wäre die Realisierung des Gesamtkonzepts in mehreren Etappen denkbar. Nicht an einem Fleck, sondern im Gemeindegebiet verteilt. Greifbar scheint der Erwerb einer Fläche, die Platz für ein Mehrfamilienhaus mit sechs Wohnungen bietet. Er werde die Gespräche noch intensivieren, meint Bierschneider: „Wir müssen dann halt viele kleine Schritte tun.“

Die Historie

Die 1907 gegründete Krankenanstalt Dr. Heinz May war einmal das Aushängeschild der Gemeinde und auch deren größter Arbeitgeber. Aber der Sprung in die neue Zeit glückte nicht, Rettungsversuche scheiterten. Die 80-Betten-Klinik musste zweimal Insolvenz anmelden, das erste Mal 2006. Grundstück und Gebäude gingen an die Cooley-Group, die als Geldgeber dienen sollte. Doch das Konzept ging nicht auf. 2008 musste die Klinik dichtmachen, zur Enttäuschung der 60 engagierten Mitarbeiter. 2012 schloss auch das im Haus verbliebene Kuratorium für Dialyse und Nierentransplantation. Wegen des 2006 mit der Cooley-Group geschlossenen Kaufvertrags kam es zu einem langen Rechtsstreit. Insolvenzverwalter Josef Hingerl hielt den Vertrag für nicht gültig. Erst seit einem Vergleich vor dem Oberlandesgericht München im August 2013 wurde die Cooley Group tatsächlich Eigentümerin der Immobilie. Mathews kündigte damals an, schnell investieren zu wollen. Das Gebäude ist inzwischen völlig marode.

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