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Kündigung: Kino in Weißach droht die Schließung

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Von: Gerti Reichl

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Kinobetreiberin Julia Strelow sucht neue Räume. © tp

Weißach - Hiobsbotschaft für alle Kinofans im Tegernseer Tal: Das Geschäftshaus in Weißach, in dem sich das Kino Rottach-Weißach befindet, wurde offenbar verkauft - und den Betreibern gekündigt.

Seit mehr als 25 Jahren bietet das Kino Rottach-Weißach Einheimischen und Touristen eine willkommene Abwechslung zum Couch- und TV-Programm. Bernward Schlinker hat das Kino im Untergeschoss des Geschäftshauses mit Penny und Ärztezentrum zum Laufen gebracht. Der 79-Jährige hält zwar offiziell noch die Fäden in der Hand, doch seine Familie – Ex-Frau Edith, Sohn Andi (30) und Tochter Julia Strelow (51) – sorgen dafür, dass alles rund läuft. „Wir machen alles, von der Kasse, über Filmvorführung, Popcorn- und Getränkeverkauf, bis Putzen und Toilettenreinigung“, sagt Julia Strelow. Sie ist im August von Hamburg an den Tegernsee gezogen, um die Familie beim Kinobetrieb zu unterstützen.

Kino steckt den Schlinkers im Blut: „Schon Großeltern und Urgroßeltern waren Kinobetreiber“, sagt Strelow. Zwei Säle mit 240 Plätzen sollen regelmäßig gefüllt werden, und das ist angesichts der verschiedenen Alters- und Gesellschaftsschichten am Tegernsee nicht immer einfach. „Wir müssen die Gratwanderung schaffen zwischen aktuellen Kinohits und den etwas ausgefalleneren Filmen“, so Strelow.

Doch jetzt steht Familie Schlinker vor einem Riesenproblem: Sie hat den 300 Quadratmeter großen Keller im Dezember an einen Rottacher Bauträger verkauft. Dieser hat auch das Erdgeschoss erworben und den Kinobetreibern zum 30. Juni gekündigt. „Der neue Besitzer hat uns zugleich angeboten, in einen neuen Mietvertrag einzusteigen, der aber für uns so nicht zu stemmen“, erklärt die Schlinker-Tochter.

Die Rede ist nicht nur von einer enorm hohen Miete, sondern auch von einer nur dreimonatigen Kündigungsfrist seitens des Besitzers. „Wenn ständig das Damoklesschwert der Kündigung über uns schwebt, dann ist das für Kinobetreiber, wie wir es sind, nicht machbar“, sagt Strelow. Schließen oder einen schwierigen Vertrag akzeptieren? Vor dieser Frage stehen die Kinobetreiber derzeit.

Inzwischen hat sich Strelow hilfesuchend an alle Tal-Bürgermeister gewandt mit der Bitte, bei der Suche nach einem neuen Standort für das Kino behilflich zu sein. Der Gmunder Rathauschef Georg von Preysing (CSU) informierte seinen Gemeinderat bei der Sitzung am Dienstagabend. Sein Bedauern war deutlich herauszuhören, falls es zu einer Schließung kommen sollte. „Früher gab’s in jedem Ort am See mindestens ein bis zwei Kinos, und jetzt bald keins mehr, wenn sich nichts tut“, sagte Preysing. Er gab die Bitte der Betreiber gerne weiter: „Wer einen Saal oder Räume weiß, die mindestens vier Meter hoch sind, der soll sich melden.“

Familie Schlinker setzt alles daran, den Kino-Standort Tegernseer Tal zu erhalten. Julia Strelow hat noch mehr Ideen. Ihr schweben Kino-Matineen vor, Open-Air-Kino, ein Filmclub oder die Gründung eines Förderkreises. Visionen. „Doch aktuell geht’s ums Überleben.“

Auch sonst ändert sich in dem Geschäftshaus in der Tegernseer Straße in Weißach einiges. Alle Neuigkeiten lesen Sie hier.

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