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Mountainbiker, hier ein Teilnehmer des MTB-Festivals 2015, sind bei Grundeigentümern und Almbauern zunehmend unerwünscht. Mit Schildern an den einschlägigen Wanderwegen will man die Situation jetzt in den Griff bekommen.

Florian Hornsteiner schlägt neue Schilder vor

Mountainbiker: Image wieder aufpolieren

Kreuth - Die Stimmung gegenüber Mountainbikern soll wieder besser werden, wünscht sich Florian Hornsteiner. Er schlägt vor, mit Schildern an die Vernunft aller zu appellieren.

Das Bild, das Florian Hornsteiner kürzlich im Kreuther Gemeinderat von der aktuellen Lage der Mountainbike-Möglichkeiten am Tegernsee zeichnete, war kein positives. Hornsteiner, der mit seiner Agentur flowmotion seit 2004 das Mountainbike-Festival Tegernseer Tal organisiert, berichtete, dass es zunehmend schwieriger werde, sichere und attraktive Strecken für die Festival-Teilnehmer zu finden.

Dieses Jahr gibt es lediglich einen Rundkurs über den Wallberg. „Die Longdistance-Strecke beispielsweise beinhaltet drei Mal die gleiche Runde. Drei Mal über den Wallberg. Da gibt es bei den Bikern keinen Jubel“, gestand Hornsteiner. 3000 Biker aus aller Welt haben sich übrigens für die Veranstaltung am 4. und 5. Juni angemeldet.

Die Wunsch-Routen, die Hornsteiner im Sinn gehabt hatte, hätten 180 Flurstücke tangiert. Das heißt: Hornsteiner hat das Gespräch mit 85 Grundstücksbesitzern gesucht, von denen das Gros sein Einverständnis nicht erteilt hat.

Grund ist das schlechte Image, das die Mountainbiker insbesondere bei den Landwirten, bei Forst und Almbesitzern genießen. Die hätten mit ein paar wenigen, unvernünftigen Radlern, die den Almbetrieb störten, so nachhaltig schlechte Erfahrungen gemacht, dass sie ihren Grund auch für das imageträchtige Festival nicht mehr zur Verfügung stellen wollen, erklärte Hornsteiner. „Wir haben so viel mit den Grundbesitzern gesprochen und konnten trotzdem nicht eine einzige Strecke finden, wie wir sie geplant hatten.“

Für Hornsteiner ist das ein Grund, sich gezielt für ein friedliches Miteinander von Mountainbikern, Wanderern sowie der Forst- und Almwirtschaft stark zu machen. Deshalb schlug er dem Gemeinderat vor, an Wanderwegen, wie etwa der WB1, der vom Setzberg hinunter nach Kreuth führt, oben und unten Schilder aufzustellen, die eine gegenseitige Rücksichtnahme anmahnen.

„Verbotsschilder sind nicht der richtige Weg“, ist sich Hornsteiner sicher und berichtete von aktuellen Projekten in Südtirol und in der Schweiz. Dort hätten solche Schilderaktionen messbar Erfolg gezeigt. Eskalationen zwischen den Freitzeitsuchenden seien deutlich zurückgegangen.

Auf den Schildern stand sinngemäß: „Liebe Biker, liebe Wanderer. Der Weg ist für Euch beide da. Bitte nehmt Rücksicht aufeinander!“ Oder für Wege, die sich die Freizeit-Sportler in Teilstrecken teilen müssen: „Lieber Wanderer, auf diesem Weg haben Radler Vorfahrt. Du kannst ihn nutzen, nimm aber bitte Rücksicht“. Oder umgekehrt.

Hornsteiner appellierte: „Wenn wir für den Mountainbike-Tourismus ein großes Netz an Trails haben wollen, müssen wir alle Partner einbeziehen. Wir müssen den wenigen Unvernünftigen erklären, dass bald gar nichts mehr geht, wenn sie sich nicht zusammenreißen. Und Kreuth wäre die erste Gemeinde in Deutschland, die das ausprobiert.“

Allgemein zustimmendes Nicken war die Antwort. Bürgermeister Josef Bierschneider (CSU) lobte das Engagement Hornsteiners für den Moutainbike-Tourismus im Tegernseer Tal. Auch Martin Walch (SPD) begrüßte den Versuch, es im Guten und nicht mit Verboten zu versuchen. Angesichts der vielen Schnittstellen von Mountainbike-Trails und Wanderwegen schlug er vor, mehr Schilder als nur zwei oben und unten aufzustellen.

Elisabeth Hartwig (CSU), selbst Vermieterin, betonte, dass das Mountainbike-Festival ein wichtiger Tourismusmagnet sei: „Viele Gäste kommen eigens deshalb. Und wir wollen die Leute ja nicht aussperren“, sagte sie und prognostizierte weiteren Zulauf für die Biker-Szene. Josef Kandlinger jun. (CSU) hoffte: „Das ist eine Möglichkeit, auch an die Vernunft von den zehn damischen Radlern zu appellieren, die die Mountainbiker in Verruf gebracht haben.“

Deshalb war man sich einig, die Beschilderung zur gegenseitigen Rücksichtnahmen probeweise an zwei Strecken auszuprobieren und die Reaktionen abzuwarten. Wenn man weiß, ob und wieviel die Schilder gebracht haben, wolle man weiter entscheiden.

Alexandra Korimorth

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