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Kilian aus Kreuth verletzt am Ort der Attacke. Ein Fuchs (r., Symbolbild) griff ihn im Schlaf an.

War das Tier krank?

Fuchs beißt Jungen (8) im Schlaf - Tier wird erlegt

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Schock-Begegnung in der Nacht: Ein Fuchs attackiert einen Achtjährigen im Schlaf. Nun ist das mutmaßlich verantwortliche Tier tot - und wirft neue Fragen auf.

  • Mitte August attackierte ein Fuchs einen Achtjährigen im Schlaf. 
  • Der Vorfall ereignete sich in einem Garten in Kreuth-Scharling.
  • Wenig später erlegte ein Jäger einen Fuchs. Ein DNA-Test sollte klären, ob es auch das richtige Tier ist.
  • Nun stellt sich heraus, dass ein DNA-Test nicht möglich ist. Dennoch gibt es andere Anzeichen, die dafür sprechen, dass es der richtige Fuchs ist.

Update vom 23. August, 9.55 Uhr: Der Spuk um den bissigen Fuchs von Scharling ist offenbar vorbei. Kurz nachdem der achtjährige Kilian von dem aggressiven Tier angefallen worden war, hat der zuständige Revierjäger einen Fuchs erschossen. Das Landratsamt Miesbach geht davon aus, dass es sich bei dem getöteten Tier um den abnormalen Fuchs handelt. 

Seit der Entnahme seien der Behörde keine weiteren Vorfälle oder Sichtungen mehr gemeldet worden, erklärt Pressesprecherin Sophie Stadler.

Um ganz sicherzugehen, dass es sich tatsächlich um den bissigen Fuchs handelt, hatte die Familie von Kilian eigentlich einen DNA-Test gefordert. Den wird es aber laut Landratsamt nicht geben. 

„Ein DNA-Test ist nicht möglich, da kein geeignetes Vergleichsmaterial aus der Wunde des Jungen oder vom Zelt existiert“, erklärt Stadler. 

Solche Proben hätten laut der Sprecherin unverzüglich genommen werden müssen, um überhaupt die Chance auf verwertbares Material zu bekommen. 

„Als die Untere Jagdbehörde über den Vorfall informiert wurde, war es dazu aber schon zu spät“, erklärt Stadler.

Unabhängig davon zeigt sich das Landratsamt überzeugt, „dass der richtige Fuchs entnommen wurde“. Das Tier sei anhand der charakteristischen weißen Fellfarbe an den vier Pfoten von verschiedenen Anliegern eindeutig beschrieben worden. Außerdem sei der Fuchs unmittelbar an dem Ort gefangen worden, wo er in der Vergangenheit häufig gesichtet worden sei.

Nach Fuchs-Attacke in Kreuth am Tegernsee: So geht es Kilian jetzt

Unterdessen erholt sich Kilian von dem Schrecken, den ihm der Fuchs bei der nächtlichen Attacke eingejagt hat. Ein Kinderarzt hatte die Wunden des Buben versorgt. 

Bei einer Untersuchung wurden nach Angaben des Landratsamtes keine vom Fuchs übertragenen Krankheiten festgestellt. Um dennoch ganz sicherzugehen, sei auch der tote Fuchs auf übertragbare Krankheiten hin untersucht worden. Das Ergebnis werde demnächst vorliegen, so Stadler.

Indes hofft die Mutter von Kilian, Inge Hacker, inständig, dass es sich bei dem erlegten Fuchs auch wirklich um das aggressive Tier handelt, das ihren Sohn angefallen hat. „Schon für den Seelenfrieden meines Buben“, meint die Mutter. 

Kreuth: Fuchs attackiert Achtjährigen im Schlaf

Ursprünglicher Artikel vom 9. August:  Scharling – Der Schreck sitzt dem achtjährigen Kilian noch immer in den Knochen. Als der Bub aus Scharling Anfang dieser Woche im Garten der Nachbarn in einem Zelt übernachtete, wurde er durch den Angriff eines Fuchses jäh aus dem Schlaf gerissen. Das Tier biss den Schüler in Gesicht und Hand. „Er ist seither fix und fertig“, sagt Mutter Inge Hacker über ihren Sohn. Sie hat inzwischen auch bei den Behörden und Jägern Alarm geschlagen. Denn: Es war nicht die erste Fuchs-Attacke in dem Kreuther Ortsteil.

Von insgesamt sechs Fällen in den zurückliegenden drei Jahren weiß die Scharlingerin. Auch ihr Mann sei schon zweimal von einem Fuchs gebissen worden – einmal in den Kopf, einmal ins Gesicht. „Wir wollen nicht einmal mehr draußen auf der Terrasse sitzen“, schildert Hacker den Albtraum. Die Vermutung liegt für sie nahe, dass es sich zumindest bei den jüngsten Attacken stets um ein- und denselben Fuchs handelte. Meistens schlage er in den Nachtstunden zu, aber auch abends – wenn es noch hell ist – habe er sich schon zu den Menschen vorgewagt und auch zugeschnappt.

Lesen Sie hier: Fuchs schläft als Eindringling im Wohnzimmer - die Geschichte endet traurig

Der Angriff auf ihren Sohn brachte für die Scharlingerin das Fass nun zum Überlaufen. Zwischen 3 und 3.30 Uhr morgens habe sich der Fuchs dem Zelt, das direkt an der Hauswand der Nachbars-Familie stand, genähert. Das Tier habe so lange an der Verankerung gezerrt, bis es mit der Schnauze ins Innere vordringen habe können, schildert Hacker das Geschehen. Der Fuchs habe ihren Sohn an Gesicht und Hand erwischt – danach habe sich der Achtjährige ins Haus flüchten können.

Das Zelt steht direkt an der Hauswand - dennoch wagte sich der Fuchs bis hierher vor.

Die Wunden ließ die Mutter zwischenzeitlich beim Kinderarzt behandeln. „Wir haben eine Salbe bekommen, sie werden gut heilen“, berichtet sie. Bis der Achtjährige den psychischen Schock überwunden hat, wird es aber wohl noch länger dauern. „Er will gar nicht mehr nach draußen gehen“, erzählt Hacker. Die Angst, dass der Fuchs Tollwut haben könnte, wurde Mutter und Sohn glücklicherweise schnell genommen. Laut den Experten gilt die Krankheit bei Füchsen seit Jahren als ausgerottet.

Die Angst vor dem Fuchs allerdings bleibt. Hacker hat daher nicht nur Polizei, Rathaus, Jäger und die Untere Jagdbehörde am Landratsamt Miesbach informiert, sondern auch unsere Zeitung. Ihr geht es vor allem darum, andere zu warnen.

Auch in Miesbach gab es schon einmal einen ähnlichen FallAm helllichten Tag: Miesbacherin wird vor eigenem Haus von Fuchs gebissen

„Uns ist der Fall bekannt“, bestätigte am Freitagnachmittag Birger Nemitz als Sprecher des Landratsamtes. Um weitere Gefahren abzuwenden, hat die Behörde bereits gehandelt. „Wir haben Mitte der Woche eine Schießerlaubnis erteilt“, erklärt Nemitz. Heißt: Der zuständige Revierjäger darf den Fuchs ausnahmsweise in bewohntem Gebiet schießen. Für eine solche Handlung bedarf es einer Ausnahmegenehmigung. Er gehe davon aus, dass die Entnahme des Tieres in Kürze erfolge, sagt Nemitz.

Grundsätzlich, so der Sprecher, käme es gar nicht so selten vor, dass Füchse – so genannte Kulturfolger – in Wohngebiete vordringen. „Sie werden oft unbewusst oder auch bewusst angefüttert.“ Beispielsweise durch die nicht korrekte Entsorgung von Abfällen. Dann, so Nemitz, könne es vorkommen, dass die Tiere die Scheu vor den Menschen verlieren.

Das bestätigt auch Förster Hannes Deininger, der als Leiter des Forstreviers Bad Wiessee zwar nicht direkt zuständig ist für das betroffene Gebiet, sich aber naturgemäß auskennt mit der Materie. Der Fuchs lerne schnell, dass ihm zwischen den Häusern keine Gefahr drohe und er ausreichend Nahrung finde, sagt Deininger. Dass ein Tier allerdings aggressiv wird und Menschen attackiert, sei die absolute Ausnahme. „So einen Fall habe ich noch nie erlebt“, sagt Deininger.

Bekanntschaft mit dem berüchtigten Fuchs – oder einem ebenso dreisten Artgenossen – hat übrigens auch schon Kreuths Zweiter Bürgermeister Wolfgang Rebensburg gemacht, der ebenfalls in Scharling zuhause ist. „Ich bin in der Dämmerung im Garten gesessen – auf einmal stand der Fuchs neben mir“, erzählt Rebensburg. Und er habe sich nur mit Mühe vertreiben lassen.

Hier finden Sie die Geschichte über die Schwan-Attacken, die sich heuer am Tegernsee abgespielt haben

Rebensburg, der momentan den im Urlaub weilenden Rathaus-Chef Josef Bierschneider vertritt, überlegt nun, einen Aufruf im Gemeindeboten zu veröffentlichen und an die Bürger zu appellieren, keine Küchenabfälle auf den Kompost zu werfen oder Tiere draußen zu füttern.

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