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Bayerns viertes Bergsteigerdorf: Der Deutsche Alpenverein hat Kreuth das begehrte Zertifikat verliehen. Der naturschonende Tourismus hat die Experten überzeugt.

Gemeinde setzt auf Genießer

Große Auszeichnung: Kreuth ist Bayerns viertes Bergsteigerdorf

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Kreuth ist bald eine Gemeinde mit Siegel. Der Alpenverein verleiht dem Ort das Zertifikat „Bergsteigerdorf“. Die Ortsteile am Tegernsee-Ufer gehen allerdings leer aus.

Kreuth - Josef Bierschneider hatte von Anfang an ein gutes Gefühl. Weil die Kriterien des Deutschen Alpenvereins eben so wunderbar auf seine Gemeinde Kreuth zutreffen. Intakte Natur, gelebte Tradition, Verzicht auf Erschließungsmaßnahmen zugunsten der alpinen Landschaft - all das gilt in der Miesbacher Gemeinde am südlichen Ufer des Tegernsees schon lange als selbstverständlich. Also hat der Bürgermeister eine Bewerbung geschrieben und sie an den Deutschen Alpenverein geschickt.

Das war 2014. Vor wenigen Tagen verkündete Hans-Peter Mair, der DAV-Geschäftsbereichleiter Alpine Raumordnung, die gute Nachricht: Kreuth bekommt das Zertifikat Bergsteigerdorf. Damit wird es nach Ramsau, Sachrang und Schleching die vierte Gemeinde in Bayern, die sich mit diesem Titel schmücken darf.

Vom Rummel am Tegernsee abgrenzen

Die Freude im Ort sei groß, berichtet Bierschneider. Selbst bei den Ortsteilen am Tegernsee, die sich nicht Bergsteigerdorf nennen dürfen, obwohl sie zu Kreuth gehören. „Das war eine Bedingung“, erklärt Josef Bierschneider. Denn Bergsteigerdörfer dürfen nicht mehr als 2500 Einwohner haben. Ein Gedanke sei aber auch gewesen, sich bewusst von dem Rummel am Tegernsee abzugrenzen, berichtet der DAV-Experte Mair. „Es geht darum, mit dem Zertifikat eine ganz andere Art von Tourist anzulocken.“ Menschen, die die Ruhe und die Landschaft genießen wollen.

Das Zertifikat werde an Gemeinden verliehen, die das, was sie haben, bestmöglich einsetzen, betont er. „Die einen Gegenpol zum Massentourismus setzen.“ Zum Bergsteigerdorf gehören der Ortskern Kreuth, Riedlern und Enterfels.

Vorbild Österreich

Auch in Österreich, wo seit 2005 bereits 20 Bergsteigerdörfer zertifiziert wurden, gibt es Gemeinden, die das Siegel nur für einige Ortsteile bekommen haben. „Bevor wir ganz auf die Bewerbung hätten verzichten müssen, haben wir uns lieber mit den Ortsteilen beworben, die dörflich strukturiert sind.“

Außerdem ist Bierschneider überzeugt, dass von dem Zertifikat trotzdem alle 17 Kreuther Ortsteile profitieren werden. „Die Aufmerksamkeit wird auf die ganze Gemeinde gelenkt, Besucher werden nicht nur in den Bergsteigerdorf-Ortsteilen bleiben.“ Negative Rückmeldungen habe er bisher nicht bekommen.

DAV-Delegation schaut zweimal vorbei

Das Siegel „Bergsteigerdorf“ gilt nicht unbeschränkt, erklärt Mair. „Alle drei Jahre begutachten wir die ausgezeichneten Gemeinden neu.“ Kals am Großglockner in Osttirol hat das Zertifikat vor drei Jahren aberkannt bekommen, weil mitten im Ort eine Seilbahnstation und große Hotels gebaut worden waren. Für die Entscheidung über Kreuth hatte eine Delegation des DAV den Ort zweimal besucht - einmal inkognito. „Um nicht nur die Schokoladenseiten gezeigt zu bekommen“, erklärt Mair. 

Kreuth stehe hinter nachhaltigem Tourismus, davon waren er und seine Kollegen bald überzeugt. „Der Wert der Landschaft und der Traditionen wird hier geschätzt.“ Offiziell übergeben wird das Zertifikat im Frühjahr. Es wird nicht das letzte sein, dass der Alpenverein verleiht. „Wir haben noch einige Bewerbungen auf dem Tisch“, sagt Mair. Wie viele, will er nicht verraten. Aber eine Prognose wagt er: „Es wird mit Sicherheit nie zehn Bergsteigerdörfer in Bayern geben.“

Katrin Woitsch

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