1. Startseite
  2. Lokales
  3. Tegernsee
  4. Kreuth

Wolfsspuren in Kreuth: Almbauern sind besorgt

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Dirk Walter

Kommentare

null
Ist ein Wolf in Kreuth unterwegs? © dpa

Kreuth - Ist ein Wolf in Kreuth unterwegs? Wie das Landesamt für Umwelt am Montagabend mitteilt, wurde am Freitag nahe Kreuth eine gerissene Hirschkuh gefunden. Die Almbauern sind alarmiert.

Die Fakten sind dürftig. Am vergangenen Freitag entdeckte ein Jäger im Mangfallgebirge zwischen Kreuth und dem Sylvensteinspeicher am Waldrand eine tote Rothirschkuh. Das stattliche Alttier war zerbissen. Mitglieder des „Netzwerks Große Beutegreifer“ dokumentierten den Fund. Die Spurenlage ist nicht eindeutig, aber alles deutet auf ein „hundeartiges Tier“ hin – in der Fachsprache der Tierexperten: ein „großer Canide“. Spuren im Schnee konnten gesichert werden, ebenso Rissspuren. Das Landesamt für Umwelt in Augsburg sicherte Material für eine genetische Analyse. Diese soll in zwei Wochen vorliegen, sagte Behördensprecherin Julia Schmid.

"Für uns ist so eine Meldung jedes Mal ein Alptraum."

Bei den Almbauern hat sich die Nachricht schon rumgesprochen. Anton Maier junior vom Tegernsee: „Für uns ist so eine Meldung jedes Mal ein Alptraum.“ Zwar sind seine Milchkühe und Kälber momentan alle im Stall untergebracht und in Sicherheit. Sorge bereitet es Maier aber, dass sich die Wolfssichtungen in Bayern häufen. Auch Simon Adlbert junior, Vorsitzender der Bezirksalmbauernschaft Tegernsee, macht sich deshalb schon seit einigen Jahren Sorgen.

War's ein Hund? Eher nicht, sagt die Wolfsbeauftragte

Beobachten, Augen aufhalten, tote Wildtiere melden – das rät Almbäuerin Brigitta Regauer aus Bayrischzell seit der neue Wolfsverdacht laut wurde. Sie ist die Wolfsbeauftragte des Almwirtschaftlichen Vereins. Dass die ausgewachsene Rothirschkuh von einem streunenden Hund gerissen wurde, hält sie für „schlecht vorstellbar“. In dem Gebiet liege viel Schnee, da komme ein Hund schlecht voran.

Aus ihrer Meinung, dass ein Wolf im Mangfallgebirge nichts verloren hat, macht Regauer keinen Hehl. Als im vergangenen März ein Wolf nahe Rotwand und Wendelstein herumstreifte, sprach sie sich für die "Entnahme" des Wolfes aus, falls alle anderen Möglichkeit zum Schutz der Herden versagen würden. Allerdings: Der Wolf ist streng geschützt und darf nicht geschossen werden.

Schon 2010 forderten die Almbauern: Der Wolf soll abgeschossen werden

Richtig aufgeheizt war die Stimmung zuletzt 2010, als sich das ganze Jahr über ein Wolf im Mangfallgebirge aufhielt. Er riss Schafe, auch sieben Tiere aus dem Bestand Regauers. Auch damals forderten Almbauern, das Tier abzuschießen. Manche waren sogar der Meinung, das Landesamt für Umwelt habe den Wolf ausgesetzt – was die Behörde entschieden dementierte. Der letzte Nachweis stammt von 5. Januar 2011 – danach blieb der Wolf, dessen Elternrudel aus dem Mont-Blanc-Gebiet stammte, spurlos verschwunden. Das Tier könnte an der Staupe eingegangen oder illegal abgeschossen worden sein, doch das sind Spekulationen.

Von Katrin Woitsch und Dirk Walter

Interessante Infos zum Thema Wolf finden Sie hier.

Auch interessant

Kommentare