Gern genutzt, aber teuer: Der Bergsteigerbus der Gemeinde Kreuth ist ein Pilotprojekt. Ob es fortgeführt wird, steht auch nach der jüngsten Sitzung des Gemeinderats nicht fest.
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Gern genutzt, aber teuer: Der Bergsteigerbus der Gemeinde Kreuth ist ein Pilotprojekt. Ob es fortgeführt wird, steht auch nach der jüngsten Sitzung des Gemeinderats nicht fest.

Allgemeine Kritik am Angebot des RVO

Heftige Diskussion in Kreuth: Zukunft von Bergsteigerbus weiterhin offen

  • Alexandra Korimorth
    vonAlexandra Korimorth
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Die Zukunft des Bergsteigerbusses in Kreuth ist noch immer offen. Bei der neuerlichen Diskussion im Gemeinderat wurden die Strecke, die Finanzierung und der ÖPNV im Allgemeinen heiß diskutiert.

  • Erneut hat der Gemeinderat Kreuth über die Zukunft des Bergsteigerbusses diskutiert
  • RVO-Betriebsleiter Peter Bartl musste sich heftige Kritik anhören
  • Eine finale Entscheidung gibt es noch immer nicht

Kreuth - RVO-Betriebsleiter Peter Bartl, mit dem die Gemeinde das Projekt „Bergsteigerbus“ im Januar 2018 aufs Gleis gesetzt hatte, zog Bilanz. „Der Bergsteigerbus, wie er im Arbeitskreis Bergsteigerdorf erarbeitet wurde, ist ein gutes Angebot. Er stellt nicht nur den Anschluss nach Tirol her, sondern schließt auch eine Lücke im RVO-Fahrplan“, erklärte Bartl. Die Fahrten würden gut angenommen.

Lesen Sie hier: Bergsteigerbus in Kreuth: Verlängerung mit Zähneknirschen

Allerdings habe sich herausgestellt, dass der Anteil auf österreichischem Gebiet sehr hoch sei. Der Gemeinderat möge daher überlegen, ob man den österreichischen ÖPNV weiter unterstützen oder die Verbindung künftig nur noch bis Stuben, dem letzten Halt auf deutscher Seite, aufrechterhalten wolle. Dadurch dass Bartl der Idee des Verkehrsinstituts Kaulen von zwei miteinander in Rottach oder Weissach verzahnten Buslinien (Ringlinie und Kreuther Tal-Linie) wegen der angeblich mangelnden Umsteige-Lust der Fahrgäste eine Absage erteilte und die RVO-Direktverbindung vom Tegernseer Bahnhof bis Stuben priorisierte, löste er eine Grundsatzdiskussion aus.

Bergsteigerbus: Eine gute Idee bei falscher Nutzung

Für Leonhard Rohnbogner (CSU) war die Sache eindeutig: Er wollte den Bergsteigerbus – auch mit Blick auf die Schulkinder – weiterlaufen lassen, allerdings nur bis Stuben. Martin Walch (SPD) erinnerte daran, dass der Bergsteigerbus als Attraktion für Kreuths wandernde Gäste gedacht war, weniger als Teil des ÖPNV. Er forderte von Bartl, der von insgesamt 780 Fahrten sprach, Daten über die Anzahl der Fahrten in Relation zu den Tageszeiten.

Herbe Kritik an den Leistungen des RVO

Michael Unger (FWG) rechnete Bartl vor, dass – trotz der Kostenbeteiligung der Achenkirchner von 4000 Euro in 2020 – der RVO monatlich rund 10.000 Euro von der Gemeinde Kreuth erhalte: „Was wir dafür vom RVO bekommen, ist mir zu wenig Leistung.“ Sein Fraktions-Kollege Markus Wrba setzte nach: „11 Euro pro Passagier und Fahrt sind zu teuer.“ Als Fan von Ortsbussystemen, wie sie in Murnau und Freyung über eine App funktionierten, forderte er ein solches auch für Kreuth. Außerdem eine Ringlinie im 15-Minuten-Takt um den See. Wrba kritisierte deutlich, dass die Talgemeinden dem RVO zusammen bis zu 60.000 Euro im Monat zahlten, ihm Fahrgäste zuführten, dafür aber keine entsprechende Leistung erhalten. „Das kann ich nicht akzeptieren“, sagte Wrba.

Nachdem absehbar war, dass man beim Tal-ÖPNV auf keinen gemeinsamen Nenner kommen würde, forderte Bartl zumindest eine Entscheidung über den Bergsteigerbus. Falls der weiterhin grenzübergreifend fahren solle, müsse das bei der Staatsregierung noch in diesem Jahr angemeldet werden. Martin Walch ließ sich von Bartl vorrechnen, dass ein Ticket für eine RVO-Fahrt vom Tegernseer Bahnhof zu einer Kreuther Haltestelle als Startpunkt einer Bergwanderung rund sechs Euro pro Person kosten würde. „Das ist angemessen, zumal man sich auch die Parkgebühren spart. Aber das Bergsteigerbus-Angebot des RVO ist damit zu teuer.“ Christian Bock (CSU) wollte den Bergsteigerbus kostenpflichtig machen: „Von der kostenlosen Busbeförderung müssen wir uns verabschieden.“

Bergsteigerbus soll nicht mehr über die Landesgrenze fahren

Bürgermeister Josef Bierschneider setzte der Diskussion zusammenfassend ein vorläufiges Ende: Insgesamt solle der Bergsteigerbus nicht mehr über die Grenze fahren. Der Gemeinderat nimmt das Thema und auch die kostenlose Seniorenkarte der Gemeinde neuerlich auf die Tagesordnung, sobald seitens des RVO die geforderten Daten erhoben sind und sobald Informationen zum Ortsbussystem aus Murnau und Werfenweng vorliegen.

ak

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