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Wiesen stehen unter Wasser, Bäume sterben ab. Die Kreuther Bauern sind alarmiert.

Vermehrt sich in der Weissachau

Bauern und Bürgermeister: Der Biber muss gestoppt werden

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Der Biber hat am Eisernen Steg einen Damm gebaut, der viel sensibles Gebiet unter Wasser setzt. Wiesen vernässen, Bäume sterben ab. Es ist Zeit, dem Nager Einhalt zu gebieten, finden Bauern und Bürgermeister.

Kreuth – Seine Burg hat sich der Biber im Bleichgraben gebaut. Drei Jahre dürfte das her sein. Wo der Nager hauste, war viel verbuschte Wiese, „Da haben wir gesagt, das ist kein Problem. Lassen wir ihm seinen Lebensraum“, erzählt Klaus Oettl. Der Landwirt ist Sprecher der Weidegemeinschaft Weißachau. 28 Grundbesitzer zählen dazu, nur noch ein Dutzend sind aktive Bauern. Wer im sensiblen Schutzgebiet extensiv wirtschaftet, braucht viel Idealismus. „Wenn ich Kosten, Aufwand und Ertrag gegenüberstelle, komme ich nicht weit“, sagt Oettl. Aber die Schönheit der Weißachau entschädigt für vieles. Die Artenvielfalt zu erhalten, liegt den Bauern am Herzen. Und auch der Biber soll seinen Platz haben.

Hier baut der Biber: Klaus Oettl zeigt den Damm am Eisernen Steg.

„Das ist ja ein faszinierendes Tier“, findet Oettl. Und ein fleißiges. Der Biber blieb nicht im Bleichgraben, sondern eroberte sich immer mehr Lebensraum. Inzwischen hat er nahe dem Eisernen Steg einen Damm errichtet, der ein weitläufiges Gebiet unter Wasser setzt. Blicken lässt sich der Nachtaktive kaum. Darum weiß auch niemand so genau, wie viele Exemplare hier eigentlich leben. „Zwei sind es mindestens. Vielleicht auch drei“, meint Oettl. Der Biber breite sich massiv aus, zum Schaden der Weißachau und der Bauern, die dort wirtschaften. Für Oettl ist klar: Die Population darf nicht weiter wachsen. „Der Schutzstatus für den Biber ist zu hoch.“ Aktuell darf er nicht bejagt werden.

Vor zwei Jahren schon gab es eine Ortsbesichtigung mit Vertretern des Landratsamtes und dem Biber-Beauftragten Max Wolf. Die Naturschützer erklärten den Bauern, der Biber baue einen Damm von höchstens 60 Zentimetern, dann höre er auf. Kein Problem für die Natur rundum.

Heute steht zwischen dem Eisernen Steg und der Hirschberglerhütte ganzjährig ein Gebiet unter Wasser, das früher einmal Weideland war. Ein Zaun zeugt noch davon. Die Fichten, die dort wurzeln, sind abgestorben. Im Winter schlüpften Bauern in Fischerhosen, um dort ein paar Bäume zu schlagen. „Jetzt trau ich mich da auch in der Fischerhose nicht mehr rein“, sagt Oettl. Das Wasser ist tief, der Untergrund nicht sichtbar. Die abgestorbenen Fichten sind ein Problem. „Die sind nicht mehr standsicher. Wenn ein Sturm kommt, fallen sie auf den Weißachdamm“, meint Oettl. Dort verläuft ein viel genutzter Spazierweg.

Den Weg hat der Kreuther Bauhofleiter Josef Sollacher im Auge. Immer wenn der Biberdamm zu sehr in die Höhe wuchs und den Weg flutete, kappte der Bauhof das Biber-Bauwerk. Bis der Biberbeauftragte Wolf ihm erklärte, nicht nur der Biber selbst, sondern auch sein Damm stehe unter Schutz. „Er hat gesagt, wir sollen den Weg höher machen“, berichtet Sollacher. Auch Rohre habe die Gemeinde auf Empfehlung von Wolf verlegt. Genutzt habe es nichts. Aber Sollacher hält sich ans Gebot der Naturschützer. Den Biberdamm rührt der Bauhof seit drei Monaten nicht mehr an.

Der Biberbeauftragte Wolf fährt fast jede Woche von Otterfing nach Kreuth, um nach seinen Schützlingen zu schauen. Er hat schon viele Gespräche mit den betroffenen Grundstücksbesitzern geführt und um Verständnis geworben. Am Eisernen Steg habe der Biber einen durchaus guten Platz, findet Wolf. „Und je mehr er dort gestört wird, desto eher wandert er weiter.“

Dass der Biber die Wallbergstraße quert und sich in Richtung Süden ausbreitet, sieht Bürgermeister Josef Bierschneider als größte Gefahr. Offenbar gebe es schon erste Schäden an der Straße. Am 16. August hat er einen Ortstermin mit einem Vertreter des Landratsamts vereinbart. Es wird nicht darum gehen, wie man den Biber aus Kreuth vertreiben kann. „Aber wir müssen es hinkriegen, dass er sich nicht weiter ausbreitet“, meint Bierschneider. Und weiteren Schaden anrichtet. Der Biber verändere eine kostbare, geschützte Landschaft, macht Bierschneider deutlich: „Es kann nicht sein, dass er die ganze Weißachau umbaut.“

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