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Voller Schaben: Asylbewerberunterkunft in Kreuth.

Vier Frauen und sieben Kinder lebten dort

Flüchtlingsunterkunft mit Kakerlaken verseucht: Behörde ergreift radikale Maßnahme

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Sie fielen von der Decke und saßen in den Windeln: Eine Kreuther Asylbewerber-Unterkunft ist so schlimm mit Schaben verseucht, dass nur noch eine letzte radikale Maßnahme hilft.

Kreuth - Das Bild, das sich da den Mitarbeitern des Gesundheitsamt geboten hat, muss schlimm gewesen sein. Das ganze Haus in Kreuth, in dem bis zum Donnerstag vier Frauen und sieben Kinder lebten, ist schlimm mit Schaben verseucht. So schlimm, dass sie schon von der Decke fallen und sich in den Windeln der Kinder wiederfanden, wie die Pressestelle des Landratsamts auf Nachfrage bestätigt. Nun greifen die Behörden zu einer radikalen Maßnahme: 

Die Unterkunft für Asylbewerber wurde bereits evakuiert. Das Haus steht jetzt unter Quarantäne. Als nächstes wird das Kreuther Anwesen - es handelt sich um das ehemalige Kinderheim in Kreuth-Riedlern - in ein Zelt eingepackt und mit Gas vollgepumpt. Die Ex-Bewohner wohnen in der Zwischenzeit in anderen Kreuther Wohnungen - wo man versuchen will, sie gründlich aufzuklären.

Die deutsche Schabe vermehrt sich als Schädling gerne in warmen und feuchten Räumen mit leichtem Zugang zu Nahrung. Sie verbreiten durch ihren Kot einen unangenehmen Geruch und übertragen damit Krankheiten wie Tuberkulose, Salmonellen oder Fadenwürmer. Eingeschleppt wurden die Tierchen wohl über alte kontaminierte Möbel. Durch die falsche Lagerung von Lebensmitteln konnten sie sich laut Landratsamt so massiv vermehren.

Die Pressemitteilung des Landratsamts im Original:

„Wegen eines massiven Schädlingsbefalls lässt das Landratsamt Miesbach eine Unterkunft für Geflüchtete begasen. Die Arbeiten am Riedlerberg in Kreuth werden von einem Fachbetrieb im Zeltbegasungsverfahren durchgeführt. Dazu wird das gesamte Gebäude hermetisch eingehüllt. Die Bewohner mussten die Unterkunft verlassen und wurden in anderen Wohnungen untergebracht.

Am Morgen hielten sich in der Unterkunft vier Frauen mit sieben Kindern auf. Sie wurden von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Landratsamtes in die neue Unterkunft begleitet. Um eine Übertragung der Schädlinge zu vermeiden, war es dabei wichtig, dass keine Lebensmittel, keine Möbel, keine Einrichtungsgegenstände oder keine Kleidung in die neue Unterkunft verbracht wurden. Alle Gegenstände müssen im Haus mit begast werden. Nach Untersuchungen der Experten handelt es sich bei dem Befall um Blattella Germanica, auch „Deutsche Schabe“ genannt - ein Vorratsschädling.

Zu dem Termin am Morgen waren auch zwei Mitarbeiterinnen des Gesundheitsamtes anwesend. Sie hatten neue Kleidung für die Frauen und Kinder dabei,sowie Windeln und Spielzeug. Für die medizinischen Mitarbeiterinnen war vor allem die Gesundheit der Bewohner wichtig, ebenso aber auch eine Nicht-Weiterverbreitung der Schädlinge. „Das Wichtigste sind die Schuhe“, erklärte Amtsärztin Dr. Renate Glaser, „hier besteht hohes Übertragungspotential durch Schuhsohlenübertrag“. Daher trugen die Helfer Überschuhe, die nach der Benutzung weggeworfen wurden.

Das weitere Vorgehen ist so geplant: Die Anwohner werden schriftlich über das Vorhaben informiert, das Gelände wird von einem Bauzaun abgeschirmt, dann wird ein Zelt über dem Haus errichtet. Das Türschloss des Hauses wurde bereits ausgetauscht, damit niemand unberechtigt eindringen kann. Ein Sicherheitsdienst wird das Gelände bewachen. Der Aufbau des Zaunes und des Zeltes wird etwa zwei Tage dauern.

Vom 6. November bis zum 10. November 2017 erfolgt dann die Begasung mit Schwefelsauerstoff und Fluor. Eine Bekämpfung mit Fallen ist vorher versucht worden, hatte aber nicht den gewünschten umfassenden Erfolg erbracht. Daher wird nun das Gas eingesetzt. Das verflüssigte Gas aus Stahlflaschen wird durch Ventilatoren im Gebäude verteilt. Es haftet nicht an, sondern hat ein hohes Eindringvermögen.

Nach dem erfolgreichen Einsatz werden die Gase von der Fachfirma komplett abgesaugt – in die Umwelt gelangt nichts von den Stoffen. Nach einem Lüften kann die Unterkunft ab dem 11. November 2017 wieder bezogen werden.

Die Medizinerinnen des Gesundheitsamtes wollen in den neuen Unterkünften Schulungen für die Bewohnerinnen und Bewohner anbieten. Dabei geht es um die sachgerechte Unterbringung von Lebensmitteln und um allgemeine Hygienevorschriften. Die Helferkreise vor Ort sollen in diese Schulungen eingebunden werden.“

Auch interessant: Alltag in der Flüchtlingsunterkunft

gab/kmm/Video: Glomex

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