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Die Villa der Kunsthändlerin in Kreuth. 

Kunsthändlerin soll erstickt worden sein

Kreuther Mord-Prozess: Angeklagte nannte sich Alleinerbin

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Sie sollen die Kreuther Kunsthändlerin Betty B. erstickt und anschließend ihre Villa leergeräumt haben. Vor Gericht werden nun Zeugen gehört. Einer berichtete nun von einer ominösen E-Mail. 

Kreuth/München – Weil die Angeklagten im Prozess um den vermeintlichen Mord an der Kreuther Kunsthändlerin Betty B. nichts sagen, sollen nun die Zeugen Licht in die verworrene Situation rund um den Tod der 95-Jährigen bringen. Die Millionärin soll im März 2016 aus Habgier von ihrer Gesellschafterin (53) im Krankenhaus Agatharied erstickt worden sein. Seit Freitag vergangener Woche wird vor dem Landgericht München II gegen die 53-Jährige und ihre drei Komplizen verhandelt.

Über mehrere Tage im März 2016 hatte die Angeklagte mit Hilfe ihres Mannes (57), ihrer Kinder und des Hausmeisters (58) die Villa der alten Dame leergeräumt. Ein Antiquitätenhändler (68) sollte die Wertgegenstände schätzen und eventuell weiterveräußern. Der Schlüssel für das Haus war ihr durch das zuständige Sekretariat im Krankenhaus ausgehändigt worden – angeblich im Beisein von Betty B. So jedenfalls berichtete es eine Mitarbeiterin. Sie hatte sich nichts dabei gedacht, der Angeklagten den Schlüssel zu geben, während die Patientin den Vorgang mitverfolgte. Angeblich benötigte Betty B. noch weitere persönliche Sachen, außerdem sollte ihre Gesellschafterin nach dem Rechten sehen. „Das kommt oft vor“, berichtete die Mitarbeiterin.

Wieviel Betty B. tatsächlich von der Aktion mitbekam, ist unklar. Laut einer Gerichts-Psychologin litt sie unter einem paranoiden Syndrom mit beginnender Demenz und hatte keine Krankheits-Einsicht. Über ihr betreutes Wohnen war ihr bereits eine amtlich bestellte Betreuerin zugewiesen worden. Die konnte das Ausräumen der Villa nicht verhindern, sehr wohl aber den Einschluss von 1000 Euro in den Krankenhaus-Tresor. Das Geld hatte Betty B. in die Klinik mitgebracht, die Angeklagte wollte daran teilhaben – angeblich, um ihre täglichen Kosten für die persönliche Verpflegung zu begleichen.

Über einen Psychiater wurde der angebliche Tatbeitrag des Hausmeisters publik gemacht. Er hatte eingeräumt, seinen Transporter zweimal mit wertvollen Gegenständen vollgeräumt und selbige zur Garage eines anderen Hauses gebracht zu haben. Den Auftrag hatte er von der Angeklagten erhalten – angeblich gab es die E-Mail eines Rechtsanwaltes, wonach die 53-Jährige alles erben sollte. Geld bekam er für seine Fahrten nicht. Allerdings hatte ihm die Angeklagte 10 000 Euro für seine Dienste versprochen. Tatsächlich waren sie maximal 500 bis 1000 Euro wert gewesen. Der Prozess wird fortgesetzt. 

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