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Mit dem Mountainbike hinauf zur Neureuth: Bergradeln liegt im Trend. Mit etwas Rücksichtnahme können dabei Konflikte zwischen den „Naturnutzern“ gut vermieden werden, findet Andrea Wiedenbauer.

„Wenn’s nötig ist, steigen wir auch ab.“

Mountainbike-Expertin: So funktioniert das Miteinander

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Seit 2014 betreibt Andrea Wiedenbauer (49) eine Mountainbike-Schule am Tegernsee. Konflikte mit Wanderern kennt sie nicht. Sie sagt: Mit etwas Rücksicht funktioniert das Miteinander in den Bergen.

Kreuth – Wanderer, Mountainbiker, Almbauern, Jäger: Die Interessen an der Bergwelt sind vielfältig – und manchmal bergen sie Konfliktstoff. Weil die Probleme mit den Grundstücksbesitzern zu groß wurden, ist bekanntlich sogar das Mountainbike-Festival von flowmotion vom Tegernsee an den Achensee abgewandert. Dort gibt es bereits ein gut ausgebautes Streckennetz für die Radsportler. Doch auch die Region biete beste Voraussetzungen, findet Andrea Wiedenbauer. Sie ist von Berufs wegen den Sommer über mit dem Mountainbike rund um den Tegernsee unterwegs.

Die 49-Jährige aus Moosham (Kreis Bad Tölz-Wolfratshausen) ist seit 2014 mit ihrer Langlauf- und Mountainbike-Schule „Powderworld“ in Kreuth an den Hirschbergliften ansässig. Jetzt, im April, startet sie wieder mit ihren Mountainbike-Kursen. Sowohl auf Forststraßen als auch auf schmalen Trails. Ihr ist es wichtig, Konflikte mit anderen „Naturnutzern“ – wie sie es nennt – von vornherein zu vermeiden.

Andrea Wiedenbauer propagiert rücksichtsvolles und naturverträgliches Biken.

Maximal acht Teilnehmer. Mehr nimmt Wiedenbauer, ein ausgebildeter Bike-Guide, grundsätzlich nicht mit auf Tour. „So läuft es harmonischer ab“, sagt sie und hat dabei auch jene im Blick, denen sie als Gruppe in den Bergen begegnen. „Freilich sagt einer mal ,da habt’s aber mit dem Radl nix verloren‘.“ Größere Dispute mit anderen Wanderern, Radlern oder gar Almbauern habe sie persönlich aber noch nicht erlebt, betont Wiedenbauer.

Um solche Konflikte zu vermeiden, würden ihre Kunden gleich zu Beginn der Kurse entsprechend gebrieft. Für die 49-Jährige gibt es ganz klare Regeln. „Wenn uns jemand entgegenkommt, nehmen wir das Gas raus und signalisieren sofort ,ich hab dich gesehen‘“. Dazu ein freundlicher Gruß – das entziehe möglichen Wortgefechten schnell die Grundlage, meint die Bike-Führerin. „Wenn’s nötig ist, steigen wir auch ab und schieben ein paar Meter.“

Auf den schmalen Bergpfaden – sprich den Trails – sieht Wiedenbauer ohnehin nicht die größten Probleme. Mehr Konfliktpotenzial gebe es auf den viel frequentierten Forststraßen, wie etwa zur Schwarzentenn hinauf, oder auf Übungsstrecken in der Ebene, zum Beispiel entlang der Weissach. „Da ist extreme Vorsicht geboten.“

Lesen Sie auch: Wie unsere Touristiker die Mountainbiker erziehen wollen

Grundsätzlich gelte es, so die Mooshamerin, gesperrte und hoch frequentierte Wege zu meiden. „Danach sollten wir uns alle richten.“ Auch das Vermitteln der richtigen Fahrtechnik ist für die Inhaberin einer Mountainbikeschule von zentraler Bedeutung. Stichwort: Zerstörung von Wegen. „Wir schauen, dass wir keine Bremsspuren hinterlassen und üben das auch nicht gleich am Berg“, sagt die Bike-Lehrerin, die ihre Langlaufschule übrigens bereits seit 20 Jahren betreibt.

Wiedenbauer sieht sich durchaus in der Rolle einer „Erzieherin“. Sie hofft, dass ihre Teilnehmer später als Multiplikatoren die richtige Einstellung an andere Mountainbiker weitergeben. Radler aus der Natur „wegzusperren“ ist für sie jedenfalls keine Alternative. Wiedenbauer ist überzeugt davon, dass das Tegernseer Tal als Radregion „alles hergibt, was man an Genuss haben möchte“. „Und wir haben hier alle genügend Platz – vorausgesetzt wir lassen uns gegenseitig gewähren.“ Die 49-Jährige hält es da ganz mit dem Motto: leben und leben lassen.

gab

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