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Hinein in die Kurve: Mit Hilfe eines gesunden Skifahrers, der das Gefährt lenkt, kann Christine Göttfried im „Tempo Duo“ über die Piste carven.

Die Kreutherin Christine Göttfried macht‘s vor

Skifahren mit Handicap: Vom Rollstuhl auf die Piste

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Für Christine Göttfried (44) bedeutet Skifahren ein Stück Freiheit. Zeit ihres Lebens ist die Kreutherin auf den Rollstuhl angewiesen – wenn sie den Hirschberg hinunter saust, kennt ihre Freude kaum Grenzen.

Kreuth – Wenn Christine Göttfried über ihre neue Leidenschaft spricht, kommt sie aus dem Strahlen nicht mehr heraus. „Für ein paar Minuten vergisst du alles“, sagt sie. Sogar die Tatsache, dass sich die 44-Jährige normalerweise nur mit Hilfe ihres Rollstuhls fortbewegen kann, ist in diesem Moment ganz weit weg. Regelmäßig – wenn möglich einmal die Woche – steigt Christine Göttfried nämlich auf ein weitaus rasanteres Gefährt um: Dann sitzt sie, dick eingemummelt, in einer Art Ski-Bob und carvt über die Pisten des Hirschbergs oder der Sutten. „Man ist wie schwerelos.“ Anders lässt es sich für die Kreutherin nicht beschreiben.

Bräustüberl-Wirt spendierte Spezialgefährt

Das Spezialgefährt der französischen Firma Tessier mit dem viel versprechenden Namen „Tempo Duo“ gehört der Skischule Tegernsee. Bräustüberl-Wirt Peter Hubert hatte es im Winter 2015 spendiert. Seither nimmt die spastisch gelähmte Christine Göttfried regelmäßig darin Platz. „Sie ist unsere Testpilotin“, erklärt Skischul-Mitinhaber Albert Meier und lacht.

Video: Hier fährt Gabi Göttfried auf ihrem „Tempo Duo“

Wenn es darum geht, der Kreutherin zum Skivergnügen zu verhelfen, spielt Meier eine zentrale Rolle. Als gesunder Skifahrer steht er hinter dem Ski-Bob und lenkt ihn sicher, aber durchaus schnittig, über die Piste. Meier macht diesen speziellen Skilehrer-Job sehr gern: „Was du da an Begeisterung zurückbekommst, ist sensationell“, sagt er.

Spezialausbildung für den Begleiter

In seiner Schule bietet Meier sogar eine interne Ausbildung an, bei der seine Lehrer, aber auch Eltern behinderter Kinder das Steuern des Gefährts erlernen können. Zwei solcher Ski-Bobs, einen kleineren und einen größeren, hat die an den Hirschbergliften ansässige Skischule derzeit im Verleih. „Der für die Kinder wird häufig gebucht“, berichtet Meier, der froh ist, dass in Sachen Behindertensport alle Beteiligten mitziehen: Denn auch der Liftbetreiber ist gefordert – wenn der Ski-Bob nach oben will, muss er die Anlage langsamer stellen und das Gerät am Schlepper einhängen oder, wie an der Sutten, im Sessellift fixieren.

Premiere: Göttfried-Inklusions-Cup am Hirschberg

Strahlendes Gesicht: Wenn Christine Göttfried die Skiausrüstung anlegen kann, ist sie glücklich.

Christine Göttfried, die sich auch als Behindertenbeauftragte der Gemeinde Kreuth engagiert, drückt es noch ein wenig anders aus. Sie spricht von einer „großen Skifamilie“, die sie bei ihrem Hobby unterstützt. Und die ihr nun auch bei einem großen Vorhaben zur Seite steht: dem ersten Göttfried-Inklusions-Cup. Am Samstag, 18. Februar, richtet der Ski-Club Kreuth auf Initiative der 44-Jährigen einen Riesentorlauf für Skifahrer mit und ohne Behinderung aus. „So etwas gibt es nur sehr selten“, erklärt die Ideengeberin. Skifahrer mit Handicap müssten normalerweise weite Fahrten auf sich nehmen, um an einem solchen Wettbewerb teilnehmen zu können.

Gedacht ist der Skicup am Hirschberg für Läufer mit den unterschiedlichsten Einschränkungen, auch für Blinde und Sehbehinderte. An den Start gehen sie in verschiedenen Klassen und Altersstufen. „Skifahren verbindet“, ist Göttfried überzeugt. Und so soll auch der Wettbewerb möglichst viele Menschen mit und ohne Behinderung zusammenbringen. Näheres zu dem Rennen gibt es unterwww.sc-kreuth.de.

Ski-Club hat Idee sofort aufgegriffen

Für den Ski-Club ist die Ausrichtung eines solchen Wettbewerbs zwar Neuland – stellt den Verein aber dennoch vor keine allzu großen Herausforderungen. „Wir haben ja schon so viele Großveranstaltungen organisiert“, meint Stephanie Sennhofer, die den Wettbewerb gemeinsam mit dem Ski-Club-Team auf die Beine stellt. Dass der Verein die Idee Göttfrieds aufgreifen und umsetzen würde, sei keine Frage gewesen, meint Sennhofer: „Wir haben gleich gesagt, das machen wir.“ Jetzt müsse man eben abwarten, wie viele Sportler sich zu der Veranstaltung anmelden.

Die Reaktionen auf der Facebook-Seite von Christine Göttfried jedenfalls klingen schon mal begeistert: „Eine großartige Idee von einer großartigen Frau“, schreibt da ein Kommentator.

gab

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