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Auf der Suche nach einer Unterkunft sind Maria (l.) und Josef.
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Das erste Stück Heimat: Mit dem Gasthof (l.) und der Kirche Glashütte (M.) sowie dem Hof „Beim Sitterauer“ begannen die Nachbildungen von Gebäuden aus Kreuth.
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Liebevolle Details: Die Stoßzähne des Elefanten sind aus den Knochen eines Rehs geformt.
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Das erste Stück Heimat: Mit dem Gasthof (l.) und der Kirche Glashütte (M.) sowie dem Hof „Beim Sitterauer“ begannen die Nachbildungen von Gebäuden aus Kreuth.
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Perfekte Kopie: Der Laubharthof an der Wiesseer Straße in Weissach.
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Wo bleibt Ihr? König Herodes wartet auf die Heiligen Drei Könige.
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Auf dem Basar bieten Kaufleute Gewürze, Geschirr, Teppiche und Schmuck feil. 
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Auf dem Basar bieten Kaufleute Gewürze, Geschirr, Teppiche und Schmuck feil. 

Ehepaar baut über 30 Modelle

Diesen Krippen-Wahnsinn in Weissach müssen Sie gesehen haben

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In der Adventszeit brauchen Klaus und Christa Eigendorf aus Weissach Platz. Platz für die Familie – die heilige Familie. Die kommt in einer Krippen-Landschaft unter, die Ihresgleichen sucht.

Weissach – In rot-weiß-goldenem Gewand und mit einem Turban mit Rubin auf dem Kopf steht König Herodes vor dem gedeckten Tisch in seinem Palast. Unten auf dem Basar bieten Kaufleute Gewürze, Geschirr, Teppiche und Schmuck feil. Währenddessen sind die Jungfrau Maria im blauen Gewand mit weißem Kopftuch und ihr Josef, Filzmantel und Filzhut, auf der Suche nach einer Unterkunft. Der Wirt, der die beiden später abweisen wird, steht gestikulierend in der Tür seiner Herberge.

Die befindet sich aber ausnahmsweise nicht in Bethlehem, sondern im Kreuther Ortsteil Weissach. In der selbst gebauten Krippe von Klaus (76) und Christa Eigendorf (75). So detailreich, dass einem der Atem stockt: in der oberen Reihe Modelle bestehender und bereits abgerissener Häuser aus dem Kreuther Gemeindebereich – eine Hommage an einen der wohl schönsten Wohnorte überhaupt. Unten eine orientalische Krippe, die die gesamte Weihnachtsgeschichte zeigt.

Die Eigendorfs haben ihre Ofen zugunsten der Krippen geopfert

Sobald die erste Kerze brennt, herrscht in der Wohnung der Eigendorfs in Weissach absoluter Ausnahmezustand: „Wir sind etwa eine Woche lang mit dem Aufbau beschäftigt“, sagt Klaus Eigendorf. Der Sichtschutz vor der Vitrine im Eingangsbereich kommt weg, das gleiche gilt für einen Teil der Sofa-Garnitur im Wohnzimmer. Jeweils zugunsten von Krippen. Sogar den Ofen, der einst an derselben Wand wohlige Wärme spendete, hat Klaus Eigendorf schon vor Jahren abgebaut. „Der war eh kaum an und ging nur im Weg um“, sagt er. „Den haben wir geopfert.“ Die Eigendorfs brauchen Platz in der „staaden Zeit“.

Klaus ist der Architekt, Christa quasi die Personalleitung

Überhaupt sind der gebürtige Berliner und die Niederbayerin, die seit 1961 in Kreuth leben, echte Advent-Fans. „Viele sagen, es sei deprimierend, wenn es so früh dunkel wird“, sagt Klaus Eigendorf, der dieses Gefühl nicht kennt. „Wir sind beschäftigt. Beim Bauen taucht man ab, wir sitzen oft bis Mitternacht.“ Immer zwischen November und Februar, jeder in seinem eigenen Arbeitszimmer. Denn die Aufgaben sind klar verteilt. Klaus ist der Architekt, Christa quasi die Personalleitung. Sie modelliert die Figuren. Wie gelungen das Tageswerk des anderen war, wird abends in einer Feedbackrunde besprochen. „Bei einem Glas Wein wird kritisiert“, erzählt Klaus Eigendorf. Und im schlimmsten Fall noch einmal von vorne begonnen.

Nach einem Besuch der Krippenausstellung in Innsbruck „ist es ausgeartet“

Rund 30 Kunstwerke sind so in den vergangenen drei Jahrzehnten entstanden. Wurzelkrippen, Winterkrippen, orientalische und Kastenkrippen. Die Faszination: etwas Schönes erschaffen und gleichzeitig gefordert sein. „Zwanglos, das ist das Schöne“, sagt Christa Eigendorf. Schon als Sohn und Tochter noch klein waren, bastelte sie mit ihren Kindern kleine Figuren und Puppen. Ihre Passion für Krippen haben die beiden Rentner aber erst 1985 bei Besuchen der Krippenausstellung in Innsbruck entdeckt. „Dann ist es ausgeartet“, sagt Klaus Eigendorf und lacht.

„Das Holz stammt zum Beispiel von den Schindeldächern abgerissener Almhütten“

So sehr, dass ein Großteil des Speichers inzwischen mit bereits fertigen Krippen beziehungsweise mit Material für bevorstehende Projekte drauf geht. Das wird nicht etwa bestellt oder im Baumarkt gekauft, sondern gesammelt. Im Stile von Wintersportlern, legen die Eigendorfs die Grundlage für ihr Hobby im Sommer. Beim Wandern. „Das Holz stammt zum Beispiel von den Schindeldächern abgerissener Almhütten“, erzählt Klaus Eigendorf. Da gebe es dann auch mal Krieg. „Meine Frau sagt, das nehmen wir mit, ich sage nein, weil ich nicht mehr weiß, wohin damit.“ Wie der Speicher und auch die fertigen Krippen, die dort und in diversen Schränken im Haus verstaut sind, zeigen, setzt sich wie so oft am Ende doch die Frau durch.

Die Eigendorfs bauen auch die Kulissen für die Hirschbergler Theatergruppe

Die Werke des ehemaligen Berufsmalers und der begeisterten Näherin lassen sich auch außerhalb der Wohnung begutachten. Bei der Krippenausstellung im Leonhardstoana Hof – hier haben die Eigendorfs heuer ihre imposante Nachbildung von Wildbad Kreuth gezeigt – und bei den jährlichen Theateraufführungen des Trachtenvereins d’Hirschbergler. Für die baut das Rentner-Ehepaar die Kulissen.

Nicht bei den Krippen, sondern auch in der Wohnung legt Klaus am liebsten selbst Hand an

Der Krippen-Neubau hat sich heuer ein wenig nach hinten verschoben – los geht’s erst im neuen Jahr. „Wir haben eine neue Heizung bekommen“, sagt Klaus Eigendorf. Die Leitungen und Anschlüsse hat er selbstverständlich selbst verlegt. Ein Tüftler eben. In der Wohnung findet man nichts, was nicht selbst gemacht ist, versichert er. „Außer vielleicht den Kühlschrank“, sagt Christa und lacht.

„Das sind meine Kinder. Die geb’ ich nicht her“

Zu kaufen gibt’s die Eigendorf-Krippen bislang übrigens nicht. „Es treten immer wieder Leute an uns heran, aber ich habe noch nichts verkauft“, sagt Klaus Eigendorf und lacht. Lukrative Angebote habe es durchaus gegeben, die Trennung von den schönen Stücken fiel dann aber doch zu schwer. Zur Erleichterung von Christa: „Das sind meine Kinder. Die geb’ ich nicht her.“

hb

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