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Beim Kolleg diskutierten (v.l.) Wilhelm Vossenkuhl, Ralf Wintergerst und Korbinian Kohler. 

Korbinian-Kolleg im Hotel Bachmair Weissach

Kritischer Blick auf die digitale Welt

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Alexa war sprachlos, die Zuhörer fasziniert: Ralf Wintergerst, CEO von Giesecke & Devrient, warf beim Korbinian-Kolleg im Hotel Bachmair Weissach einen kritischen Blick auf die digitale Welt. 

Kreuth – Eigentlich hätte Alexa assistieren sollen. Doch statt freundlich ein paar Fragen zu beantworten, stand der Amazon-Verkaufsrenner stumm neben Ralf Wintergerst, Chef von Giesecke & Devrient. Denn der hatte sein Smartphone zuhause vergessen, weshalb Alexa der Zugang zum Netz versagt blieb. Die Episode zeigt immerhin: Ohne den Menschen ist die Maschine nichts. Jedenfalls derzeit.

„Alexa ist nur die erste Phase“, machte Wintergerst klar. Sein Thema war: Digitalisierung und Sicherheit. Für Letzteres steht das Unternehmen Giesecke & Devrient (G&D). Wintergerst gehört diversen Gremien an, die sich auf höchster Ebene mit Gefahren aus dem Netz befassen. In seinem Vortrag ging es um den Kern der Dinge: Wie verändert die digitale Innovation die Gesellschaft?

Der philosophische Ansatz ist Programm. Wintergersts Rede war Teil des Korbinian-Kollegs in Korbinian Kohlers Hotel Bachmair Weissach. Die Fangemeinde des Kollegs ist seit der ersten Veranstaltung im Oktober 2017 stetig gewachsen. 250 Zuhörer waren diesmal gekommen. Der Eintritt: frei. Es ist Kohlers Mission, Fragen der Zeit auf höchstem Niveau zu beleuchten und dies einem breiten Publikum zugänglich zu machen. Eine Idee, die aus seinem eigenen Philosophie-Studium resultiert. Bei der Umsetzung hilft der Münchner Philosoph Wilhelm Vossenkuhl. Er leitet das Kolleg, lädt die Gastredner ein. Kohler stellt die Räumlichkeiten. Die Besucherzahl ist nicht begrenzt. Bei Bedarf öffne er die Arena, lässt er wissen.

Kohler hat selbst bei Vossenkuhl studiert, wie auch Wintergerst. Überhaupt verbindet ihn mit Wintergerst und G&D viel. „So viel persönlichen Bezug wie diesmal gab’s noch nie“, erklärte Kohler bei der Begrüßung. Und nahm’s zum Anlass für ein spätes Geständnis. „Heute kann ich es zugeben: Ich habe schwarzgefischt“, sagte Kohler. Als Spross der Büttenpapierfabrik-Familie Kohler habe er als Bub im benachbarten Gewässer von G&D geangelt. G&D-Eigentümerin Verena von Mitschke-Collande lächelte amüsiert. Sie war zum Vortrag gekommen, wie auch andere Vertreter des Familien-Unternehmens.

Dass Alexa sprachlos blieb, minderte den Gehalt von Wintergersts Vortrag übrigens nicht. Seine Botschaft: Jeder möge kritisch in die digitale Welt blicken. Auf seine Daten achten, nicht alles leichtfertig preisgeben. „Die Digitalisierung verändert das Gesicht der Gesellschaft“, erklärt Wintergerst. Die Arbeit, das Einkaufen, die Freizeit, das Verhältnis zur Maschine.

Wintergerst zeigte ein Video, das die neueste Roboter-Generation zeigt. Da läuft ein zweibeiniger Metallkörper durch den verschneiten Wald. Er kämpft auf dem holprigen Boden um seine Balance, aber er behält sie. „Die früheren Modelle sind umgefallen“, weiß Wintergerst. Was wird die übernächste Generation tun? Kranke pflegen? Auf Menschen schießen?

Manche Visionen sind schon ganz nah. Geschäfte, in die der Kunde hineingeht, die Ware mitnimmt, herausspaziert. Bezahlt hat er dann schon. Alles ist überwacht, registriert, gespeichert. Hemmen lässt sich die – weltweit explodierende – Entwicklung kaum. Die chinesische Plattform WeChat, erst 2011 gegründet, hat es auf eine Reichweite von 960 Millionen täglichen Nutzern gebracht. „Die nächste große Welle wird aus China kommen“, ist Wintergerst überzeugt. Den großen Plattformen gehe es um eines: das Sammeln von Daten.

Um einen Gegenpol zu setzen, engagiert sich G&D mit anderen deutschen Großunternehmen bei der Entwicklung der Plattform verimi. Der Name ist angelehnt an die Begriffe „verify“ (prüfen) und „me“ (mich). Verimi soll sich als Generalschlüssel für Online-Angebote und Behörden etablieren, das Netz sicherer machen. Ab dem Frühjahr dürfte verime verfügbar sein. Wintergerst ist von dem Projekt überzeugt: „Wir können schon etwas tun – wir müssen es nur anfassen.“  jm

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