1. Startseite
  2. Lokales
  3. Tegernsee
  4. Kreuth

Pop-up Lodge im „Königshaus“ - Schutzgemeinschaft sorgt sich um Wildbad Kreuth - Denkmalschutz fürs gesamte Ensemble gefordert

Erstellt:

Von: Christina Jachert-Maier

Kommentare

Als Eventlocation und Pop-up Lodge werden die historischen Gebäude in Wildbad Kreuth bis zum Start der Sanierung vermarktet.
Als Eventlocation und Pop-up Lodge werden die historischen Gebäude in Wildbad Kreuth bis zum Start der Sanierung vermarktet. © tp

Das frühere „Königshaus“ eine Pop-up Lodge: Bei der Schutzgemeinschaft Tegernseer Tal schrillen die Alarmglocken. Sie will mehr Schutz für Wildbad Kreuth.

Kreuth – Dass Hotelier Korbinian Kohler mit Wildbad Kreuth und dem dort geplanten „Mental Retreat“ in seinem Segment die Nummer eins auf dem Planeten werden will, ist Angela Brogsitter-Finck, Vorsitzende der Schutzgemeinschaft Tegernseer Tal, nicht ganz geheuer. Sie sorgt sich um einen „Ort voller Magie“, die klösterlich königliche Kulturlandschaft, ein „einzigartiges Juwel im Tegernseer Tal“, wie sie in einem Brief an Thomas Goppel als Vorsitzenden des Landesdenkmalrats schreibt. Das Gremium hat über die Empfehlung von Kreisbaumeister Christian Boiger zu entscheiden, das gesamte Ensemble von Wildbad Kreuth unter Denkmalschutz zu stellen. Damit stünden – über den bereits bestehenden Schutz der Gebäude hinaus – auch die Außenanlagen im besonderen Fokus der Experten. Wie berichtet, hat der Kreuther Gemeinderat den Vorschlag Boigers im September einstimmig unterstützt.

Pop-up Lodge und Bussi Baby: Schutzgemeinschaft sieht Vorsicht geboten

Brogsitter-Finck will mit dem SGT-Schreiben die Dringlichkeit des Anliegens betonen. Der umtriebige Hotelier Kohler habe den einst „Königshaus“ genannten Bereich des historischen Gebäudes zur „Pop-up-Lodge“ gemacht und den früheren Wiesseer Hof zum Bussi Baby, legt sie im Schreiben an Goppel dar. Es sei Vorsicht geboten, auch wegen der landschaftlich herausragenden Almen in der Umgebung.

Kohler selbst hätte gegen einen Ensembleschutz für Wildbad Kreuth absolut nichts einzuwenden. De facto sei der ohnehin schon gegeben, meint der Unternehmer. Seinen Plänen stünde die zusätzliche Schutzglocke nicht im Wege, versichert Kohler: „Wir haben höchste Ansprüche an uns selbst.“ Die Planung gehe im Übrigen gut voran, in wenigen Monaten könne er Konkreteres präsentieren.

Kohler hat das Schicksal des Heilbads vor einem Jahr in die Hand genommen. Im April 2020 schloss der Unternehmer mit der neu gegründeten Herzoglichen Wildbad Kreuth Familiengesellschaft einen Erbpachtvertrag über 50 Jahre. Es geht um ein fünf Hektar großes Areal inklusive Hauptgebäudekomplex mit 8500 Quadratmetern Wohnfläche. Zuvor diente Wildbad Kreuth vier Jahrzehnte lang, von 1974 bis 2016, als Bildungszentrum der Hanns-Seidel-Stiftung. Legendär waren die alljährlichen CSU-Klausuren, die Kreuth Januar für Januar in die Schlagzeilen brachten. Nach 2016 versuchte Herzogin Helene, die dort auch wohnt, einen Pächter und Investor für das herzogliche Anwesen zu finden. Mehrere Anläufe scheiterten.

Kohler nimmt sich Zeit für die Planung

Für die Planung hat sich Kohler zwei Jahre Zeit genommen, Bis Ende 2022 sollte das Konzept stehen, dann könnte der Umbau im Frühjahr 2023 beginnen, die Eröffnung im Herbst 2024 gefeiert werden. Innen wird alles neu, die historische Fassade soll im Wesentlichen bleiben.

Um die Zeit bis zum Start der Bauarbeiten zu überbrücken, hat Kohler den Münchner Luxus-Caterer Ulrich Dahlmann ins Boot geholt. Als Kooperationspartner vermarktet Dahlmann zwei Jahre lang die Molkehalle, den Festsaal, das Alte Restaurant und auch die Bergwiese. Zudem bietet Hotelier Kohler in dem Haus 27 Zimmer als Pop-up-Lodge an.

Befürchtungen haben sich bis jetzt nicht bewahrheitet

Befürchtungen, dass den ganzen Sommer über wilde Partys vor historischer Kulisse auf der Bergwiese stattfinden, haben sich bisher nicht bewahrheitet. Zumindest sind Kreuths Bürgermeister Josef Bierschneider keine Beschwerden wegen der neuen Eventlocation zu Ohren gekommen: „Da hat man nichts gehört.“

Ohnehin habe es diesen Sommer nur zwei, drei Veranstaltungen gegeben, berichtet Kohler. Die Zimmer in der Pop-up-Lodge würden genutzt, und das sei auch gut so. Ziel sei es, das Haus mit Leben zu füllen, macht Kohler deutlich: „Leer stehende Gebäude verfallen schnell.“

Auch interessant

Kommentare