Im Kühlraum von Metzger Mirko Göttfert hängen Rinder, die die Initiative Biokalb Oberland vermarktet. Göttfert hat die Schlachtung der früheren Metzgerei Walch übernommen.
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Im Kühlraum von Metzger Mirko Göttfert hängen Rinder, die die Initiative Biokalb Oberland vermarktet. Göttfert hat die Schlachtung der früheren Metzgerei Walch übernommen.

Franke hat Betrieb in Kreuth übernommen

Ein Metzger zeigt Mut: Mirko Göttfert setzt auf stressfreie Schlachtung

  • Christina Jachert-Maier
    VonChristina Jachert-Maier
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Als Leonhard Walch Ende 2016 seine Metzgerei in Kreuth dichtmachte, gingen in einem der letzten Schlachthäuser der Region die Lichter aus. Der Franke Mirko Göttfert (52) hat den Betrieb übernommen. Er setzt auf stressfreie Schlachtung.

  • Mirko Göttfert aus Franken hat das Schlachthaus der Metzgerei Walch in Kreuth übernommen
  • Er setzt auf Regionales und stressfreie Schlachtung
  • Landwirte sind froh über das Angebot vor Ort

Kreuth – In Würzburg hat Mirko Göttfert seinen Meister gemacht, mit 25 Jahren. „Ich hab’ mein Handwerk von der Pike auf gelernt“, sagt er. Sein Mentor lehrte ihn: „Du musst alles verwerten, immer das Maximale aus dem Tier herausholen.“ Nicht über den Preis, sondern die Verarbeitung und die Qualität.

Vergessen hat Göttfert das nie. Auch nicht, als er der Liebe wegen nach München kam und Geld für teure Mieten verdienen musste. Göttfert verdingte sich im Schlachthof eines Großunternehmens, schlachtete und zerlegte im Akkord. 1200  Tiere waren es pro Tag. Sie wurden durch Gänge zum Schießstand getrieben, teils mit Strom, die Augen angstvoll aufgerissen. Bald wusste der Metzger: „Wenn ich das mein Leben lang mache, gehe ich kaputt.“

Ein Ladengeschäft hat die Metzgerei nicht: Es gibt kein Personal

Darum hat er es nun gewagt. Göttfert hat den seit Ende 2016 leer stehenden Betrieb von Metzger Leonhard Walch gepachtet. Er hat lange überlegt. Walch hatte ihm die Nachfolge schon vor Jahren angetragen, doch damals winkte Göttfert ab. Schließlich griff er doch zu. Obwohl die Bedingungen nicht einfach sind. Alle Versuche, Personal für das Ladengeschäft zu finden, sind gescheitert. „Ich bräuchte mindestens drei Leute für den Verkauf“, sagt Göttfert. Weil er die nicht hat, bleibt der Laden zu. Seine Waren verkauft er ab Produktion über telefonische Bestellung. Sein Angebot präsentiert er online auf www.steakschmiedekreuth.de. Zwei angestellte Metzger unterstützen ihn. „Es ist kein Problem, jemanden für die Produktion zu finden. Nur beim Verkauf geht nichts“, meint Göttfert. Eine große Hilfe ist ihm Tochter Emma (15), die im Betrieb mit anpackt.

Im März hat Göttfert seinen Betrieb eingerichtet. Das Schlachthaus war leer, alle Maschinen längst verkauft. Um all die Auflagen zu erfüllen, musste Göttfert kräftig investieren, sich zertifizieren lassen. Einiges, wie die Forderung der Kontrolleure nach eigentlich überdimensionierten Fleischhaken, empfand er als Schikane.

Manche Bauern führen ihre Tiere am Strick zu dem Metzger

Corona machte alles noch schwieriger. Trotzdem konnte der neue Kreuther Metzger schon Stammkunden gewinnen. Sein Konzept kommt an: Göttfert setzt ganz aufs Regionale und auf eine stressfreie Schlachtung. „Bauern aus dem Ort führen manchmal die Tiere am Strick zu mir, wie früher“, berichtet Göttfert. Die meisten Rinder haben eine kurze Fahrt im Anhänger hinter sich. „Der Bauer ist selbst dabei, das ist wichtig“ , weiß Göttfert. Kein Massentransport, kein langes Warten, kein Trieb durch die Gasse. Ein unerwarteter, schneller Schuss, dann ist es vorbei. Zwei bis drei Rinder schlachtet Göttfert derzeit pro Woche. Er hat noch Kapazitäten frei. Bis zu acht Schlachtungen pro Woche wären im Betrieb möglich.

Lesen Sie hier: Wo unser Fleisch herkommt: Trend zur Direktvermarktung – Kunden verlangen Regionalität

Göttfert arbeitet inzwischen auch mit der Initiative Biokalb Oberland zusammen. Es handelt sich um einen Zusammenschluss von Bio-Landwirten, die besonderen Wert aufs Tierwohl legen. Die Initiative arbeitet schon länger mit Metzger Josef Killer zusammen, der mit seiner Schlachtbox auf die Höfe kommt, und nun auch mit Göttfert. „Wir Landwirte sind sehr froh, dass jemand den Mut hat, die Schlachtung in Kreuth weiterzumachen“, erklärt Bio-Bauer Leonhard Obermüller aus Wall als Sprecher der Initiative.

Landwirte schätzen die handwerkliche Arbeit der Metzger vor Ort

Lange Transportwege zu vermeiden, ist den Landwirten wichtig. „Früher war es einfach, da gab’s in jedem Dorf einen Metzger, und die Tiere waren maximal eine Viertelstunde unterwegs“, meint Obermüller. Aktuell gebe es vielleicht noch eine Handvoll Metzger im Landkreis, die selbst schlachten. Obermüller schätzt die traditionelle handwerkliche Arbeit der Metzger, die „beste Qualitätsprodukte“ herstellen. „Es ist erfreulich, dass es die im Landkreis noch gibt.“

jm

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