Hans Leo, Kühe, Weide, Kreuth
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Glücklicher Landwirt, glückliche Kühe: Hans Leo zeigt Annelies Blüml (2.v.r.) vom Aktionsbündnis Zivilcourage und Öko-Modellregions-Mitarbeiterin Kathleen Ellmeier seine Weide im Kreuther Ortsteil Pförn.

„Miesbacher Weg“ der Zivilcourage

Kühe halten die Weide fit: Kreuther Bauer wirbt für nachhaltige Landwirtschaft

  • Alexandra Korimorth
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Die Kühe von Hans Leo brauchen kein Kraftfutter. Sie sorgen selbst dafür, dass die Weide intakt und nahrhaft bleibt. Ein Modell, das der Kreuther Bauer gern verbreiten würde.

Landkreis – Noch nie war die Öffentlichkeit so sensibilisiert hinsichtlich der landwirtschaftlichen Zusammenhänge von Gesundheit, Tierwohl, Umweltschutz und Landschaftspflege, Ernährung und Auskommen. Noch nie standen die Chancen für die nachhaltige Landwirtschaft, wie sie in den kleinbäuerlichen Betrieben wie dem von Hans Leo in Kreuth betrieben wird, so gut – und gleichzeitig so schlecht.

Deshalb hat sich das Aktionsbündnis Zivilcourage mit den Initiatoren Werner Schmid, Rüdiger Obermaier und Annelies Blüml auf die Fahne geschrieben, den „Miesbacher Weg“ als denjenigen zu propagieren, der Wirtschaftlichkeit und Ökologie verbindet und aus der aktuellen Krise führen kann. Wie berichtet, unternehmen sie dafür regelmäßig Hofbesuche und fragen die Forderungen der kleinen Bauern an die große Politik ab.

Bei Landwirt Hans Leo im ziemlich zersiedelten Kreuther Ortsteil Pförn stehen auf 20 Hektar 19 Kühe. Während das Jungvieh über die Almen tollt, stehen die Milchkühe des Biobetriebs im Stall – und zwar in Anbindehaltung. Auch wenn Leo seine Tiere jeden Morgen (außer im Winter bei Schnee) auf die nahe gelegenen Weiden, widerspricht der Umstand, dass sie nachts im Stall angebunden werden, den Förderbedingungen für das Biolabel. Dabei ist offensichtlich, wie gut es den Milchproduzenten geht: Die Kühe werden durchschnittlich zehn bis zwölf Jahre alt, manch eine sogar 15 oder 16. Und auch die Zusammensetzung ihrer Milch könnte nicht besser sein: Die Rohmilch hat überdurchschnittlich viele ungesättigte Fettsäuren.

Flächengebundene Landwirtschaft als Modell

Leo ist ein Verfechter der flächengebundenen Landwirtschaft. Das heißt, dass er nur so viele Tiere hält, wie sein eigener Grund ernähren kann. Kraftfutter (vom regionalen Biobetrieb) kauft er nur in Kleinstmengen zu, weil seine Wiesen gesund sind und ausreichend Nährstoffe und Proteine für seine Kühe liefern. Dafür sorgen übrigens diese selbst. Der Tritt ihrer Klauen erzeugt gut trainierte Böden und eine Artenvielfalt bei den Gräsern und Leguminosen, die ihrerseits absamen und sich natürlich vermehren und entwickeln können. Die Pflanzen und ihre Wurzeln speichern obendrein mehr CO2 als jede mit Maschinen bearbeitete Weide und sind ein bedeutender Klimafaktor. Weil Leo seine Wiesen zeitversetzt abgrasen lässt oder schneidet, finden auch Bienen und Hummeln genügend Nahrung.

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„Alles ist bei meiner Landwirtschaft ein Kreislauf“, sagt Leo, der seine Milch an die Naturkäserei TegernseerLand, die er mitbegründet hat und der er jahrelang vorstand, vermarktet. „Ich tue so etwas für den Landschaftsschutz, den Naturschutz, das Tierwohl und für meine Heimat. Und ich finde, das darf auch mehr kosten. Regional und bio ist der richtige Weg für mich und mein Land.“

Landwirt fordert weniger Flächenverbrauch

Zwar denkt auch Leo über einen modernen Laufstall nach. Allein schon, um die Biozertifizierung und damit entsprechende Zuschüsse zu erhalten. Aber der Flächenverbrauch und die Unterbrechung seiner Kreisläufe bringen ihn in einen Konflikt. Für eine nachhaltige Landwirtschaft fordert er von der Politik vor allem Maßnahmen gegen den Flächenentzug. „Es kann doch nicht sein, dass wir in Bayern jeden Tag zwölf Hektar Grund verbraten. Wir brauchen endlich eine Obergrenze!“, sagt Leo.

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Außerdem will er, dass regional Strukturen für die Verarbeitung und Vermarktung der hier produzierten Lebensmittel geschaffen werden. Kurze Wege seien das A und O. Von der großen Politik wünscht Leo sich Ausgleichsleistungen für Umweltmaßnahmen, wobei die Vorgaben praxisnaher, flexibler und abgestufter gestaltet werden müssten. „Am besten man bezieht den Bauern aktiv ein und lässt ihn ein Angebot abgeben, für dessen Einhaltung er dann honoriert wird“, schlägt Leo vor. Schließlich haben die freien, selbstständigen Bauern aus dem Landkreis Miesbach eine Landschaft geschaffen, die andere als schützenswert erachten.

Schmid, Obermaier und Blüml, die auch Kathleen Ellmeier von der Öko-Modellregion Miesbacher Land zum Ortstermin mitgebracht hatten, versprachen, dies an die zuständigen Stellen und die Politik weiterzugeben. Wohlwissend, dass die Individualität und Diversität der landwirtschaftlichen Betriebe gleichermaßen der Wettbewerbsvorteil beim Verbraucher wie das Hindernis im EU-Fördersystem darstellt.

„Ein Patentrezept für alle Landwirte gibt es nicht“, räumt Leo ein, „Jeder Bauer muss einen Weg finden, wie er Ökologie und Wirtschaftlichkeit unter einen Hut bringt.“ Eine Industrialisierung der Landwirtschaft sei aber eine Sackgasse.

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