+
Treffen sich regelmäßig: Vorsitzende Doris Ring (l.) und Mitspielerinnen des Bridgeclubs Tegernseer Tal.

Club im Tegernseer Tal trifft sich zweimal wöchentlich

"Bridge ist Gehirn-Jogging"

  • schließen

Weissach - Bridge ist mehr als ein Kartenspiel. "Bridge ist Gehirn-Jogging", sagen die Mitglieder eines 50 Mitglieder zählenden Clubs am Tegernsee. Was ist dran an dem Kartenspiel?

Ältere, meist reiche Damen, die sich nachmittags die Zeit mit Kartenspielen vertreiben. Was ist dran an diesem Klischee, das dem Kartenspiel Bridge vorauseilt? Ein Blick hinter die Kulissen des Bridgeclubs Tegernseer Tal: Immer montags und donnerstags sind ab 14.30 Uhr die Tische im Pavillon des Hotels Bachmair Weissach „gedeckt“: Auf den grünen Filztischdecken stehen die „Bidding-Boxes“, in der die „Reizungskarten“ stecken. In der Mitte befinden sich „Boards“, die mit 52 Karten ausgestattet sind – je 13 in ein Fach geordnet, nach Nord, Süd, Ost und West. Am Tisch sitzen vier Spieler, wobei je zwei sich gegenübersitzende Spieler ein Paar bilden. Gespielt wird mit 52 französischen Karten – also Pik, Coeur, Karo und Treff. Ziel ist es, möglichst viele Stiche zu machen. 

Wer glaubt, Bridge sei einfach nur ein Kartenspiel, der irrt: „Das Erlernen der Bridge-Regeln dauert mindestens ein Jahr“, so die Erfahrung von Doris Ring. Die Schlierseerin ist neue Vorsitzende des Bridgeclubs Tegernseer Tal, dem einzigen Verein im Landkreis Miesbach. Im Februar 1973 wurde er unter dem Namen „Tegernsee II Bastenhaus“ von Inge Ott, Marga Schneider und Melanie Raall sowie der Tegernseer Hotel-Inhaberin Marthel Basten gegründet. Bis zum Verkauf des Hotels 1995 fanden die Bridge-Turniere im Hotel Basten statt. Dann zog der Verein ins Gästehaus Sommer. Seit Dezember 1999 frönen die Mitglieder, deren Zahl sich stetig vergrößerte und derzeit auf etwa 50 angewachsen ist, ihrer Leidenschaft im Hotel Bachmair Weissach. Vier Vorsitzende hatten bisher das Sagen: Marthel Basten (1973 bis 2006), Gerold Breuer (bis 2014), Kuno Wemhoff (bis 2016) und nun Doris Ring. 

Dass Bridge zur Leidenschaft werden kann, zeigt der Fleiß der Tegernseer: 2015 kamen 98 Spieltage zusammen, wobei einige Mitglieder an über 80 Turnieren teilgenommen haben. Die Fleißigste war Petra Schmidt mit einer Bilanz von 88 Turnieren. Wen der Bridge-Virus erst einmal gepackt hat, der integriert die Spielnachmittage fest in seinem Wochen-Rhythmus. Dazu zählen Turnier-Termine wie das „Marthel-Gedächtnisturnier“, die Clubmeisterschaft, ein Sommer- und ein Weihnachtsturnier. Gemeinsame Abendessen bilden den Ausklang. 

Wer Bridge erlernen möchte, sollte nicht nur Begeisterung, Zähigkeit, Disziplin und Karten-Verständnis mitbringen, sondern auch eine gute Auffassungsgabe und ein gutes Gedächtnis haben. „Bridge ist Gehirn-Jogging“, sagt die Vorsitzende. Schließlich müssen sich die Spieler ausgeklügelte Techniken zurechtlegen und die Chancen dieser oder jener Spielweise mit Hilfe von Wahrscheinlichkeiten berechnen. „Natürlich im Kopf“, so Ring. Dieser Herausforderung stellen sich überwiegend Frauen. „Nur eine Handvoll Männer ist dabei“, sagt Ring. Gespielt wird, solange man geistig fit ist. Einige sind über 80, sogar drei 90-Jährige finden den Weg an die grünen Tische. „Ja, wir sind eine tolle Truppe“, schwärmt Doris Ring, „das wird uns von vielen Gästen bestätigt, die am Tegernsee Urlaub machen und zu uns kommen.“

Dreieinhalb Stunden herrscht höchste Konzentration. Geratscht wird vorher und nachher. Und am Ende druckt der Computer eine Ergebnisliste aus. „Es geht um die Ehre“, kommentiert Doris Ring die Platzierungen, die das ganze Jahr über gesammelt und dann an den Deutschen Bridge Verband weitergereicht werden. Wer besonders viel Ehrgeiz hat, könnte an überregionalen Turnieren teilnehmen oder in die Bundesliga aufrücken, bis hin zu Europa- und Weltmeisterschaften. „Alles ist möglich“, meint die Vorsitzende und rückt das landläufige Klischee von älteren Damen, die sich so ihre Zeit vertreiben zurecht: „Bridge ist Sport.“ 

Den neuen Vorstand des Bridgeclubs Tegernseer Tal bilden Doris Ring (Vorsitzende, Kassenwart und Schriftführerin) sowie Ursula Dietrich (Sportwart).

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Warum die Oscar-Kuverts nicht aus Gmund kamen
Fünf Jahre lang wurden bei der Oscar-Verleihung die Namen der Gewinner aus einem Kuvert gezogen, das aus der Büttenpapierfabrik Gmund stammt. Heuer nicht. Die Gründe:
Warum die Oscar-Kuverts nicht aus Gmund kamen
Tegernsee: Neuen Parkraum braucht die Stadt
Am liebsten würde Tegernsees Bürgermeister Johannes Hagn alle Autos zwischen Bräustüberl und Rosenstraße unter die Erde bringen. Aber das ist nur ein Traum. Wie sich die …
Tegernsee: Neuen Parkraum braucht die Stadt
Bauprojekt Werinherstraße: Nachbarn in Sorge
Mehrfamilienhäuser mit Tiefgaragen, das ist derzeit das gefragteste Baumodell in Rottach-Egern. An der Werinherstraße werden gerade Fakten für das nächste große Projekt …
Bauprojekt Werinherstraße: Nachbarn in Sorge
Frühlingshaftes Winter-Seefest 
Prosecco statt Glühwein, Eiscreme statt Gulaschsuppe: Bei Temperaturen bis zu 17 Grad geriet das 3. Winter-Seefest am Sonntag in Rottach-Egern geradezu zum …
Frühlingshaftes Winter-Seefest 

Kommentare