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Anwohnerin moniert zunehmenden Lärm in Kreuth: „Motorräder sind legal laut“

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Donnernde Lastwagen und röhrende Motorräder treiben Monika Wiesböck – hier vor ihrem Haus in Kreuth – in die Flucht.
Donnernde Lastwagen und röhrende Motorräder treiben Monika Wiesböck – hier vor ihrem Haus in Kreuth – in die Flucht. © STEFAN SCHWEIHOFER

Monika Wiesböck hört alles. Nicht, weil sie will, sondern weil sie muss. Wenn die Rentnerin am Fenster ihres Hauses an der B 307 in Kreuth sitzt, wünscht sie sich manchmal, irgendwo anders zu sein.

Kreuth - Für die jüngste Bürgerversammlung in Kreuth hatte Wiesböck deshalb eine Liste vorbereitet. Sie forderte fest installierte Radarstationen, mehr Motorrad- und Sportwagen-Kontrollen und die Ahndung von Parkverstößen. Bürgermeister Josef Bierschneider (CSU) konterte mit hohen Hürden für feste Blitzer und dem bereits beauftragten Zweckverband Kommunales Dienstleistungszentrum Oberland (KDZ). „Der blitzt innerorts und ahndet Parkverstöße.“ In Sachen Motorräder fordere die Gemeinde regelmäßig die Kontrollgruppe der Polizei an, sagte Bierschneider. „Außerorts darf die Gemeinde nicht blitzen.“

Wiesböck ist damit nicht geholfen. „Ich krieg’ alles mit“, beteuert sie. „Wie die Motorräder an der Ampel aufdrehen, wie die Autos vorbeirauschen, wie Schwerlastverkehr selbst nachts durchdonnert.“ Schalldichte Fenster würden helfen. „Aber die standen damals beim Bau noch gar nicht zur Debatte.“ Bei schönem Wetter seien es bis zu 1000 Motorräder pro Tag. „Bis zu 35 am Stück. Und es werden mehr.“

Offizielle Zahlen belegen keinen linearen Anstieg

Die offiziellen Zahlen, gemessen vom Straßenbauamt Rosenheim im Fünf-Jahres-Turnus, belegen den Anstieg für die jüngste Messung im Jahr 2015. Ein linearer Anstieg ist aber nicht erkennbar. Die Zahlen der aktuellsten Messung aus dem Jahr 2021 – sie war coronabedingt verschoben worden – sind noch nicht ausgewertet.

Aber: Auch Bierschneider hatte an den Ergebnissen der vergangenen Messungen Zweifel, sagt er auf Nachfrage. „Wir haben den Zweckverband beauftragt, nachzumessen.“ In den Jahren 2018 und 2021 hatte der Dienstleister an zwei Stellen für je drei Wochen ein Messgerät installiert. Das Ergebnis: „Die offiziellen Daten spiegeln den Verkehr sehr genau wider“, sagt Bierschneider.

Am nördlichen Gemeinderand bei Reitrain hätte die Messstelle 2018 pro Tag im Schnitt 11545 Fahrzeuge gezählt. An der südlichen Stelle nahe Glashütte waren es 4276 Fahrzeuge. Drei Jahre später hatte sich die Zahl gar leicht reduziert: 11 166 bei Reitrain, 4097 bei Glashütte. „Etwa die Hälfte fährt auf der anderen Seite wieder raus“, resümiert Bierschneider. „Mehr geworden sind es in den drei Jahren nicht.“ Auch, dass die über 11 000 Fahrzeuge mehr als die vom Straßenbauamt zuletzt gemessenen 9336 Fahrzeuge sind, lässt nur bedingt auf einen Anstieg schließen. Denn: Die Messstelle des Zweckverbands war nördlicher als die des Straßenbauamts positioniert, weshalb sich die Zahlen nur grob vergleichen lassen – manche könnten früher abgebogen sein.

Regelmäßig Blitzeranhänger vor Ort

Für eine Maut, wie sie Wiesböck gefordert hatte, sei die Gemeinde ohnehin nicht zuständig, erklärt der Bürgermeister. Für die Rentnerin bleiben deshalb nur Blitzer und Polizeikontrollen. „Seit 2021 haben wir regelmäßig die Blitzeranhänger vom KDZ im Ort“, sagt Bierschneider. Und Polizeioberkommissar Robert Ruttkowski aus Bad Wiessee erklärt: „Die Kontrollgruppe Motorrad des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd ist im Bereich des Achenpasses und somit im Gemeindegebiet Kreuth unterwegs.“

In den vergangenen drei Jahren seien fünf Vergehen, 20 Verstöße, die eine Verkehrsordnungs-Widrigkeitenanzeige nach sich ziehen, und rund 50 Verstöße im Verwarnungsbereich festgestellt worden. „Die Gruppe kontrolliert die Strecke in unregelmäßigen Abständen.“

100 Messungen im Jahr 2021

Geschwindigkeitsmessungen fänden entlang der B 307 zum Achenpaß und innerorts an mehreren Stellen statt. Sie würden durch Messfahrzeuge der Autobahnpolizei Holzkirchen und Beamte aus Bad Wiessee mit Laserhandmessgeräten betreut. „Hier wurden 2021 im Gemeindegebiet rund 100 Messungen durchgeführt. Dabei kam es zu 78 Anzeigen und 347 Verwarnungen.“

Weiter erklärt Ruttkowski, bei der Polizei zuständig für Verkehr: „Aus polizeilicher Sicht ist die Überwachung der Geschwindigkeit in dem Bereich im Verhältnis zu den Beanstandungsquoten ausreichend.“ Dies spiegle sich auch im Unfalllagebild wieder. „Als Brennpunkt kann der Achenpaß daher nicht bezeichnet werden. Zum Lärm sagt der Polizist, die Kontrollgruppe Motorrad stelle Manipulationen an Auspuffanlagen immer seltener fest. Das sei dem Kontrolldruck geschuldet – aber auch neuen Klappenauspuffanlagen. „Bei diesen werden die rechtlichen Rahmenbedingungen ausgeschöpft und die Motorräder sind dann in den meisten Fahrzuständen legal laut.“ Leider sei auch immer öfter das Verhalten der Fahrer für Lärm verantwortlich. „Bei Motorrädern und Sportwagen wird gerne im hochtourigen Bereich ohne rechtzeitiges Schalten beschleunigt.“ Zu schnell seien die Fahrer dabei oft gar nicht.

Monika Wiesböck ist von der Situation frustriert. Sie fährt nun öfter nach Tirol. „Da ist es ruhiger, da kann ich dem Lärm entkommen.“

VON JONAS NAPILETZKI

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