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Die Bergwacht Rottach-Egern bei ihrem nächtlichen Einsatz im Bereich der Halserspitze. 

Rund 40 Bergwachtler und Hubschrauber im Einsatz

Münchner E-Biker in Nacht-Aktion gerettet

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Einen Großeinsatz der Bergwacht löste ein Münchner E-Biker im Grenzgebiet zu Österreich aus.

Kreuth Was die Bergwacht Rottach-Egern erst vor etwa einem Monat als Übung durchspielte, passierte in der Nacht von Sonntag auf Montag tatsächlich: Am Sonntag kurz nach 22 Uhr musste die Bergwacht zu einer Vermisstensuche und Rettung ausrücken. Ein 50-jähriger Münchner war mit seinem E-Bike in unwegsames Gelände gekommen, in einem Latschenfeld gestürzt und hatte sich an der Schulter verletzt, so die Meldung. Er hatte Handyempfang und konnte einen Notruf absetzen. Versuche einer Handyortung über GPS schlugen allerdings fehl. Nach seinen telefonischen Angaben war wahrscheinlich, dass er sich irgendwo im Bereich Halserspitze, Langenau, Bayralm und der verfallenen Bayrbachalm befand.

Zur Ortung startete ein Polizeihubschrauber mit Wärmebildkamera. Eine nachtflugfähige Maschine mit Rettungswinde stand nicht zur Verfügung. Ein Rettungsteam fuhr in das Gelände und begann von der Bayrbachalm in der stockdunklen Nacht mit Stirnlampen den Aufstieg. Ein Trupp ging schnell voraus, ein zweiter folgte mit der Gebirgstrage. Retter der Bergrettung Kramsach aus Achenkirch kamen von der österreichischen Seite über die Bayeralm. Die Bergwacht-Bereitschaften Hausham und Lenggries sowie das Technikfahrzeug Hausham mit Unterstützung durch Retter aus Sachrang und Samerberg kamen ebenfalls zum Einsatz. Die Besatzung des Polizeihubschraubers hatte den Patienten mittlerweile lokalisiert und konnte den Voraustrupp noch über Funk in Richtung Unfallstelle leiten, musste dann aber wegen aufkommenden Schlechtwetters abdrehen.

Gegen ein Uhr nachts erreichten die Retter den Patienten, versorgten die Verletzung, zogen ihm eine Wärmeweste an und begannen den Abtransport mit der Gebirgstrage. Weil inzwischen starker Regen eingesetzt hatte und auch ein Gewitter aufzog, war der Steig mit der Einrad-Gebirgstrage sehr schwer zu befahren. Die lange Trage musste in der Dunkelheit auf dem engen Steig durch zahlreiche Kehren manövriert werden. Auf dem Weg nach unten kamen dann die Bergretter der alarmierten Nachbarbereitschaften hinzu, die den anstrengenden Abtransport unterstützten. Auch das Fahrrad des Mannes brachten die Retter nach unten. Der Patient wurde mit einem Fahrzeug der österreichischen Bergrettung nach Achenkirch transportiert, dort gegen fünf Uhr morgens an einen Rettungswagen übergeben und ins Krankenhaus Agatharied gebracht. Die Einsatzleitung im Tal koordinierte die Retter der eigenen und der benachbarten Bereitschaften und stimmte sich laufend mit den Leitstellen in Rosenheim und Tirol, mit der Polizeihubschrauberstaffel, der östereichischen Alpinpolizei und der örtlichen Polizeiinspektion in Bad Wiessee ab.

„Erst vor einem Monat haben wir ein ähnliches Szenario bei einer Übung, allerdings bei Tag, durchgespielt“, so ein Sprecher der Bergwacht Rottach-Egern. „Die dort gewonnenen Erfahrungen mit dem Technikfahrzeug und der Liveortung der Rettungskräfte, mit der die Einsatzleitung die aktuelle Position der Rettungskräfte am Bildschirm verfolgen kann, konnten zum großen Teil auf diesen Einsatz übertragen werden und waren eine große Hilfe.“ Der Einsatz für die etwa 40 ehrenamtlichen Retter endete am Montag gegen sechs Uhr früh.  gr

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