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Beim Auf- und Abbau des Ballons müssen die Passagiere eine Maske tragen.
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Michi Unger freut sich, dass es nach wochenlanger Zwangspause endlich wieder losgeht.
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Auch der Bräustüberl-Ballon mit dem Buzzi darf wieder mit Passagieren über dem Tegernsee schweben.

Kreuther Pilot hat einen seiner Ballone umgerüstet

Nach Corona-Zwangspause: Ballone am Tegernsee fahren wieder - mitsamt Schutzkonzept

  • Gabi Werner
    vonGabi Werner
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Auch Michi Unger meldet sich zurück aus der Corona-Zwangspause. Seit Kurzem darf der Ballon-Pilot (63) vom Tegernsee wieder Passagierfahrten anbieten. Einen seiner Ballone hat er dazu umgerüstet.

Kreuth – Als Michi Unger am 22. Februar eine Alpenüberquerung mit dem neuen Bräustüberl-Buzzi-Ballon unternahm und in Oberitalien zur Landung ansetzte, lag Corona bereits in der Luft. „Hinter uns haben sie quasi die Grenze zugemacht“, erzählt der Kreuther, der mit seinem Unternehmen Ballooning Tegernsee den Lockdown am eigenen Leib erlebte. „Von heute auf morgen war Schluss“, sagt der 63-Jährige. Das Virus und die zugehörigen Schutzmaßnahmen verordneten dem Unternehmen mit seinen fünf Ballonen und drei Piloten eine Zwangspause.

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Nun darf Unger wieder abheben. Mit der Zehn-Personen-Regel, die am 17. Juni in Bayern in Kraft trat, sei der Durchbruch gekommen, erklärt der Ballon-Pilot, der zum Schutz seiner Passagiere ein eigenes Hygiene- und Sicherheitskonzept entworfen hat.

Kein Körperkontakt: Ballonkorb mit Zeltfensterfolie abgetrennt

Um Körperkontakt während der Fahrt zu vermeiden, hat Unger einen seiner Ballonkörbe nach oben hin mit Zeltfensterfolie unterteilt und somit vier „Kabinen“ geschaffen, in denen die Gäste die Ballonfahrt sogar ohne Mund-Nasen-Schutz genießen dürfen. Seine „Jungfernfahrt“ hat dieses Konstrukt bereits hinter sich – erstmals hat Unger dieser Tage wieder vier Pärchen vom Birkenmoos aus in die Luft gebracht. „Die waren hellauf begeistert“, freut sich Unger. Es war die allererste Passagierfahrt seit der Corona-Zwangspause überhaupt.

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In den anderen – herkömmlichen – Ballonen müssen Mannschaft und Besatzung in Corona-Zeiten freilich eine Maske tragen. Ebenso beim Auf- und Abbau des Ballons sowie beim Rücktransport mit dem Auto. „Wir werden außerdem immer ein Corona-Körbchen an Bord haben“, kündigt Unger an. Desinfektionsmittel, Ersatz-Schutzmasken, Handschuhe – all das wartet auf seinen Einsatz. Bei den Arbeiten vor und nach der Ballonfahrt sowie bei der traditionellen Ballonfahrertaufe werde man auf den nötigen Mindestabstand von eineinhalb Metern achten, versichert Unger. „Der ist da gut einzuhalten.“

Ballon-Pilot Unger: Anfragen steigen jetzt wieder rapide an

Dass die Ballonfahrt trotz dieser Auflagen zu einem unvergesslichen Erlebnis für die Gäste wird, dafür müsse er als touristischer Dienstleister nun Sorge tragen, sagt der 63-Jährige. Er sei aber zuversichtlich, dass es gelingt. Sicherheit zu bieten, sei seit jeher ureigenste Aufgabe der Luftfahrt – „jetzt kommt halt noch ein Hygienekonzept dazu“, erklärt Unger und schmunzelt. Überhaupt ist der Unternehmer aus dem Bergsteigerdorf Kreuth guter Dinge. Von einem Normalbetrieb sei man zwar noch ein gutes Stück entfernt, meint er. „Aber die Anfragen steigen jetzt wieder rapide an.“

120 bis 140 Passagierfahrten absolviert Ballooning Tegernsee unter normalen Umständen pro Jahr. Heuer werde es wohl die Hälfe sein, schätzt Unger. Seine Firma sei dann mit einem blauen Auge durch die Corona-Krise gekommen. „Höhenflüge haben sich für heuer natürlich erledigt“, weiß er. Man müsse eben zu einem normalen Level zurückkehren.

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Unger selbst hat versucht, das Beste aus der Zwangspause herauszuholen. Viel Zeit habe er mit Radlfahren und – als es wieder erlaubt war – mit Gleitschirmfliegen verbracht. „Für mich persönlich war es eine sehr staade Zeit“, sagt Unger und nimmt’s mit Humor: „Eine Zeit lang war ich der wohl am schlechtesten bezahlte Berufssportler im Ort Kreuth.“

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