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Die Naturkäserei hat 2014 zum ersten Mal Gewinn gemacht.

Interessante Zahlen und Fakten

Naturkäserei hat zum ersten Mal Gewinn gemacht

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Kreuth - Es ist geschafft: Nach fünf Betriebsjahren hat die Naturkäserei TegernseerLand erstmals Gewinn gemacht. Bei der Generalversammlung im Rottacher Seeforum gab’s dafür viel Applaus.

Unzählige schlaflose Nächte liegen hinter Hans Leo. Seit der Gründung der Genossenschaft 2007 und dem Start des Betriebs im Juni 2010 musste die Käserei schwierige, entbehrungsreiche Jahre meistern. „Doch jetzt wendet sich das Blatt“, verkündete der Vorstandsvorsitzende am Donnerstagabend bei der Generalversammlung im Rottacher Seeforum mit strahlender Miene und lieferte Zahlen: So konnte der Gesamtumsatz an Heumilch-Produkten von rund 3,6 Millionen Euro im Vorjahr auf rund 4,2 Millionen Euro gesteigert werden. „Zwölf Prozent hatten wir geplant“, sagte Leo, „dass es 16 Prozent werden, ist enorm.“ Die zahlreichen Anteilsnehmer, für die die Plätze im Seeforum bei weitem nicht ausreichten, klatschten anerkennend Beifall.

Seit Juni beliefern 22 Landwirte die Naturkäserei

Zuwächse, so Leo, gab’s in allen Bereichen. So legten die Vertriebserlöse um 19 Prozent zu, der Laden in der Käserei am Reißenbichlweg in Kreuth machte zwölf Prozent mehr Umsatz, die Gastronomie verbucht ein Plus von neun Prozent, der Umsatz auf den Wochenmärkten schaffte im Geschäftsjahr 2014/2015 sogar ein Plus von 25 Prozent. Stand im Vorjahr noch ein Verlust von 134.500 Euro in den Büchern, so machte der Betrieb heuer erstmals einen Gewinn: 320.664,53 Euro.

Leo, selbst Landwirt und Mitbegründer der Genossenschaft, bedankte sich nicht nur bei den aktuell 1461 Mitgliedern, die mit ihren Einlagen (1000 Euro je Anteil) die Grundlage bilden, sondern bei allen fleißigen Mitarbeitern und seinen Kollegen im Vorstand und Aufsichtsrat. „Wir sind einen geradlinigen Weg gegangen und müssen auch weiter an einem Strang ziehen.“ Zurücklehnen gibt’s nicht: Die Käserei, so Leo, wolle den Erfolg weiter ausbauen und vor allem die Qualität steigern, um sich auf dem Markt zu behaupten. So soll unter anderem ab Herbst eine Qualitäts-Management-Offensive gestartet werden. Die geplante Erweiterung für Büro und Verwaltung, Lagerung und Verpackung soll vorangetrieben werden.

Geschäftsführer Johann Hansinger, seit Oktober 2014 im Amt, war angesichts der Zahlen und des Konzepts der Heumilchproduktion „überhaupt nicht bange“, was die Zukunft betrifft. „Heumilch ist ein Alleinstellungsmerkmal“, so Hansinger, „das Nischenprodukt wird am Markt honoriert.“ Weil es wichtig sei, eine breite Rohstoffbasis zu haben, habe man seit Juni insgesamt 22 Lieferanten an Bord. Vorstandsmitglied Klaus Lehmeier lobte Hansingers Arbeit: „Mit ihm werden wir die Gewinnzone nachhaltig schaffen.“ Trotz aller Zahlen, die Michael Kiesel, Prüfer des Genossenschaftsverbands, detailliert vorstellte: Der Käserei geht es nicht nur um Gewinn. „Wir bringen die Landwirtschaft und den Landkreis nach vorne“, betonte Leo. Davon war auch Landrat und Genossenschaftsmitglied Wolfgang Rzehak, überzeugt, der sich in seinem Grußwort von den positiven Zahlen begeistert zeigte. „Ihr schafft das, dass die Heimat so bleibt, wie sie ist.“

Für den alten Bergkäs soll es weitere Reifekeller geben

Einige Fragen hatten die Mitglieder im Seeforum dann doch: Etwa zu den Personalkosten von rund einer Million Euro. Eine Mitarbeiterin meldete sich zu Wort und verteidigte sie: „Wir haben eine enorme Arbeitsbelastung und zudem eine Sieben-Tage-Woche.“ Oder zur Parkplatz-Not. Leo machte aber keine Hoffnung auf eine baldige Erweiterung. Und die Zukunftspläne? „Qualität steht an erster Stelle“, sagte Leo. Der Laden soll noch attraktiver, zusätzliche Reifekeller für den „Verkaufsschlager alter Bergkäs“ geschaffen werden. Das Wichtigste aber: Der Verlustvortrag in der Bilanz soll weiter abgebaut werden. Daher wurde am Abend beschlossen, den Gewinn dafür zu verwenden. „Gebt uns Zeit und Vertrauen“, appellierte Leo an die Mitglieder. Auf eine Gewinnausschüttung müssen die Mitglieder also noch warten. „Wenn alles weiter so gut läuft“, verriet Leo nach der Versammlung, „könnte es in drei Jahren so weit sein.“

Zahlen und Fakten

  • 22 Landwirte mit insgesamt 48 Mitarbeitern, 397 Milchkühen und 386 Jungviechern liefern Heumilch an die Naturkäserei.
  • Sie bewirtschaften 612 Hektar Kulturlandschaft, 24 Hektar Land im Vertrags-Naturschutzprogramm, 102 Hektar im Ökolandbau und 166 Hektar Almfläche
  • Die Genossenschaft hat derzeit 1461 Mitglieder. 54 Mitarbeiter und zwei Auszubildende sind bei der Käserei beschäftigt.
  • Im Geschäftsjahr 2014/2015 besuchten 82 435 Kunden den Laden, 878 Führungen und 47 Veranstaltungen wurden durchgeführt.
  • Verkauft wurden unter anderem 69.913 Kilo Hartkäs und 78.648 Kilo Schnittkäs. Der Frischebereich (Joghurt, Quark) legte um 116 Prozent auf 138.828 Kilo zu.
  • Den Vorstand bilden Hans Leo (Vorsitzender), Klaus Lehmeier und Lisi Bichler (neu). Dem Aufsichtsrat gehören Josef Bogner (Vorsitzender), Jakob Gerg, Max Haslauer, Josef Stadler (neu), Sophie Obermüller, Andreas Niedermaier, Lisi Höß und Anna Kreidl an.

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