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Glasflasche und Gütesiegel: Die Käserei will ihre Produkte dank der Zertifizierung besser vermarkten .  

Ab 1. Juli keine Plastikflaschen mehr

Naturkäserei Tegernseer Land setzt aufs Bio-Siegel: Milch jetzt in Glasflasche 

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Schluss mit Plastik: Die Milch der Naturkäserei kommt künftig in die Mehrweg-Glasflasche. Und sie trägt das Bio-Siegel. Das schlägt sich in barer Münze nieder – und ist erst der Anfang.

Kreuth – Ein Siegel bringt Glaubwürdigkeit. Die braune Mehrweg-Glasflasche, in der die Naturkäserei Tegernsee Land ab 1. Juli ihre Biomilch anbietet, ist nach den Richtlinien von Naturland Fair zertifiziert. Die sind nur erfüllt, wenn vom Umgang mit der Kuh bis zum Endprodukt alles einer ökologischen Betrachtung standhält. „Es gibt immer mehr Käufer, denen das wichtig ist“, sagt Naturland-Vertreterin Agnes Bergmeister. Und die bereit sind, dafür ein paar Cent mehr zu bezahlen. 2,65 Euro kostet der Liter Biomilch in der Glasflasche, zuzüglich Pfand. Der Liter Milch in der Plastikflasche, ohne Bio-Siegel, war für 2,45 Euro zu haben.

Ein Preissprung, der ein paar Kunden kosten könnte. „Aber wir denken, dass wir noch mehr gewinnen“, meint Hans Seebacher, bei der Naturkäserei für den Vertrieb zuständig. Dass der Weg in Richtung Bio-Siegel führen soll, war schon bei der Gründung der Genossenschaft vor zwölf Jahren Thema. Damals kämpften die Gründer noch dafür, dass ausschließlich Heumilch in die Produktion fließt. Milch von Kühen also, die nur Gras und Heu fressen, kein Silofutter. „Heumilch ist eigentlich bio“, erklärt Hans Leo, derzeit noch Geschäftsführer und Vorstandsvorsitzender der Naturkäserei. Wie berichtet, führt ab 1. Juli sein bisheriger Stellvertreter Franz Stuffer den Betrieb.

Geliefert wird die Heumilch derzeit von 22 Bauernhöfen aus der Region. Als Bio-Betriebe zertifiziert sind derzeit nur drei, ein vierter befindet sich in der Umstellungsphase. Die verbleibenden 18 Betriebe wollen nach und nach umstellen. Ein Prozess, den der Vorstand der Genossenschaft 2018 mit einem Beschluss untermauert hat: Die Naturkäserei will das Siegel für ihr komplettes Sortiment. Dazu muss die gesamte Milch von Bio-Bauern kommen. „Aber wir wollen all unsere Betriebe mitnehmen“, versichert Leo.

Ihm ist eines wichtig: Es soll keine Kluft entstehen zwischen den konventionell wirtschaftenden Bauern und den Kollegen, die bereits ihr Bio-Siegel in der Tasche haben. Die Qualität der Milch sei bei allen Käserei-Betrieben gleichermaßen hervorragend, versichert Leo. „Aber es haben halt viele einen alten Stall“, erklärt Leo. Um das Bio-Siegel zu bekommen, muss der Betrieb auch baulich hohe Anforderungen erfüllen. Anbindehaltung etwa wird nur toleriert, wenn das Vieh – nach dem Weidesommer – auch im Winter einen Auslauf hat. Um alle Vorgaben zu erfüllen, sind meist Neubauten nötig. Die sind teuer und werden mit Blick aufs Bauvolumen oft kritisch gesehen. „Den klassischen Einfirsthof wird es nicht mehr geben“, meint Leo. Die Anforderungen an Ställe und auch ans Wohnen der Familien seien andere geworden. Darauf müsse sich die Gesellschaft einstellen. „Das heißt aber nicht, dass jeder Stall 60 Meter lang sein muss“, merkt Leo an. Er halte es für wichtig, auch die kleinen Betriebe zu erhalten. Gerade die seien wichtig, um die viel beschworene Artenvielfalt zu befördern.

„Schrittweise und nicht überhastet“ will Johannes Niedermeier, Projektleiter der Käserei in Sachen Bio, die Umstellung vorantreiben. Der Käserei sei bewusst, dass die Umstellung aufwendig und für die Lieferanten kurzfristig nicht zu realisieren sei. Ein Termin, zu dem alle Betriebe die Zertifizierung geschafft haben müssen, ist nicht gesetzt. Ein Zeitfenster hat Geschäftsführer Stuffer aber schon im Blick: „In etwa sechs Jahren wollen wir soweit sein.“

Die Bio-Trinkmilch der Käserei stammt von den drei Landwirten, die jetzt schon das Bio-Siegel haben. 80 000 Liter im Jahr werden in der Flasche abgesetzt. Die Bauern erhalten für die Bio-Milch einen Zuschlag von fünf Cent pro Liter auf den Käserei-Milchpreis von 50 Cent. Die Biomilch wird dafür nun auch extra erfasst – bislang floss die gesamte Milch, ob konventionell oder im Biobetrieb erzeugt, in einen Tank.

Zu haben ist die Biomilch im Laden der Käserei, in Edeka-Märkten im Tegernseer Tal, in Münchner Feinkostläden und auch auf dem Viktualienmarkt.

Lesen Sie auch: Naturkäserei erhält Wirtschaftspreis.

Auch interessant: Dorfgespräch: Wie groß darf ein Stall sein. 

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