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Die auf 1260 Metern gelegene Buchsteinhütte unterhalb des Ross- und Buchstein.

Ursula und Gerhard Schwarz müssen gehen

Obwohl die Buchsteinhütte super lief: Münchner Verein feuert langjährige Wirtsleute

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Bitter: Neun Jahre lang haben die Wirtsleute Schwarz die Buchsteinhütte in Kreuth bewirtschaftet - und das richtig erfolgreich. Trotzdem müssen sie jetzt gehen. Der Grund empört nicht Wenige:

Kreuth – Es war nicht leicht für Gerhard Schwarz (56) und seine Frau Ursula, die Berggaststätte unterhalb des Ross- und Buchsteins in Kreuth in Schwung zu bringen. „Die ersten beiden Jahre wollten wir schon fast aufhören, so schlecht ist es gelaufen“, erzählt der Hüttenwirt. Doch das Ehepaar aus Putzbrunn hat die Durststrecke überwunden. Viele Einheimische entdeckten das idyllische und leicht erreichbare Bergdomizil wieder für sich und wurden zu Stammgästen. Der Betrieb kam ins Laufen. „Oft haben wir die Instrumente rausgeholt und gemeinsam aufgespielt“, erzählt der 56-jährige Noch-Pächter.

Doch damit ist ab Ostermontag Schluss. Im vergangenen Jahr flatterte ihm und seiner Frau die Kündigung ins Haus. Der Eigentümer der Hütte, der in München ansässige Hüttenverein Buchstein, wollte den Pachtvertrag mit den Eheleuten Schwarz nicht mehr verlängern. „Somit müssen wir leider gehen“, bedauert der 56-Jährige auf Nachfrage der Tegernseer Zeitung.

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Ein Abschied, der Schwarz in der Seele weh tut („wir haben sehr viele Freunde gewonnen“) und für den er bis heute keine offizielle Begründung kenne. Er wisse nur, dass der Verein in zwei Lager gespalten sei, meint Schwarz. Die älteren Mitglieder hätten ihn geschätzt und gerne als Wirt behalten, die jüngeren dagegen hätten sich von ihm zu wenig hofiert gefühlt, glaubt der scheidende Wirt. So kam es schließlich zu einer knappen Abstimmung innerhalb des Vereinsvorstands, der am Ende zu Ungunsten des Ehepaars ausfiel.

Vermittlungs-Angebot des Bürgermeisters wurde abgelehnt

Unter den Stammgästen ist das Bedauern über den Rausschmiss groß. Sogar die Alpenvereins-Sektion Tegernsee, die umliegenden Almbauern und Bürgermeister Josef Bierschneider hatten sich zwischenzeitlich eingeschaltet und sich für den Verbleib der Wirtsleute stark gemacht.

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„Als ich von der Kündigung erfahren habe, hab ich mich sofort hinters Telefon geklemmt, mit dem Vorsitzenden Kontakt aufgenommen und mich als Mediator angeboten“, berichtet Bierschneider. „Doch mein Angebot ist ausgeschlagen worden“, bedauert der Rathaus-Chef. Ihm sei die Kündigung „völlig unverständlich“. Die Familie Schwarz habe die Buchsteinhütte hervorragend geführt und zu einem beliebten Ziel für Einheimische gemacht. „Das war wirklich super“, meint Bierschneider.

Verein: „Es wurden nicht alle Gäste gleich behandelt“

Thomas Emberger, Vorsitzender des Hüttenvereins Buchstein, räumt auf Nachfrage ein, dass er persönlich das Ehepaar Schwarz für gute Hüttenwirte halte, „die sich viel Mühe gegeben haben, die Gäste mit Musik und guten Speisen zu unterhalten und zu versorgen“. Was folgt, ist ein großes Aber. So hätten die Wirtsleute nicht alle Gäste gleich behandelt, was sie aber hätten tun müssen, moniert Emberger. „Und wir haben es auf beiden Seiten nicht geschafft, die Probleme aus dem Weg zu räumen.“

Zugleich betont der Vorsitzende, dass der Verein den Wirtsleuten bei der Beendigung des Vertrags durchaus entgegengekommen sei. „Eigentlich wäre die Kündigung schon im vergangenen Jahr fällig gewesen, wir haben den Vertrag aber noch ein Jahr verlängert, damit die Wirtsleute genügend Zeit haben, sich umzuorientieren.“

Wirtsleute blicken in ungewisse Zukunft

Dennoch blickt das Ehepaar Schwarz derzeit in eine ungewisse Zukunft. Sie würden gerne wieder eine Hütte übernehmen, sagt Gerhard Schwarz. Spruchreif sei bislang aber nichts.

Nahtlos weitergehen wird es auch auf der Buchsteinhütte nicht. „Wir wollen zunächst einen Teil der Hütte renovieren, danach soll sie wieder bewirtschaftet werden“, versichert Emberger. Ein Nachfolger für die Wirtsleute Schwarz sei bereits gefunden. „Und es wäre schön, wenn auch der neue Pächter eine faire Chance bekommt, sich zu profilieren“, meint der Vorsitzende. Ganz sicher ist er sich da nicht: Der Verein habe nach der Kündigung der Familie Schwarz „schon heftig Gegenwind bekommen“.

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