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Gefällt nicht: Das Personalhaus der Gertraud Gruber Schönheitsfarm an der Nördlichen Hauptstraße.

Provoziert Gertraud Grubers Architekt absichtlich

Rathauschef richtig grantig über diese Fassade - und wittert Retourkutsche

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Den Kreuthern, vor allem ihrem Bürgermeister, passt diese Bretterfassade ganz und gar nicht. Dass der Architekt sein Werk als Fortführung der hiesigen Baukultur bezeichnet, hilft da wenig, scheint‘s.

Kreuth – Kreuth meint es ernst mit der heimischen Baukultur. So viel ist bekannt. Auch hat sich der Gemeinderat viel Mühe gegeben mit seiner Ortsgestaltungssatzung und hält seither eisern daran fest. Dennoch war sie am Donnerstag wieder Thema. „Wir müssen die Ortsatzung noch einmal anpassen“, forderte Bürgermeister Josef Bierschneider (CSU), lang nicht mehr so geduldig wie sonst. Den Grant des Rathauschefs hervorgerufen hat die Balkonfassade eines Personalhauses der Gertraud Gruber Schönheitsfarm. Elf Personalappartments wurden in das Anwesen an der Nördlichen Hauptstraße eingebaut, und auf drei Fassadenseiten wurden vom Giebel bis zum ersten Stock ungleiche, schmale Latten so verbaut, dass sich variierende Zwischenräume zwischen den einzelnen Brettern bilden. „Das entspricht nicht unserer Ortsgestaltungssatzung, und wir wollen das so auch nicht akzeptieren. Auch, um nicht Tür und Tor zu öffnen für weitere Experimente dieser Art“, stellte Bierschneider klar. „Der Architekt kommt nicht aus dem Landkreis und wollte mich belehren, dass diese Art der Verschalung eine Weiterentwicklung der hiesigen Baukultur sei“, zürnte der Rathauschef, und schüttelte den Kopf angesichts der Fotos, die eine Fassade und einen Balkon zeigen, die so auf dem genehmigten Bauantrag nicht dargestellt waren. Als Referenz hatte besagter Architekt die am Tegernsee üblichen Balusterbalkone angeführt. In der Baluster-Fortführung hinauf zum Giebelverschlag läge die Weiterentwicklung.

Robert Kasper (SPD) fand: „Das sieht aus wie ein Hühnerhaus“ und verwies auf das eine andere Ansicht, auf der ein ganz normaler Längsverschlag mit geraden Brettern zu sehen war. „Da geht’s doch auch“, grantelte er. Partei-Genosse Martin Walch war der Meinung: „Das passt gar nicht. Wir sollten alle Mittel ausschöpfen, damit das zurückgebaut wird.“ Und angesichts der „völlig unmotiviert in die Verschalung eingesetzten Fensterrahmen“ sagte Michael Unger: „Hier wird unsere Baukultur regelrecht mit Füßen getreten.“

Bierschneider mutmaßte, das der Architekt das bewusst gemacht habe, „um uns als Gemeinde zu ärgern“. Denn es gab bereits ein langes Streitgespräch zwischen dem Gemeindechef und demn Architekt wegen zweier WC-Fenster, die in eine Reihe gebracht werden sollten, um einen harmonischen Eindruck zu machen. „Für mich ist das die Revanche. Wir sollten versuchen dagegen vorzugehen“, forderte auch Bierschneider, der mit seiner Haltung das Landratsamt auf Seiten Kreuths wusste. Auch wenn der Bauherrin der außergewöhnliche Verschlag zusage, will ihn der Gemeinderat einstimmig so nicht haben.

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