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Klein und wendig sind die E-Scooter, die seit Kurzem auch für den Straßenverkehr zugelassen sind. Nicht jeder ist ein Freund der kleinen Flitzer.

Reaktionen auf neuen Boom fallen im Landkreis gemischt aus

„Lebensgefährlich“: Roller-Pionier Zehendmaier aus Kreuth hält nichts von E-Scootern

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Sie sind klein, wendig – und nun auch offiziell zugelassen: E-Scooter könnten das Bild auf den Straßen verändern. Doch Roller-Pionier Franz Zehendmaier aus Kreuth hält die Flitzer für „lebensgefährlich“.

Kreuth – „Ich bin enttäuscht, was unsere Politiker da genehmigen.“ Zweihändler Franz Zehendmaier macht aus seinem Ärger keinen Hehl. Dass die kleinen Elektroroller, auch E-Scooter genannt, seit 15. Juni in Deutschland für den Straßenverkehr allgemein zugelassen sind, hält er für einen riesigen Fehler. Viel zu gefährlich, sagt der 69-jährige Kreuther, der nicht nur im Landkreis Miesbach, sondern weit darüber hinaus als Pionier in Sachen Roller-Entwicklung gilt. Seiner Zeit war er dabei stets voraus: Seit rund 15 Jahren baut der Mann mit dem langen weißen Rauschebart mittlerweile auch Roller mit Elektroantrieb, 2010 bekam er für sein Modell sogar den Bundesinnovationspreis.

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Die E-Scooter, wie sie nun „von der Stange“ zu bekommen sind, hält Zehendmaier für ein echtes Sicherheitsrisiko. Das Trittbrett sei nicht breit genug für beide Füße nebeneinander, die Roller hätten weder Rückspiegel noch Sitz. Unfälle seien da programmiert. Der Kreuther ist sich sicher: „Unsere Krankenhäuser werden viel zu tun bekommen.“ Immerhin bringen es die E-Scooter auf bis zu 20 km/h.

Seit 15 Jahren baut Franz Zehendmaier auch Roller mit Elektro-Antrieb.

Das ist bei „Rosi“ nicht anders. So heißen die Roller Zehendmaiers, die der 69-jährige Tüftler auf individuellen Kundenwunsch in seiner Werkstatt am Tegernsee produziert. Auch „Rosi“ erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 20 Sachen, ist aber ausgestattet mit massiven Reifen, breitem Trittbrett, Sattel, Bremsen und Rückspiegel. Auf Wusch kommen Extras hinzu. Mit jedem einzelnen Roller fahre er zum TÜV, berichtet Zehendmaier. Erst dann sei er für den Straßenverkehr zugelassen. Beachtliche 3000 Euro legen die Kunden für „Rosi“ durchschnittlich hin, dafür laufe diese dann zehn bis 15 Jahre, versichert der Hersteller. Die E-Scooter dagegen hätten nur eine kurze Lebensdauer. „Und wer entsorgt die dann?“, fragt sich Zehendmaier. „Das hat mir schon schlaflose Nächte bereitet.“ Von einer breiten Nutzung oder gar einem Verleih im Landkreis Miesbach würde er daher dringend abraten.

Reaktionen auf E-Scooter-Boom fallen im Landkreis gemischt aus

Dagegen kann sich Harald Gmeiner, Vorstand des Kommunalunternehmens Alpenregion Tegernsee-Schliersee (ATS), die neuen E-Scooter als ergänzendes Verkehrsmittel durchaus vorstellen – vor allem für Touristen in der Region. „Wir suchen immer Mobilitätsangebote vor Ort“, sagt er. Allerdings brauche es dafür zunächst einmal entsprechende Leistungsträger, also Händler und Verleih-Stationen, die die Roller anbieten.

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Einer, der schon vor einigen Jahren Erfahrungen mit E-Rollern gemacht hat – allerdings eher schlechte –, ist Sven Hermann. Der Inhaber des Fahrradverleihs Schliersee hatte solche Gefährte bereits im Sortiment, genutzt wurde das Angebot aber nur spärlich. „Unsere Straßenverhältnisse sind einfach nicht geschaffen für die Roller“, meint Hermann. Es gebe zu wenige Radwege, wo damit gefahren werden könnte.

Der Ruf nach den kleinen Elektro-Rollern war im Landkreis bisher also sehr verhalten. Auch in der Marktgemeinde Holzkirchen, die bekanntlich über den Bürgerservice einen eigenen E-Bike-Verleih betreibt. Nachfragen nach E-Scootern gab es hier noch nicht. Dennoch werde die Marktgemeinde das Thema aufmerksam verfolgen, erklärt Eva-Maria Schmitz, Leiterin der Standortförderung, auf Nachfrage. Ob die Trendwelle tatsächlich bis nach Holzkirchen schwappt, bleibe abzuwarten. Vorstellbar sei die neuartige Mobilität, so Schmitz, vor allem für die Verbindungen vom Bahnhof in die Gewerbegebiete.

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gab/tas

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