Die Gemeinde Kreuth hat sich dem nachhaltigen Tourismus verschrieben. Seit drei Jahren darf sich der Ort nun schon mit dem Siegel Bergsteigerdorf schmücken.
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Die Gemeinde Kreuth hat sich dem nachhaltigen Tourismus verschrieben. Seit drei Jahren darf sich der Ort nun schon mit dem Siegel Bergsteigerdorf schmücken.

Mit dem DAV in ständigem Kontakt

Seit drei Jahren Bergsteigerdorf: Was das Siegel für Kreuth bedeutet

  • Christina Jachert-Maier
    VonChristina Jachert-Maier
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Die Gemeinde Kreuth ist stolz auf ihr Siegel: Seit drei Jahren darf sich der Ort Bergsteigerdorf nennen. Doch hat das Prädikat dauerhaft Bestand?

Kreuth – Drei Jahre sind ins Land gezogen, seit Kreuth im Juli 2018 feierlich das Siegel Bergsteigerdorf erhalten hat. Das Prädikat steht für nachhaltigen Tourismus, aber vor allem für das Bewusstsein, sorgsam mit der Natur umzugehen. In Bayern dürfen sonst nur Ramsau, Sachrang und Schleching das vom Deutschen Alpenverein (DAV) verliehene Label tragen. Nach drei Jahren, so hieß es bei der Verleihung, werde das Qualitätssiegel noch einmal überprüft.

Kommt das Siegel Bergsteigerdorf nun auf den Prüfstand?

Macht sich die DAV-Kommission also demnächst wieder auf den Weg nach Kreuth, um nachzusehen, ob alle Kriterien für das Prädikat noch erfüllt sind? Schließlich hat sich manches geändert. In Wildbad Kreuth etwa führt nun Hotel-Mogul Korbinian Kohler die Regie. Als Ziel hat er den Umbau des herzoglichen Anwesens zum weltbesten Mental Retreat ausgerufen. Bis die Arbeiten beginnen, lässt Kohler den befreundeten Luxus-Caterer Ulrich Dahlmann den ehrwürdigen Festsaal, die Molkehalle und sogar die Bergwiese als Event-Location vermarkten. Das sorgt für Argwohn. Wird das Idyll zur Partymeile?

Beim DAV schrillen deshalb nicht die Alarmglocken. Ohnehin ist keine erneute Zertifizierung fällig. „Das Siegel wird in dem Sinn nicht erneuert, sondern bleibt bestehen“, erklärt Veronika Sturm als Sprecherin des DAV. Eine regelmäßige Überprüfung in Form von Ortsterminen finde derzeit nicht statt.

DAV und Bergsteigerdorf Kreuth stehen in ständigem Austausch

Das bedeutet keineswegs, dass ein einmal erworbenes Siegel nicht mehr infrage steht. Vielmehr pflegt der Deutsche Alpenverein regelmäßigen Kontakt zu „seinen“ Bergsteigerdörfern und hakt gegebenenfalls ein. Ansprechpartner für Kreuth ist beim DAV Tobias Hipp, der gerade im Urlaub weilt. Mit ihm steht Kreuths Bürgermeister Josef Bierschneider im steten Austausch. „Sollte uns ein Verstoß gegen ein relevantes Bergsteigerdorf-Kriterium bekannt werden, wird zunächst das Gespräch mit der Gemeinde gesucht“, erklärt DAV-Sprecherin Sturm. Schließlich seien es die Bergsteigerdörfer selbst, die Interesse daran haben, die Kriterien einzuhalten: „Wir als Alpenverein unterstützen sie dabei.“

Laserfeuerwerk und Bergsteigerbus: Kreuth mit kreativen Ideen

Den regelmäßigen Austausch mit dem DAV und den anderen Bergsteigerdörfern schätzt Bürgermeister Bierschneider sehr. „Ich bin davon überzeugt, dass es die richtige Entscheidung war, sich um das Siegel zu bewerben“, sagt er. Es war auch ein langer Weg dorthin: Bereits seit 2014 hatte sich Kreuth um das Prädikat und die Aufnahme in das Netzwerk bemüht. „Es ist ein laufender Prozess“, erklärt Bierschneider. Das Bewusstsein, was Nachhaltigkeit bedeutet, sei gewachsen und habe viele kreative Ideen vom Laserfeuerwerk über den Bergsteigerbus bis hin zum Bergsteiger-Aschenbecher in der Munitionsdose hervorgebacht. „Hintergrund ist die Selbstverpflichtung, nichts zu tun, was das Siegel gefährden könnte“, meint der Bürgermeister. Eine neue Skitrasse durch die Wälder, ein Hotelturm auf dem Weg, ein Motorsport-Dorado: undenkbar im Bergsteigerdorf Kreuth.

Auswirkungen auf Tourismus mit Zahlen schwer belegbar

Dafür ist – gerade in der Pandemie – der Einkauf regional erzeugter Lebensmittel Trend geworden, auch wenn’s etwas teurer ist als im Discounter. Wie sehr sich das Siegel Bergsteigerdorf Kreuth auf den Tourismus auswirke, lasse sich schlecht in Zahlen dokumentieren, macht Bierschneider deutlich. Aber er erhalte viele positive Rückmeldungen. „Die Urlauber nehmen das schon wahr.“

Wildbad Kreuth: Bürgermeister vertraut auf Absprachen

Was die Zukunft von Wildbad Kreuth und aktuell die Vermarktung durch Caterer Dahlmann angeht, setzt Bierschneider darauf, dass Absprachen eingehalten werden. Es handle sich um ein bestehendes Gebäude, das lediglich eine neue Nutzung erfahre, erinnert der Bürgermeister. Es dürfe kein riesiger Bettentrakt vor die historische Fassade geschoben werden, aber das sei auch nicht geplant. Caterer Dahlmann gehe es in erster Linie um die Nutzung der Molkehalle, nicht um rauschende Parties auf der Bergwiese. Dieser Zusicherung vertraue er, macht Bierschneider deutlich: „Ich halte es auch nicht für richtig, jedem erst einmal mit Misstrauen zu begegnen.“

jm

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