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Polit-Profi im Gespräch: Sigmar Gabriel, bis März Bundesaußenminister und nach wie vor Bundestagsabgeordneter, stand in der Naturkäserei in Kreuth Rede und Antwort.

Sigmar Gabriel in Kreuth

Genosse im Revier der einstigen Kabinettskollegin

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Im Revier seiner einstigen Kabinettskollegin hat Sigmar Gabriel am Samstag ihrer direkten Landtagswahl-Konkurrentin Schützenhilfe im Wahlkampf gegeben. Der prominente Genosse trat in der Naturkäserei Kreuth auf.

Kreuth – Mit dem ehemaligen Vize-Kanzler und Außenminister Sigmar Gabriel kam ein erfahrener Polit-Profi zum SPD-Wahlkampf-Frühschoppen nach Kreuth. Etwa 60 Besucher lockte er in die Naturkäserei – darunter SPD-Gemeinderäte aus dem Tegernseer Tal, aber auch einige Urlauber.

„Es ist ein Zeichen großer bayerischer Liberalität, dass ihr einen Preußen wie mich einladet“, dankte das SPD-Urgestein der Landtagskandidatin Verena Schmidt-Völlmecke für die Einladung ins Revier von deren direkter Konkurrentin als Direktkandidatin im Stimmkreis, Ilse Aigner (CSU), mit der Gabriel gemeinsam im Bundeskabinett saß. „Ilse hätte bayerische Ministerpräsidentin werden sollen“, sagte Gabriel. „Aber sie ist zu anständig, als dass sie genommen wird.“

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Mit Schmidt-Völlmeckes Frage, wie mit fremdenfeindlichen, antidemokratischen Wut- und Hasstiraden umzugehen sei, die als Brandstifter agierten, lief sich Sigmar Gabriel warm. „Dem Land geht es wirtschaftlich gut und dennoch herrsche eine seltsame Stimmung.“ Manche Dinge seien in den zurückliegenden 60 Jahren einfach nicht erledigt worden. „Da sind die Parteien, aber ebenso die Landkreise und Gemeinden gefragt. Die Leute verzweifeln daran, dass wir Reden halten, aber nix passiert.“ Das sei die Mutter der Probleme, nicht die Flüchtlinge.

Dass das Land jetzt so nervös reagiere, rechnete er dem Auseinanderfallen von Stadt und Land, von alten und neuen Bundesländern, der Mietpreisentwicklung und der Zuwanderung zu. Lebensleistungen gelte es zu würdigen und Lebensperspektiven zu schaffen. Man müsse das Land auch wieder mehr loben: „Deutschland ist ein gutes Land. Wir können stolz sein auf das, was wir geschaffen haben.“

Er forderte dennoch, dass Entscheidungen mehr in die Zukunft gerichtet sein sollten. Statt den Staat zu „verschlanken“, forderte er, in Lehrer und Polizisten zu investieren. Immerhin: „In Bayern gilt der Staat noch was. Hier wurde er nicht kulturell herabgewürdigt oder zusammengespart“, fand Gabriel.

Der ehemalige Außenminister warnte davor, sich weiter nur auf sich selbst zu konzentrieren: „Weil wir nicht eingegriffen haben, sind wir jetzt mitten drin in der Syrienkrise.“ Er betonte, welch großer Schatz die EU sei: „Es gibt keine Region der Welt, in der es gelungen ist, dass innerhalb einer Generation aus erbitterten Feinden Freunde geworden sind. Deshalb müssen wir unserer gemeinsamen europäischen Stimme Gehör verschaffen.“ Ohne Europa habe auch Bayern keine Zukunft.

Wähler ernst zu nehmen, praktizierte er in der anschließenden Diskussion selbst, als er sich mit einer Jungsozialistin über den Klimaschutz oder einem Gast aus dem Ruhrgebiet über Asylpolitik auseinandersetzte.

Gabriel machte klar: „Wir befinden uns an einer historischen Schwelle. An den Entscheidungen, die wir heute treffen, werden wir uns noch in Hunderten Jahren messen lassen müssen.“ 

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