Die Schleifen stehen für Solidarität: Korbinian Kohler hat sie an den Bäumen vor seinem Hotel Bachmair-Weissach befestigen lassen.
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Die Schleifen stehen für Solidarität: Korbinian Kohler hat sie an den Bäumen vor seinem Hotel Bachmair-Weissach befestigen lassen.

Solidarität mit Opfern des Lockdowns

Korbinian Kohler startet Spendenaktion: 100.000 Euro für Kinder und Jugendliche

  • Christina Jachert-Maier
    vonChristina Jachert-Maier
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Mit der Wiedereröffnung seiner Hotels hat Korbinian Kohler eine Spendenaktion gestartet. Sein Ziel: 100.000 Euro für Kinder und Jugendliche, die unter den Folgen des Lockdowns leiden.

Weissach – Die Farbe Orange gehört zur Marke des Bachmair-Weissach. Dass Unternehmer Korbinian Kohler Schleifen in dieser Farbe um die Bäume vor seinem Luxushotel in Weissach gewunden hat, ist aber mehr als ein PR-Gag. „Es geht um Solidarität“, sagt Kohler. Mit den Opfern der Krankheit und den Menschen, die sich um Corona-Patienten kümmern. Ganz besonders aber hat Kohler die Opfer der Lockdown-Politik im Auge. Für die jüngsten unter ihnen hat er eine Spendenaktion gestartet. Einen Euro pro Übernachtung will Kohler an eine – noch auszuwählende – Organisation stiften, die Kindern und Jugendlichen hilft, die Folgen des Lockdowns zu überwinden. „Viele unserer Kinder und Jugendlichen haben starke psychische Probleme, große Bildungslücken oder müssen mit den Folgen von Misshandlungen fertig werden“, weiß Kohler. Die Lage sei so schlimm, dass im psychosozialen Bereich tätige Kliniken nur akut Suizidgefährdete aufnehmen könnten.

Ein Euro pro Übernachtung

Bis zum Jahresende, so Kohler, wolle er eine Summe von 100 000 Euro zusammenbekommen. Durch die Ein-Euro-Spende pro Übernachtung dürften etwa 60 000 Euro zusammenkommen. Er hoffe, auch Gäste für Spenden gewinnen zu können.

Nach vorne schauen, das will Kohler jetzt. „Es tut sehr gut, dass es endlich wieder losgeht“, meint Kohler, dessen Hotelbetrieb seit Samstag wieder läuft. Er sei Landrat Olaf von Löwis dankbar, dass er sich bei der Staatsregierung für eine Sondergenehmigung zur früheren Öffnung eingesetzt habe, meint Kohler. „Wir haben die Chance auf Öffnung auch gleich genutzt, obwohl es nicht einfach war, den ganzen Betrieb in zwei Tagen hochzufahren.“ Das Hotel sei derzeit nur moderat gebucht, obwohl das Haus zu Pfingsten eigentlich voll gewesen wäre. Doch wegen des langen Lockdowns musste das Hotel den Gästen absagen. „Die sind jetzt woanders“, weiß Kohler. Zum Glück kamen spontan neue Buchungen. Und für die nächsten Monate liegen schon viele Reservierungen vor. „Wir rechnen mit einem guten Sommer“, sagt Kohler.

„Wie ein ausgetrockneter Schwamm“

Der Samstag war für ihn ein Freudentag. Seine 200 Mitarbeiter hat der Unternehmer zu 95 Prozent wieder aus der Kurzarbeit geholt. Man spüre deren große Motivation und den Drang, den Beruf, der auch Berufung sei, wieder auszuüben, schildert Kohler: „Jeder ist wie ein ausgetrockneter Schwamm.“ Dass das Haus nur mäßig ausgelastet sei, habe auch sein Gutes: „So können wir uns langsam wieder an den Vollbetrieb herantasten.“

Die Auszubildenden und die Küchenchefs hat Kohler schon vor ein paar Wochen wieder ins Haus geholt. „Die Lehrlinge müssen das Praktische lernen.“ Also gab’s Koch- und Serviertrainings, alles ohne Gäste. Finanziell sei das ein Kraftakt gewesen, sagt Kohler. Schließlich werde die Überbrückungshilfe III erst diese Woche ausbezahlt. „Ansonsten haben wir seit Januar keinen Euro verdient.“

Dankbar ist Kohler für die Solidarität seine Mitarbeiter, der Gäste und Handwerker. Auch ihnen gelten die Solidaritätsschleifen. Dagegen fühlte sich die Branche von der Politik oft im Stich gelassen. „Wir hatten den unerträglichen Zustand, dass wir mit einer Inzidenz von 101 oder 103 nicht aufmachen durften, die Leute aber in Risikogebiete mit einer Inzidenz bis 200 fahren konnten“, erinnert Kohler. In seinen Augen sei das nicht durchdacht gewesen, eine reine Symbolpolitik. „Und wir waren die Leidtragenden.“  

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