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Infos zum naturnahen Wald: bis 1300 Meter Höhe führte die Exkursion, bei der die Bayerischen Staatsforsten ihr Naturschutzkonzept für den Forstbetrieb Schliersee vorstellten.

Forstbetrieb stellt sein Naturschutzkonzept vor

Mehr Urwald, mehr Totholz - aufgeräumt wird nicht mehr

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Kreuth – Dem Forstbetrieb Schliersee gehört der meiste Wald im Landkreis. In Luftiger Höhe bei Kreuth stellte der Staatsforsten-Chef sein neues Naturschutzkonzept vor.

Mehr Tanne, mehr Totholz, ja sogar mehr Urwald. Bei einer kleinen Exkursion, die auf großes Interesse stieß, haben die Bayerischen Staatsforsten ihr regionales Naturschutzkonzept für den Forstbetrieb Schliersee vorgestellt. Dessen Zuständigkeit reicht vom Hofoldinger Forst bis nach Rosenheim, vom Achenpass bis zur Hochries. Rund 34 000 Hektar Wald bewirtschaften die Bayerischen Staatsforsten hier – gut 80 Prozent davon im Gebirge. 

Das Konzept, das eine bessere Vereinbarkeit von forstlicher Nutzung der Wälder und dem Umweltschutz vorsieht, haben die Staatsforsten nun in Kreuth präsentiert. Vertreter aus der Politik und von Verbänden aus den Bereichen Jagd, Almbauernwirtschaft und Naturschutz nahmen an einer kleinen Waldbegehung bis auf etwa 1300 Meter Höhe teil.

Dass die Wälder selbst auf dieser Höhe kein Urwald mehr sind, machte der Vorstandsvorsitzende der Bayerischen Staatsforsten, Martin Neumeyer, gleich zu Beginn klar. Seit der Römerzeit sei der Wald hier bewirtschaftet worden. Spätestens mit der Holzwirtschaft für die Saline Rosenheim vor 200 Jahren sei der Wald von Menschenhand gestaltet. 

Eine Generation Wald umfasst 500 Jahre

Eine „Generation Wald“ umfasst in etwa 500 Jahre, der Mensch ist da nur für kurze Zeit ein Begleiter der Bäume. Eine nachhaltige Planung müsse also weit über eine menschliche Lebenszeit hinausreichen, so Neumeyer. Den einzig noch existierenden Urwald am Totengraben, der vermutlich seit acht Generationen, also 4000 Jahre, weitgehend unberührt ist, wollen die Staatsforsten bis 2017 in seiner Fläche deutlich erweitern.

Der letzte Urwald steht in Wildbad Kreuth

Ansonsten hat sich der Forstbetrieb Schliersee zum Ziel gesetzt, mit Hilfe vieler kleiner Naturschutzinseln die Artenvielfalt im Staatswald zu sichern. Dafür sollen bei der Waldbewirtschaftung Flächen mit Biotop-Bäumen und Totholz berücksichtigt werden. Diese abgestorbenen oder in Teilen beschädigten Bäume werden nicht gefällt und können somit der Artenvielfalt dienen, weil in ihnen Vögel, Insekten und kleine Tiere ihren Lebensraum finden. 

„Der Wald wird eben nicht aufgeräumt, wie viele von uns verlangen“, stellt einer der Mitarbeiter klar. „Außer es ist nötig, weil zum Beispiel Borkenkäfer-Befall es verlangen würde.“ Die Biotop-Bäume sind im Wald mit einer blauen Wellenlinie gekennzeichnet. Das Revier Schliersee besitzt übrigens den umfangreichsten Totholzbestand in Bayern.

Suche nach dem Dreiklang: Fichte, Buche, Tanne

Des Weiteren will der Forstbetrieb mit einer weit angelegten Aktion das Tannenvorkommen stärken. Ziel ist es, dass naturnahe, strukturreiche Bergmischwälder entstehen. Im Schnitt sind die Bäume um die 150 Jahre alt, Fichten und Buchen dominieren dabei. Das sei vor etwa 30 Jahren nicht zu erwarten gewesen, damals habe man sich um den Buchenbestand gesorgt. „Heute muss der Dreiklang Fichte-Buche-Tanne wieder hergestellt werden“, sagte Forstbetriebsleiter Christoph Baudisch. Inwieweit der Tannen-Anteil gefördert und trotz des zu erwartenden Klimawandels erreicht werden kann, darüber diskutierten die Exkursionsteilnehmer konträr. Auch der Grundsatz „Wald vor Wild“, der so manchen Jäger ärgert, wurde angesprochen.

Um die Ansprüche von Wild und Freizeitsportlern in Einklang zu bringen, werden auch weiterhin einzelne Zonen für die jeweilige Nutzung ausgewiesen. „Es geht nur, wenn jeder dem anderen Raum für seine Bedürfnisse lässt“, forderte Neumeyer am Ende der Begehung. Nicht gegeneinander, sondern miteinander müsse man den Naturschutz gestalten.

Sonja Still

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