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Auf dem Grundstück am Erlenweg sollen zwei weitere Einfamilienhäuser mitsamt Doppelgaragen entstehen. Der Gemeinderat versucht, das zu verhindern.  

Am Erlenweg 

Kreuth gegen Landratsamt: „Uns Einheimischen geht’s an den Kragen“

Ober sticht Unter, heißt es. Aber der Kreuther Gemeinderat will sich nicht damit abfinden, dass das Landratsamt eine Bebauung im Erlenweg genehmigen möchte. 

KreuthEs geht um das Areal zwischen Erlenweg, Hessenbichlweg und Am Wiesenbach in Reitrain, das derzeit mit Einfamilien-, Mehrfamilienhäusern und einer Wohnanlage bebaut ist. Für das rund 4000 Quadratmeter große Grundstück im Erlenweg 5, auf dem bis dato nur ein Einfamilienhaus steht, hatte der Besitzer schon im Juni eine Voranfrage gestellt: Demnach sollen dort über einen Bauträger die Bestandsimmobilie um eine Doppelgarage erweitert und zwei Einfamilienhäuser mit Doppelgaragen neu gebaut werden. Kreuth versagte die Genehmigung, weil sich ein Teil des Grundstücks im Außenbereich befinde.

„Das Landratsamt sieht das anders“, erklärte nun Bürgermeister Josef Bierschneider (CSU) im Gemeinderat. „Es stellt uns frei, das Einvernehmen doch noch zu erteilen“. Danach würde es das Landratsamt Miesbach als übergeordnete Behörde ersetzen und dem Bauvorhaben seinen Segen geben.

Mit Blick auf ein kurz vor der Sitzung eingegangenes Schreiben des Rechtsanwalts des Antragstellers schlug Bierschneider vor, das Einverständnis weiterhin zu verweigern und eine Veränderungssperre für das Gebiet zu erlassen. Obendrein möchte die Gemeinde einen Bebauungsplan für das gesamte Gebiet Wiesenbach aufstellen. „Es ist besser, einen Bebauungsplan zu erstellen, als scheibchenweise Ausnahmen zu prüfen und zu bewilligen“, meinte der Rathaus-Chef.

Diese Haltung kam beim Gemeinderat gut an. Markus Wrba (FWG) fand: „Die Veränderungssperre und ein Bebauungsplan sind das einzige Instrument, um dem Ausverkauf unserer Heimat entgegenzuwirken. Inzwischen geht es uns an den Kragen, was die Bewertung der Grundstücke angeht. Wenn nur die Gewinnmaximierung im Vordergrund steht, geht es uns Einheimischen nass ein.“

Martin Walch (SPD) schloss sich an: „Ein Grundstück nach dem anderen fällt einer massiven Bebauung zum Opfer. Diesem Dominoeffekt müssen wir Einhalt gebieten.“ Zudem schlug Walch vor, sich bei der Aufstellung des Bebauungsplans abzusichern und sich rechtlich beraten zu lassen. Vizebürgermeister Wolfgang Rebensburg (FWG) forderte: „Wir müssen die Initiative ergreifen und dürfen uns die Bauleitplanung nicht aus der Hand nehmen lassen.“ Er schlug vor, auch andere Gebiete hinsichtlich eines Bebauungsplans zu prüfen. Einstimmig in allen Punkten entschied das Gremium, sein Einvernehmen weiterhin zu verweigern, die Veränderungssperre zu verhängen und einen Bebauungsplan für das Gebiet Wiesenbach aufzustellen.

Das Landratsamt sieht den Fall nach wie vor anders: „Es handelt sich hier eindeutig um einen Innenbereich“, so Martin Pemler, Abteilungsleiter Bauen. Dies habe die Regierung von Oberbayern bei einem Ortstermin festgestellt. Das Landratsamt müsse die Entscheidung der Gemeinde nun zunächst akzeptieren. Verstehen könne man die Ablehnung des Bauvorhabens aber nicht: „Bei sechs Wohneinheiten auf einer 4100 Quadratmeter großen Fläche handelt es sich keinesfalls um eine unerwünschte Nachverdichtung“, so Pemler. „Da gibt es ganz andere Fälle.“ Wer so eine Größenordnung verhindere, mache sich nicht zum Retter der Baukultur. Pemler hält es nicht für ausgeschlossen, dass es zu einem Rechtsstreit kommen könnte, wenn der Bauwerber an seinem Vorhaben festhält.

Alexandra Korimorth

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