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Soll zugeschüttet werden: Grünes Wasserl am Tegernsee.

Über einem Biotop

Nachbarn verzweifelt, Umweltschützer schäumen: Landratsamt macht Weg frei für Lagerhalle am Ringsee

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Auf einer Lagerfläche am Grünen Wasserl, nahe des Ringsees, soll eine Splitthalle gebaut werden. Das Landratsamt hat jetzt sämtliche Ausnahmegenehmigungen erteilt. Warum nur?

Kreuth– Birgitt und Jochen Pagenberg stehen auf der Holzbrücke, die über das „Grüne Wasserl“ führt und sind fassungslos . „600 Kubikmeter Abraummaterial sollen hier aufgefüllt und das Biotop wieder um ein Stück zerstört werden? Das ist doch unglaublich.“ 

Um künftig zum 150 Meter entfernten Kieswerk zu kommen, muss eine neue Zufahrt gebaut werden, sie braucht einen festen Untergrund. Die Zufahrt ist Teil eines Gesamtkonzepts, das Elisabeth Dießl, Eigentümerin der 6900 Quadratmeter großen Lagerfläche neben der B318, verwirklichen möchte. 

Grünes Wasserl wird zugeschüttet

Es geht um den Bau einer Lagerhalle für Straßensplitt und andere Naturerzeugnisse des Kieswerks. Die Halle soll 23 Meter lang, 14 Meter breit und 6,80 Meter hoch werden (wir berichteten). „Braucht’s diese monströse Halle?“, fragen sich die Pagenbergs angesichts des nahen Kieswerks, wo Lkw von Montag bis Freitag ihre Ladungen holen – mit Einverständnis von Familie Pagenberg.

Nachbarn reichen Klage ein

Die hat sich arrangiert mit dem Kieswerk und den Verhältnissen, als sie ihr Haus am See im Jahr 2002 kauften und entsprechende Verträge übernahmen. Doch so einen Eingriff in die Natur, wie jetzt genehmigt, wollen sie nicht mitmachen. Über ihre Anwälte haben sie Klage gegen den Freistaat Bayern, vertreten durch das Landratsamt Miesbach, beim Bayerischen Verwaltungsgericht München eingereicht. Sie fordern eine Aufhebung des Genehmigungsbescheids sowie einen Ortstermin des Gerichts mit einem Schaugerüst.

Landratsamt: Tal-Gemeinden brauchen den Split im Winter

Problemfeld: Dieser Lagerplatz ist nicht genehmigt. Mit der Genehmigung der Lagerhalle will das Landratsamt „diverse Problemfelder“ beseitigen.

Eine Halle für Splitt, wo doch gleich nebenan ein funktionierendes Kieswerk in Betrieb ist? Laut Birger Nemitz, Sprecher des Landratsamts, liegt ein Schreiben aller Tal-Bürgermeister vor, in dem diese das „öffentliche Interesse an der Errichtung einer Lagerhalle für Kieswerkserzeugnisse am Ringsee“ dokumentieren. Dadurch, so heißt es darin laut Nemitz, könnte der Streusplitt für den Winterdienst sowie feineres Material für den Wegebau und die Instandhaltung von Spazierwegen für die gemeindlichen Bauhöfe bereitgestellt werden“. Aus ökologischen Gründen werde die lokale Bezugsmöglichkeit befürwortet.

„Sind Naturzerstörung und Verschandelung der Landschaft wegen 150 Metern Transportweg zu rechtfertigen?“. Die Pagenbergs und viele weitere engagierte Talbürger, die inzwischen von dem Vorhaben gehört haben, bezweifeln das.

Völlig unverständlich, so die Kläger, sei auch die Kehrtwende des Landratsamts unter dem Grünen-Landrat Wolfgang Rzehak. 2013 hatte die Kreisbehörde noch angeordnet, dass die Nutzung des – damals nicht genehmigten – Lagerplatzes aufzugeben und der Lagerplatz einschließlich der Geländeauffüllungen zu beseitigen sei. Es handle sich um keine gewerbliche Fläche, zudem würde der Lagerplatz die Belange des Naturschutzes beeinträchtigen. „Die Flächen des Grünen Wasserls einschließlich der Uferbereiche erfüllen die Kriterien des gesetzlichen Biotopschutzes, der Lagerplatz beeinträchtige die Eigenart der Landschaft“, hieß es damals.

Landratsamt: Gesamtlösung mit zugeschüttetem Biotop löst „Reihe alter Missstände“

Und heute? „Der nun beschrittene Weg ermöglicht eine Gesamtlösung unter Einbeziehung aller Aspekte“, lässt Nemitz wissen. Von einer „hoheitlich und wegen des mehrfachen Eigentümerwechsel nicht durchsetzbaren Renaturierung“ ist in der Begründung die Rede, von „diversen Problemfeldern“ und einer „Reihe alter Missstände“. Mit der Genehmigung des Gesamtkonzepts würden alle Probleme gelöst.

Behörde kippt sämtliche Bauverbote von Landschafts- bis Hochwasserschutz - mit sonderbarer Begründung

In seinem Bescheid zeigt sich das Landratsamt nicht kleinlich: Es befreit die Fläche von den Vorschriften der Landschaftsschutzverordnung, da das „Einzelinteresse überwiege und die Abweichung mit den Belangen von Naturschutz und Landschaftspflege vereinbar sei. In Sachen Bauverbot an Gewässern erteilt das Amt ebenso eine Ausnahmegenehmigung wie beim gesetzlichen Biotopschutz. 

Begründet wird dies mit überwiegend öffentlichem Interesse wegen des Splittverkaufs. Über das Bauverbot innerhalb des Überschwemmungsgebiets von Tegernsee und Weißach wird ebenfalls hinweggesehen wie über das „Einfügeverbot“ – (doppelte Höhe der Halle gegenüber dem Nachbarhaus). Ein paar Auflagen müsse die Bauherrin allerdings erfüllen: Sie muss den westlichen Lagerplatz zurückbauen und den Uferbereich renaturieren, einen Lärmschutzwall zum Nachbarn bauen, die Zufahrt verlegen und einen Status Quo festschreiben.

Bereits im April, nach einer dreiseitigen Anfrage des Miesbachers Karl Brutscher, hatte das Landratsamt erklärt, dass die Situation am Grünen Wasserl und das Gesamtkonzept ein gutes Beispiel dafür seien, mit welch verwickelten Sachverhalten die Behörde konfrontiert würden. Hier sei es gelungen, eine für alle Seiten tragbare Lösung zu finden. Ein Affront in den Augen der Naturschützer.

Georg Dießl möchte zu dem Vorhaben seiner Tochter aus Gründen des Datenschutzes nicht Stellung nehmen. Es handle sich um „private Dinge“, wie er sagt.

Sollte Familie Pagenberg es tatsächlich schaffen, dass es zu einem Ortstermin mit dem Verwaltungsgericht kommt, dann bleibt ihm wohl nichts anderes übrig, als sich doch zu äußern.

gr

Lesen Sie auch ein Gegenbeispiel aus der Region: Der Mayr Karl und sein Mühlbach - ein Porträt eines Tegernseer Fischers - und Kraftwerkbetreibers

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