1. Startseite
  2. Lokales
  3. Tegernsee
  4. Kreuth

Ukrainischer Superstar besucht Geflüchtete am Tegernsee - „In Europa versteht man nicht, was wir brauchen“

Erstellt:

Von: Christina Jachert-Maier

Kommentare

Besondere Tischrunde: Masha Efrosinina (vorne, l.) mit Korbinian Kohler (r.) und (v.l.) Daniela Giller, Katrin Kösters, Alexandra Fleischer, Ivanna Honak, Johann und Rose Maria Kwaterew, Karolin Dontschenko.
Besondere Tischrunde: Masha Efrosinina (vorne, l.) mit Korbinian Kohler (r.) und (v.l.) Daniela Giller, Katrin Kösters, Alexandra Fleischer, Ivanna Honak, Johann und Rose Maria Kwaterew, Karolin Dontschenko. © Thomas Plettenberg

In der Ukraine ist Masha Efrosinina (42) eine bekannte Fernsehmoderatorin, ein Star. Auf der Flucht vor den Bomben hat sie Kiew verlassen. Als Botschafterin kämpft sie für ihre Heimat – und besucht ihre Landsleute.

Weissach – Alle Ukrainer kennen Masha. Auch Johann Kwaterew (72) aus Charkow, der kein allzu großer Fan glitzernder TV-Shows ist, anders als seine Tochter Rose Maria, noch ein Teenager. Aber Masha Efrosinina ist im ukrainischen Fernsehen als TV-Moderatorin sehr präsent. Ihre Sendungen heißen zum Beispiel „Dancing with the Stars“ und „American Idol“, sie gilt als einflussreichste ukrainische TV-Persönlichkeit. Nie hätte Rose Maria gedacht, dass sie und ihr Vater mit der Fernseh-Masha an einem Gartentisch in der Sonne sitzen und reden würden.

Tegernsee: Ukrainischer Superstar Masha Efrosinina bei Treffen im Bachmair Weissach

Aber so war es am Dienstag. Man traf sich im Hotel Bachmair Weissach. Dort ist Masha Efrosinina derzeit als Begleitung von Celebrity-Managerin Daniela Giller zu Gast. Johann Kwaterew und seine Familie wiederum gehören zu den insgesamt 44 Ukraine-Flüchtlingen, die Hotelier Korbinian Kohler in Wildbad Kreuth untergebracht hat. Eigentlich wollte Efrosinina ihre Landsleute dort besuchen. Doch Anfang der Woche zogen die Geflüchteten in Wohnungen im Tegernseer Tal um, die Gästezimmer in Wildbad Kreuth stehen bald wieder für Urlauber zur Verfügung. Kohler lud die Geflüchteten stattdessen zu einem Treffen mit der Moderatorin in den Garten des Bachmair Weissach ein.

(Unser Tegernsee-Newsletter informiert Sie regelmäßig über alle wichtigen Geschichten aus Ihrer Region. Melden Sie sich hier an.)

Zeit hatte nur eine Handvoll. „Viele arbeiten ja inzwischen“, berichtet Katrin Kösters. Sie hat sich mit viel Engagement um die in Wildbad Kreuth untergebrachten Ukrainer gekümmert. Ihr Ehemann Thomas ist Geschäftsführer des Hotels. „Ohne Katrin wäre das alles nicht gegangen“, lobt Kohler bei der Tischrunde mit Masha ihren Einsatz.

Tegernsee: Masha Efrosinina setzt ihre Popularität für die Unterstützung ihres Landes ein

Wie das alles gekommen ist, will Efrosinina von Kohler und ihren Landsleuten am Tisch wissen. Wie der Weg aus der ukrainischen Hölle ins beschauliche Kreuth führen konnte. Sie fragt wie eine Freundin. Die Fernseh-Masha ist weit weg. Die war eine glamouröse Erscheinung mit strahlendem Lächeln. Die Masha am Gartentisch trägt eine weite Hemdbluse und kein Make up, der einzige Schmuck ist ein blaugelbes Band ums schmale Handgelenk. Sie will nicht lächeln für den Fotografen. Seit Russland die Ukraine angegriffen hat, ist Masha Efrosinina keine Unterhaltungskünstlerin mehr. Ihre Popularität und ihre Reichweite auf Instagram (2,1 Millionen Follower) sowie YouTube (über 500 000 Follower) setzt sie jetzt dafür ein, ihr Land zu unterstützen.

UN-Botschafterin und Stimme der Frauen aus der Ukraine

Auch früher schon stand ihr der Sinn nicht nur nach Show und Comedy. Efrosinina leitet zwei eigene Wohltätigkeitsstiftungen, gilt als Stimme der Frauen in der Ukraine und ist UN-Botschafterin. Mit dem Ehepaar Selenskyj ist die Moderatorin gut bekannt. Und sie hat die gleiche Botschaft an den Westen wie der ukrainische Präsident, der vor seiner politischen Karriere ebenfalls als Schauspieler und Komiker die Herzen eroberte. Nimmermüde und zornig fordert die 42-Jährige in einprägsamen Englisch mehr Unterstützung für die Ukraine im Kampf gegen Russland. „In Europa versteht man nicht, was wir brauchen.“ Keine Mitleidsbekundungen und mehr als die Bereitschaft, Geflüchtete aufzunehmen. Die Ukrainer wollten in ihr Land zurück, ihre Kultur erhalten und in Europa echte Wertschätzung erfahren. Stattdessen gehe der Krieg immer weiter: „Und niemand weiß, wie lange er noch dauert.“

Noch mehr aktuelle Nachrichten aus dem Landkreis Miesbach und der Tegernsee-Region finden Sie auf Merkur.de/Tegernsee..

Auch interessant

Kommentare