Maskenpflicht auf 1650 Metern Höhe: Die Corona-Auflagen und der Umbau bestimmten heuer die Sommersaison auf der Tegernseer Hütte, hier Pächter Michl Ludwig.
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Maskenpflicht auf 1650 Metern Höhe: Die Corona-Auflagen und der Umbau bestimmten heuer die Sommersaison auf der Tegernseer Hütte, hier Pächter Michl Ludwig.

Hüttenwirt Michl Ludwig blickt zurück

Corona und Umbau auf der Tegernseer Hütte: Eine Saison wie keine andere

  • Gabi Werner
    vonGabi Werner
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Hinter Michl Ludwig (58) liegt eine ungewöhnliche Saison: Umbauarbeiten und Corona haben den Alltag auf seiner Tegernseer Hütte auf den Kopf gestellt. Trotzdem bleibt der Hüttenwirt gelassen.

  • Ein Umbau und die Corona-Krise haben den Alltag der Tegernseer Hütte auf den Kopf gestellt
  • Hüttenwirt Michl Ludwig bot trotzdem eine Bewirtung an - und ist mit der Saison zufrieden
  • Die DAV-Sektion hofft, dass die Brandschutzmaßnahmen bald abgeschlossen sind

Kreuth – Schon unter normalen Bedingungen kann es rund um die exponiert gelegene Tegernseer Hütte eng werden. Der Zugang zur kleinen Terrasse ist schmal, viele Wanderer drängt es aufgrund der einmaligen Lage zu dem Bergdomizil unterhalb des Rosssteingipfels (Gemeinde Kreuth). Heuer nun kamen erschwerend die Umbauarbeiten hinzu – das „Adlernest“, so der Spitzname der Hütte, musste brandschutztechnisch aufgerüstet werden und bekam einen Quergiebel. Erst ab Mitte Juli konnte Michl Ludwig – seit 27 Jahren Pächter der DAV-Hütte – wieder eine einfache Bewirtung anbieten. Zu diesem Zeitpunkt hatte Corona bereits das Sagen: Das Virus ließ die Kapazitäten auf der Terrasse auf etwa 20 Plätze zusammenschrumpfen.

Die Bilanz des Hüttenwirts fällt dennoch positiv aus: „Es läuft gut, die Leute haben eine Mordsgeduld“, erzählt Ludwig. Bis zu 40 Wanderer würden an Spitzentagen am Zugang zur Hütte warten, um einen der begehrten Terrassenplätze zu ergattern. „An schönen Wochenenden ist das Gradl voll – die stehen wie die Heringe in der Büchse“, sagt der Pächter und schmunzelt. Mit Ach und Krach hat er die Tische und Bänke so positionieren können, dass die obligatorischen 1,50 Meter Abstand eingehalten werden.

Ludwig: „Ich war endlich wieder einmal Hüttenwirt und nicht nur Massenabfertiger“

Um Wartezeiten bei der Bewirtung zu vermeiden und einen schnellen Platzwechsel möglich zu machen, haben Ludwig und seine Mannschaft das Speisenangebot heuer auf einfache Gerichte, Suppen, Brotzeiten und Kuchen beschränkt. „Die Leute haben innerhalb weniger Minuten ihr Essen“, berichtet der 58-Jährige, der an den Wochenenden auch von seiner Frau Sylvia unterstützt wird. Insgesamt, so berichtet Ludwig, ist die Lage auf der Hütte recht entspannt. Ärger um die Maskenpflicht – wie es ihn andernorts schon mal gibt – kennt der Hüttenwirt kaum. Und auch er selbst kann den coronabedingten Einschränkungen durchaus Positives abgewinnen: Weil er weniger Gäste zu bewirten habe, sei er seit Jahren endlich einmal wieder Hüttenwirt – „und nicht nur Massenabfertiger“.

Die Tegernseer Hütte unterhalb des Rosssteingipfels hat einen neuen Quergiebel bekommen.

Weniger Gäste bedeuten natürlich auch weniger Umsatz. Hinzu kommt, dass aufgrund der Brandschutzmängel und der daraus resultierenden Umbauarbeiten seit September 2019 keine Übernachtungen mehr möglich sind auf der Hütte. Doch Pächter Michl Ludwig bleibt gelassen. „Ich mache zwar deutlich weniger Umsatz, habe aber auch einen viel geringeren Aufwand“, sagt der Hüttenwirt mit Blick auf die Arbeit in der Küche und das Personal. Drei Stunden lang Salat putzen und Kartoffeln schälen – das fällt heuer weg.

Brandschutzmaßnahmen sollen bis Ende Oktober abgeschlossen sein

Noch bis Samstag, 31. Oktober, dauert die Saison auf der 1650 Meter hoch gelegenen Tegernseer Hütte, die sowohl von Kreuther Gemeindeflur als auch von Lenggrieser Seite her erreichbar ist. Dann gehen Ludwig und seine Familie in die Winterpause. Bis dahin sollen auch die Brandschutzmaßnahmen endgültig abgeschlossen sein. Derzeit wird noch der Boden im neuen Schlaflager gelegt, der Bau des Fluchtstegs auf der Ostseite steht noch aus. „Aber wir sind auf der Zielgeraden“, sagt Rainer Toepel. Er ist Vorsitzender der Alpenvereins-Sektion Tegernsee, Eigentümerin der Hütte. Toepel hofft, dass noch im Oktober die offizielle Abnahme durch die Behörden stattfinden kann – damit könnte die Sektion das Schlaflager zur nächsten Saison wieder in Betrieb nehmen. Könnte. Denn auch dann bleibt abzuwarten, wie sich die Corona-Krise weiter entwickelt und ob ein Übernachtungsbetrieb unter Auflagen wirtschaftlich überhaupt Sinn macht.

Umbau: Knapp 30.000 Euro an Spenden sind zusammengekommen

Apropos Finanzen: Der Umbau ist für die Sektion ein echter Kraftakt. Rund 314.000 Euro werden die Maßnahmen verschlingen. Vom DAV-Hauptverband gibt’s einen Zuschuss, den größten Anteil aber muss die Tegernseer Sektion aus Rücklagen und über Darlehen selbst aufbringen. Toepel ist daher dankbar, dass viele ehrenamtliche Helfer beim Bau mit angepackt haben und auch die Spenden reichlich geflossen sind. Knapp 30.000 Euro sind auf diese Weise bisher zusammengekommen – „das war eine sehr positive Überraschung“, freut sich Toepel.

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